Radolfzell -
Prominenter Redner beim Radolfzeller Hausherrenfest: Erzbischof Robert Zollitsch hat in seiner Predigt vorgeburtliche Tests kritisiert. Alle Menschen seien ein Liebesgedanke Gottes, wie es das diesjährige Motto des Hausherrenfestes formuliert.
Erzbischof Robert Zollitsch (Mitte) hat beim Radolfzeller Hausherrenfest mit einer Tradition gebrochen: Ausnahmsweise scheint die Sonne, obwohl ein Freiburger Erzbischof zu Besuch ist. Der Fürbittengottesdienst auf dem Marktplatz war also gut besucht.
Bild: Gerald Jarausch
Morgenstund' hat Gold im Mund und auch noch einen tollen Blick über die Stadt: Die Turmbläser um 8.20 Uhr auf dem Münsterturm.
Erzbischof Robert Zollitsch beim Hausherrenfest im Radolfzeller Münster.
Bild: Jarausch
Ein guter Einstieg ist das A und O für eine gelungene Rede, ob von der Kanzel herab, beim runden Geburtstag oder einer wichtigen Präsentation. Mit einer netten kleinen Anekdote hat Münsterpfarrer Michael Hauser im Pontifikalamt zum Hausherrenfest einen wahrlich charmanten Einstieg geschafft. Die Episode über eine Radolfzellerin, die einen Touristen bittet, im Münster die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen, denn das macht man schließlich so, wenn man „beim Chef ist“, ist einer von vielen leichten Momenten beim Hausherrenfest. Es ist ja schließlich ein Freudentag für die Radolfzeller, an dem viele wieder nach Hause reisen, in die alte Heimat.
„Die Hausherren sind den Radolfzellern etwas wert“, sagt auch Pfarrer Hauser, der sich sichtlich darüber freute, an diesem besonderen Tag Erzbischof Robert Zollitsch zu begrüßen. Zollitsch war zum ersten Mal beim Hausherrenfest. Ein Grund dafür könnte auch sein, dass Radolfzell im Erzbischöflichen Ordinariat „wenig Sorgen und Ärger macht“, wie Pfarrer Hauser munter anmerkte.
Eine freudige, gelöste Stimmung also im ehrwürdigen Münster, das noch dazu von den erhebenden Klängen des Münsterchors unter der Leitung von Christoph Theinert ausgefüllt wurde. Schon das „Kyrie Eleison“ gleich zu Beginn des Gottesdienstes rührte die Gemeinde, die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart ein weiterer Höhepunkt der Heiligen Messe. Dazu hat sicherlich auch Oberbürgermeister Jörg Schmidt als Chorsänger seinen Teil beigetragen.
Einen ungewöhnlichen Einstieg wählte auch Erzbischof Robert Zollitsch für seine Predigt. Er nahm als Anknüpfungspunkt ausgerechnet die Toten Hosen, Punkrocker aus Düsseldorf, die eher selten in kirchlichem Kontext auftauchen. Ihr aktueller Hit mit der Liedzeile „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“ ist für Zollitsch aber guter Referenzrahmen für die Sehnsucht nach mehr, nach Erfüllung. Diese könne jedoch nur Jesus versprechen, „die letzte Erfüllung wird es in diesem Leben nicht geben“. Auch die Radolfzeller Hausherren verkörperten die Verheißung. „Es ist ein Geschenk für Radolfzell, dass es auf dem Fundament solcher Heiliger gründet“, so Zollitsch. Er sei dankbar, dass die Tradition so hochgehalten werde, aber damit sei es nicht getan. Der Glaube müsse gelebt werden.
Klare Worte fand Zollitsch gegen Abtreibung und gegen neue Tests, die es möglich machen, einfach herauszufinden, ob ein ungeborenes Kind das Down Syndrom hat. Der Mensch lege fest, welches Leben lebenswert ist. „Es beschämt uns, wenn über 100 000 Kinder abgetrieben werden“, sagte der Erzbischof. Jeder Mensch sei ein Liebesgedanke Gottes, wie es auch das diesjährige Motto des Hausherrenfestes formuliere. Die Menschen müssten entscheiden, wie sie damit umgehen und wie sie eine Antwort auf diese Liebeszusage Gottes geben. Gerade die Jugend müsse sich überlegen, wie sie ihr eigenes Leben gestalten will.
Dazu passten auch die Auszüge aus einem Traktat des Konfessors Zeno, eines der Hausherren, die Christof Stadler vor dem Fürbittgottesdienst auf dem Marktplatz vortrug. Seine Gedanken über Gerechtigkeit sind heute noch gültig und tragen die Relevanz der Hausherren in die Gegenwart hinein. Überhaupt sei das Fest nichts Zementiertes, sondern biete immer wieder neue Impulse, erklärte Stadler. Natürlich bleiben Fixpunkte erhalten, wie die Prozession durch die Altstadt mit den Reliquien der Hausherren und dem berührenden Spiel der Stadtkapelle unter Kuno Rauch. Tradition verpflichtet eben.