Das Traubengut sei sehr ausgereift. „Beim Müller-Thurgau sind die Qualitäten sehr gut, etwas höher als im letzten Jahr“, erklärt Uricher. Der Müller-Jahrgang 2012 dürfte „überwiegend im Prädikatsweinbereich liegen“, gut drei Viertel davon könnten Kabinettweine werden, schätzt er. Die Öchslegrade lägen zwischen 78 und 83.
Eine ganz hervorragende Qualität erwarten Uricher und die anderen Winzer sogar vom roten Spät- und dem Grauburgunder. „Ich gehe davon aus, dass wir bei beiden Sorten Anteile an Spätlese haben“, so der Geschäftsführer. Öchslegrade von rund 90 seien gemessen worden. Allerdings werde die Menge beim Burgunder deutlich geringer sein als 2011. Uricher rechnet mit 30 bis 40 Prozent weniger Wein, weil der Blütenverlauf beim Burgunder aufgrund des nasskalten Wetters nicht gut gewesen sei. Bei den Weißweinsorten dürfte die Menge dagegen nur geringfügig niedriger sein, schätzt Uricher, so dass es insgesamt zirka 160 000 bis 170 000 Liter geben dürfte (Vorjahr: 195 000).
Sehr gut sehe es auch beim Biowein aus, berichtet Uricher: „Das ist alles im Spätlesebereich.“ Die vor vier Jahren in Oberzell gepflanzten Reben sind zudem erstmals im Vollertrag, ungefähr 6000 Liter (Vorjahr: 4000) werde es also Reichenauer Biowein geben. Dieser sei 2011 gut angekommen: Zum einen bei den Kunden, zum anderen beim Badischen Weinbauverband, der den Muscaris von der Insel bei einem Wettbewerb unter Biobetrieben mit dem ersten Preis auszeichnete.
Die Weißweine des Jahrgangs 2012 dürften ab etwa Mitte November fertig und erhältlich sein, schätzt Uricher. Der Bedarf ist schon jetzt groß. „Im Winzerkeller sind die Weißweinsorten bis auf einen Rest Müller-Thurgau ausverkauft.“ Noch genügend Bestände des Jahrgangs 2011 gebe es aber vom roten Spätburgunder, der eher im Winter getrunken werde. Der neue Rotwein komme denn auch frühestens im Frühjahr 2013 auf den Markt, kündigt Uricher an.
Da die Weinlese erst etwa Mitte Oktober abgeschlossen sein wird, seien seine Prognosen noch unter Vorbehalt zu verstehen, betont der Geschäftsführer. „Das Wetter spielt jetzt eine große Rolle.“ Im Idealfall für die Qualität sollten die kommenden Tage und Nächte kühl und trocken sein. Während sich nach der Weinlese die Winzerverein-Genossenschaft und Kellermeister Thomas Sättele an die Produktion machen, stehe für die Rebenaufbau- und Weinbaugenossenschaft der Umbau eines weiteren Rebenabschnitts an. Ab Ende Oktober werde im Bereich Marxenberg in Mittelzell ein Hektar Reben gerodet. Dort werde dann im Frühjahr 2012 Müller-Thurgau neu gepflanzt.
