Rielasingen-Worblingen Auf den Spuren jüdischer Kultur
Mit einem ausführlichen Vortrag über jüdische Gebetstätten begleitete Franz Hofmann die Hauptversammlung des Bürger- und Museumsvereins. Bild: Bild: Jadis Walden
Rielasingen-Worblingen – Von der jüdischen Kultur, die im 19. Jahrhundert nicht nur in Worblingen ihre Blüte erlebte, zeugen im Ort nur noch wenige Bauten wie das ehemalige Wohnhaus der Familie Rothschild in der Liebenfelsstrasse. Umso mehr faszinierten die Ausführungen des Historikers Franz Hofmann, der zur Hauptversammlung des Bürger- und Museumsvereins über „Synagogen und jüdische Gebetsstätten im Hegau“ referierte.
In der Worblinger Chronik wurden 1611 erstmals jüdische Bürger im Dorf erwähnt. Das Gebetshaus der jüdischen Gemeinde wurde auf dem heutigen Parkplatz des Gasthauses „Goldenes Rössle“ erbaut. Zunächst war es ein normales Wohnhaus gewesen mit einem Gebetsraum. 1810 wurde das Worblinger Wohnhaus komplett zu einer Synagoge umgebaut, 1902 aufgelöst und später abgebrochen.
Mit alten und seltenen Bauplänen, Bildmaterial und Postkarten dokumentierte Franz Hofmann sehr eindrücklich das jüdische Gemeindeleben im Hegau sowie die Beschaffenheit der einzelnen Synagogen. Dabei erklärte der Historiker, dass der Bau der Gebetshäuser größtenteils über den Verkauf von festen Sitzplätzen in den Gottesdiensten finanziert wurde.
Bis zum Jahre 1862 war die Zahl der jüdischen Mitbürger im Hegau stetig angewachsen. 1862 schließlich wurde in weiten Teilen des Landes die bürgerliche Gleichstellung gesetzlich erlassen. „Daraufhin zogen viele Juden aus dem Hegau in die größeren Städte, was ihnen zuvor verwehrt geblieben war“, erläuterte der Historiker. Die Ortschaft Gailingen, die bis dato fast 1000 jüdische Bürger zählte und den Bezirksrabbinersitz stellte, bekam die Landflucht am meisten zu spüren. 1925 wurde der Sitz aufgrund der deutlich geschrumpften Gemeinde nach Konstanz verlegt. In der erst 1836 für insgesamt 600 Menschen erbauten Synagoge feierten nun Juden aus Wangen, Randegg, Worblingen und Gailingen zusammen ihre Gottesdienste. In der so genannten Reichskristallnacht von 1938 wurden alle noch im Hegau bestehenden Synagogen endgültig zerstört.
