Einen formellen Antrag hat der Reichenauer Gemeinderat zum Schluss nicht gestellt, aber seinen Wunsch deutlich formuliert: Er möchte, dass der bisherige und bereits offiziell gesperrte Radweg an der B 33 nach deren Ausbau und Eröffnung der Westtangente nutzbar bleibt – obwohl es viele Unbekannte bei diesem Thema gibt.Eigentlich ist es beschlossene Sache, und auch der Reichenauer Gemeinderat hat sich 2009 für den Bau eines Radwegs entlang der Bahntrasse ausgesprochen. Argumente dafür waren: Er soll Teil des Bodensee-Radwegs sein, Verkehrsströme sollen gebündelt und damit der Individualverkehr mit dem öffentlichen Nahverkehr am Bahnhof Reichenau zusammengebracht werden. Wer den Radweg an der Bundesstraße nachts nutzt, den stören die entgegenkommenden blendenden Autos.
Weil der neue Radweg an der Bahntrasse für all jene einen Umweg von 900 Metern bedeutet, wenn sie mit dem Rad von der Insel ins Konstanzer Unterlohn wollen, hat sich Protest formiert. 13 Bürger haben in einer Unterschriftenliste die Beibehaltung des schilfnahen Wegs gefordert und der Gemeinderat ist eingeschwenkt. Ein Durchgangsrecht wünschte er sich und beauftragte die Verwaltung mit Gesprächen.
Fazit: Fallen Mehrkosten an, müsste die Gemeinde Reichenau diese tragen. Bis zu 158 000 Euro könnten je nach Anzahl der notwendig werdenden Maßnahmen auflaufen, hat die Reichenauer Verwaltung ihren Gemeinderäten aufgelistet. Die Stadtverwaltung von Konstanz hat – vorbehaltlich eines notwendigen Gemeinderatsbeschluss – wenig Interesse an einer Teilhabe für ihren Abschnitt signalisiert.
Dass es ohne Mehrkosten geht, bezweifelte Bürgermeister Wolfgang Zoll in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das hat mehrere Gründe. Die Neubauleitung Singen des Regierungspräsidiums hat die Entsiegelung und damit den Rückbau des alten 2,2 Kilometer langen Radwegs fix eingeplant – als Ausgleich für die Versiegelung beim Bau des neuen Radwegs. Zudem ist unklar, ob mit dem Ausbau der B33 der alte Weg durchgängig erhalten bleibt und Maßnahmen notwendig würden. Auf jeden Fall müsste jedoch an der Kindlebildkreuzung die Auffahrt auf den künftigen Schotterweg gestaltet werden und der Unterhalt des Sträßleins würde die Reichenau jährlich viel Geld kosten.
Das ist das Stichwort fürs größte Reizthema der Gemeinderäte. Sie ärgerten sich über eine Aussage des Naturschutzbundes (NABU). Er wird später einen Teil des alten Radwegs nutzen und wolle der Gemeinde Reichenau kein Durchfahrtsrecht gewähren – um „Irritationen des südlich der B33 gelegenen Naturschutzgebiets durch Radfahrer und Fußgänger zu verhindern“, gab die Verwaltung in ihrer Vorlage wieder. Um die Bedenken des NABU abzuwägen, wäre ein Gutachten notwendig. Kosten: etwa 18 500 Euro. „Das ist widersinnig“, sagte Armin Okle (Freie Wähler), dass der Naturschutzbund umweltfreundliche Fortbewegungsmittel nicht fördern wolle. „So grün ich bin: Das kann ich nicht nachvollziehen“, schimpfte Ines Happle-Lung (Freie Liste Natur).
Berndt Wagner (CDU) scheiterte knapp mit seinem Antrag, den alten Radweg als wassergebundene Variante zu erhalten, womit Kosten für die Gemeinde Reichenau definitiv geworden wären. Somit kann die Neubauleitung Singen wie gehabt weiterplanen. Der Gemeinderat Reichenau kann also nur auf die Freiwilligkeit hoffen; dass nachher alle Beteiligten die Nutzung des Wegs gestatten – sofern dieser überhaupt durchgängig befahrbar sein wird.
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