Reichenau Der Bütezettel zieht sich aus dem Konzertgeschäft zurück
Stephan Wurz (links) und Jürgen Müller vom Reichenauer Bütezettel. Bild: hohnhaus
Es ist schon eine Weile her, dass der Büttel über die Reichenau zog. Er zog mit Glocke bewaffnet durch die Gassen des Inseldorfes und brachte die Neuigkeiten unter das Volk. Die Club-Bar „Bütezettel“ auf der Reichenau hat ihren Namen aus der alten Tradition abgeleitet, denn auch sie will als Ort des lebendigen Austauschs wahrgenommen werden. Die Leute sollen sich gut unterhalten und dann auch mal das Neueste mit nach Hause bringen. Die Nachrichten, die jetzt von dem Club mit der schönen Adresse „Am Vögelisberg“ ausgehen, dürfte für die regionale Musikszene aber eher unangenehm sein: Die Betreiber der Bar, Stephan Wurz und Jürgen Müller, wollen ihr Konzertprogramm stark reduzieren. „Wir nehmen Abstand von dem programmatischen Anspruch, weil die Nachfrage zuletzt deutlich abgenommen hat. Die Chancen, dass ein Konzert floppt sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Zuschauerzahlen pendelten im Schnitt zwischen 40 und 20 – das ist einfach zu wenig für einen Laden mit einer Kapazität von 120 Zuschauern“, sagte Stephan Wurz im Gespräch mit dem SÜDKURIER.
Jahrelang gab es bis zu zwei Veranstaltungen im Monat in dem Reichenauer Club, damit ist jetzt Schluss. Man will sich lieber auf wenige Höhepunkte im Jahr beschränken, sagte Wurz. Dazu gehören unter anderem der Sommerzauber auf der Hochwart und die im vergangenen Jahr eingeführte Reihe „Jazz im Klosterhof“. In diesem Jahr soll am 7. Juli die Band Soneros de Verdad im Klosterhof spielen. „Das ist sozusagen die zweite Generation des Buena Vista Social Club“, erklärt Wurz, „die kubanischen Son-Klänge an einem Sommerabend im Klosterhof – das wird sicher ein sehr besonderer Abend.“
Das Aus für die reguläre Konzertreihe hat für die Bütezettel-Betreiber mehrere Gründe: „Grundsätzlich liegt es natürlich auch an unserem schwierigen Standort. Den Bütezettel muss man schon finden wollen. Dazu kommt, dass es immer schwieriger wird Livemusik zu veranstalten. Wir haben beobachtet, dass auch beim Publikum das Interesse nachlässt, sich auf neue Dinge und neue Bands einzulassen“, erläutert Stephan Wurz. Das Risiko eines Minusgeschäfts sei am Ende immer unkalkulierbarer gewesen, wohl auch wegen der gestiegenen Konkurrenz an Veranstaltungen. „Am Ende war das für uns alles mehr Stress als Vergnügen“, räumt Wurz ein. Problemtisch sei es vor allem gewesen, ein jüngeres Publikum zu gewinnen: „Livemusik wird von denen nicht mehr so geschätzt. Die gehen lieber in eine Großraumdiskothek“, stellt Wurz fest. Ganz wird die Livemusik trotz allem nicht aus dem Bütezettel verschwinden. Sie wird dort nur wesentlich seltener zu hören sein.
