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Reichenau Berufsfischer fangen weniger Felchen - erstmals Beschränkungen für Sportfischer

Die Fischer klagten über einen Rückgang beim Felchenfang von mehr als elf Prozent. Sie fingen deutlich mehr Kretzer, dafür weniger Hechte. Ab sofort gibt es Fangbeschränkungen für Sportfischer.

Reichenau/Höri – Mit rund 135 Tonnen Fisch haben die Berufsfischer am Untersee und Rhein im Jahr 2016 rund 4,5 Tonnen weniger gefangen als 2015, aber immerhin doch gut 2000 Kilogramm mehr als im Zehnjahresschnitt seit 2006. Der Rückgang beim Gesamtfang gegenüber dem Vorjahr liege vor allem am Einbruch bei den Felchenfängen, erklärte Werner Keller, der zweite Vorsitzende des Fischereivereins Untersee und Rhein, bei der Hauptversammlung im Hotel-Restaurant Mohren auf der Insel Reichenau. Vom sogenannten Brotfisch, der zwei Drittel des Gesamtfangs ausmacht, wurden 2015 knapp 100 Tonnen gefangen, im Jahr 2016 aber nur rund 88 200 Kilo – ein Rückgang von über elf Prozent. „Wir haben eine ganz bittere Pille zu schlucken gehabt“, so Keller. „Das ist ziemlich schwer zu verkraften.“

Dieses deutliche Minus habe auch nicht durch bessere Fänge bei anderen Fischarten ausgeglichen werden können. Dennoch sei die Zunahme beim Barsch (Kretzer) erfreulich. Mit rund 6,2 Tonnen wurden 1,7 mehr gefangen als 2015. Bei der Schleie, dem edelsten Weißfisch für die Berufsfischer, habe es mit 8,5 Tonnen ebenfalls ein Plus von 1500 Kilo gegeben. Beim Hecht allerdings, der mit 11,6 Tonnen nach dem Felchen mengenmäßig der zweitwichtigste Fisch ist, gab es ein leichtes Minus. Ein großes Problem seien weiterhin der Mangel an Nährstoffen im See und die vielen fischfressenden Wasservögel.

Immerhin gab es beim Kormoran, den die Berufsfischer als besonders großen Konkurrenten sehen, offenbar eine Entspannung. Der Vorsitzende Stefan Riebel berichtete, im Jahr 2016 habe man im Schnitt pro Monat 605 dieser Vögel gezählt, im Jahr davor waren es noch 100 mehr. Auch weniger Nester und Jungvögel wurden von den Fischern gezählt, dafür gebe es nun eine Zunahme bei Bodman. Riebel berichtete, die Berufsfischer hätten 2016 rund 280 Kormorane geschossen. Die Erlaubnis zur sogenannten Vergrämung gelte noch drei Jahre und solle dann erneut beantragt werden. Peter Dehus, Fischereirefernt beim Landwirtschaftsministerium, berichtete, dass ein Managementplan zum künftigen Umgang mit den Kormoranen weiter in Arbeit sei. Es gebe jetzt einen ersten Entwurf, der den Naturschutzbehörden vorgestellt werden solle.

Beschränkungen für Sportfischer

Doch die Berufsfischer klagen über weitere Probleme, die ihnen die Arbeit erschweren – so etwa die steigende Zahl von Anglern am Untersee und Rhein. Nach Auskunft des Landratsamts stieg die Zahl der ausgegebenen Monats- und Jahressportfischerkarten seit dem Jahr 2011 von 2340 auf 2800 im Vorjahr. Die Sportfischer würden ebenso wie die Berufsfischer von Fischereiaufsehern kontrolliert, ob sie die Vorgaben der Unterseefischereiordnung einhalten. Riebel berichtete, dass es manche Sportfischer aber zuletzt „unverschämt übertrieben“ hätten – gerade beim Hechtfang, aber auch beim Kretzer.


„Wir haben lange zugeschaut und überlegt, was wir tun können“, so Riebel. Als Konsequenz gebe es nun erstmals Beschränkungen für Sportfischer im Gnadensee. So dürften diese zum Beispiel maximal vier Hechte am Tag und zwölf im Monat fangen, bei den Felchen seien es zehn täglich und 40 im Monat, beim Kretzer 50 und 250. Vertreter der Angelsportvereine Konstanz und Radolfzell sprachen aber von einer guten Zusammenarbeit mit den Berufsfischern.

Ein anderes Problem werde durch das Uferkonzept der Gemeinde immerhin seit einigen Jahren angegangen. „Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist ein Anfang“, so Riebel. Einige Riedwiesen im Uferbereich der Insel werden nun regelmäßig gemäht und gepflegt. Ingo Kramer, Geschäftsführer im Landesfischereiverband, hat zusammen mit Riebel Messungen und Untersuchungen vorgenommen, und festgestellt, dass sich dies positiv auswirke. Sobald die gemähten Riedwiesen überflutet werden, kämen Fische wie Hecht, Karpfen oder Schleie zum Laichen. Ein Problem sei aber nach wie vor das abgestorbene Schilf am Übergang zum offenen Wasser, das für die Jungfische ein Hindernis sei. Ziel müsse es daher sein, ehemalige und zugewucherte Entwässerungsgräben in den Riedwiesen konsequent und großräumig frei zu räumen als Wege für den Fischnachwuchs, so Kramer.

Aus dem umstrittenen Thema Felchenzucht in Aquakulturen, das am Obersee heiß diskutiert wird, wollen sich die Unterseefischer heraushalten. „Wir als Verein beziehen keine Position – weder pro noch contra“, sagte Riebel. Das müsse jeder Fischer mit sich selber ausmachen. Vertreter der Fischer vom Obersee und der Angelfischer betonten jedoch, dass sie mehrheitlich gegen solche Aquakulturen seien, weil sie Risiken und zusätzliche Konkurrenz befürchten.

 

Zahlen, Fangmengen und ein schwieriger Beruf

  • Fangmengen: Rund 135 Tonnen Fisch fingen die Berufsfischer vom Untersee und Rhein im Jahr 2016, 4,5 Tonnen weniger als 2015. Die Ergebnisse bei den wichtigsten Fischarten: Aal: 4852 Kilogramm (plus 390); Barsch/Kretzer: 6185 (plus 1715); Felchen: 88 197 (minus 11 372); Hecht: 11 601 (minus 226); Karpfen: 5444 (plus 433); Schleie: 8516 (plus 413).
  • Berufsfischer: 26 deutsche Berufsfischer gab es im Jahr 2016 noch am Untersee und Rhein, die meisten auf der Insel Reichenau, einige auf der Höri. Allein von der Fischerei leben könne keiner mehr, erklärt Stefan Riebel, der Vorsitzende des Fischereivereins Untersee und Rhein – und dies, obwohl sie den Beruf intensiv ausübten. „Mehr geht gar nicht.“ Die meisten seien nebenbei noch in anderen Bereichen der Landwirtschaft, zu der auch die Fischerei zählt, tätig: im Gemüse- oder Weinanbau oder im Forst.
  • Zum Verein: Der Vereinsvorstand wurde in der Hauptversammlung unter der Leitung von Bürgermeisterstellvertreter Armin Okle einstimmig entlastet. Schriftführer Markus Wedele erklärte in seinem Jahresbericht, es habe 2016 eine größere Ausgabe für einen neuen Motor des Planktonfangboots gegeben. Kassierer Joachim Böhler sagte, dass hierfür noch 2017 ein Betrag zu zahlen sei. Deshalb sei es gut, dass der Verein 2016 ein Plus von 14 850 Euro gemacht habe. Die Kassenprüfer Roland Böhler und Dominik Dummel bescheinigten eine einwandfreie Kassenführung. (toz)

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