Konstanz Gotteshaus ist Großbaustelle
Erwin Betker, Till Müller, Pfarrer Holger Müller und Mirijam Werther entkernen die Heiliggeistkirche auf der Reichenau. Bild: Bild: Oliver Hanser
Die Heiliggeistkirche auf der Insel Reichenau ist zur Großbaustelle geworden, und sie wird es noch auf Monate hinaus sein. Zu Weihnachten, hofft Holger Müller, der neue evangelische Seelsorger auf der Insel, steht das Gotteshaus wieder zur Verfügung. Rund 300 000 Euro werden dann investiert und eine neue Krippengruppe eingerichtet sein.
Viel Arbeit haben die evangelischen Christen mit eigenen Händen geleistet. Sie haben auf- und ausgeräumt und eine Menge Aufgaben übernommen, die auch Laien stemmen können. „150 Arbeitsstunden sind es bisher mindestens“, sagt Pfarrer Müller, der von Konstanz-Wollmatingen eben auf die Reichenau gewechselt ist. Das kann die kleine Gemeinde auf der grundlegend katholisch geprägten Klosterinsel gegenüber der Landeskirche als Eigenanteil verrechnen. Denn 40 Prozent der Baukosten muss die Ortsgemeinde beisteuern, weitere 40 Prozent kommen aus Karlsruhe, 20 Prozent über Sonderkredite.
Die Kirchensanierung selbst kostet 210 000 Euro, der Einbau einer zweiten Krippengruppe nochmals 110 000 Euro. Dafür gibt es öffentliche Zuschüsse, denn der Bedarf ist groß: 34 Kinder stehen schon auf der Warteliste. Aufgenommen werden etwa zwölf von ihnen. Obwohl die Krippe rechnerisch nur zehn Plätze hat, wird mit Drei-, Vier- und Fünftagesangeboten so jongliert, dass möglichst viele Familien in den Genuss des Betreuungsangebots kommen. Und weil der Bedarf so dringend ist, geht es schon nach den Sommerferien los, mit einer Notgruppe von sechs Kindern. Dafür opfert die Gemeinde sogar vorübergehend ihren Jugendraum.
Das religiöse Leben spielt sich bis Weihnachten ein wenig provisorisch ab. Der Gemeindesaal wurde mit einem schlichten Altar notdürftig hergerichtet, für manche Gottesdienste weicht die Gemeinde auch an ungewöhnliche Orte aus – so wie neulich, als unter freiem Himmel gebetet wurde, einschließlich einer Taufe direkt im Bodensee. Bis Heiligabend aber, sagt Pfarrer Müller, muss die Kirche samt der mühsam ausgelagerten Orgel wiederhergestellt sein, „dann reicht der Platz im Gemeindehaus ganz gewiss nicht aus“.
Für die neue Krippengruppe werden noch Erzieherinnen gesucht, doch trotz des viel diskutierten Fachkräftemangels gibt es schon einige Bewerbungen. Evangelisch muss man übrigens nicht sein, um im kirchlichen Kindergarten auf der Reichenau zu arbeiten – „eine Mitgliedschaft in einer der Kirchen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen genügt“, wie Müller sagt. Für einige Tätigkeiten und die Unterstützung der Jugendarbeit hat ihn Bürgermeister Wolfgang Zoll noch auf eine Idee gebracht: Die Gemeinde will einen Platz für ein Freiwilliges Soziales Jahr bereitstellen. Junge Leute, die sich für ein halbes oder ein ganzes Jahr in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erproben wollen, können sich an Holger Müller wenden – und gleichzeitig miterleben, wie die Kirche der Menschen langsam auch wieder eine Kirche aus Stein bekommt
