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Es herrschte andächtige Stimmung im Musik- und Seelsorgeraum der Werner-Messmer Klinik in Radolfzell. Dort fand am Freitag die Vernissage der Ikonen-Ausstellung ,,Vom Jenseits - im Diesseits“ statt.

Annemarie Welte, Seelsorgerin der Klinik, ermöglichte die Nutzung der Räumlichkeiten. Sie erklärte, dass sie diesen Raum bewusst ausgewählt habe, da er als Sakralraum der Klinik diene und es sich bei Ikonen weniger um ästhetische Kunst als vielmehr um primär sakral motivierte Bilder handle. Daraufhin wurden die Gäste durch Barockmusik von Georg Friedrich Händel für Klavier und Violine, gespielt von Herbert Gnädinger, Organist des Münsters und Veronica Friedel, auf diese besondere Form der Kunst eingestimmt.

Das Hintergrundwissen zur Kunst der Ikonenmalerei lieferte Klaus Oettinger, ein Ikonenliebhaber aus Konstanz. Er erklärte zunächst den fundamentalen Unterschied zwischen westeuropäischer Kunst und der orthodox-kirchlichen Kunst der Ikonen. Diese Kunstrichtung ist seit Jahrhunderten weitgehend unverändert geblieben. Es handelt sich um Bildnisse von Jesus Christus, der Mutter Gottes, dem Heiligenkanon oder Szenen aus der Bibel, wie zum Beispiel dem letzten Abendmahl. Diese Bilder sind in der Orthodoxen Kirche spirituell sehr wichtig für die Gläubigen.

Sie werden geweiht und haben auch in vielen orthodoxen Haushalten einen festen Platz, an dem man sich bekreuzigt und sich zum Beten und zur Stille vor Gott zurückzieht. Sie stellen also das Bindeglied zwischen dem Jenseits und dem Diesseits dar.

Nach der Einführung kam ein angeregtes Gespräch mit vielen Fragen zwischen den Gästen und der Künstlerin in Gang. Wie kommt man als Hobbykünstlerin zu diesen Motiven? Monika Müller begann von den Anfängen zu erzählen. Zwei Dinge seien ihr im Leben sehr wichtig. Zum einen das Malen und zum anderen ihr christlicher Glaube. Nach Kursen im Porträtzeichnen, figürlichen Zeichnen und Landschaftsmalen besuchte Müller 2001 einen Kurs der Ikonenmalerei bei einem ehemaligen katholischen Theologen, der zum orthodoxen Glauben konvertiert ist. Schon bei ihrer ersten Ikone wurde sie von einer ganz neuen spirituellen Erfahrung ergriffen, die sie bis heute nicht mehr losgelassen hat. Sie bereitet sich durch Gebete auf das zu malende Bild vor und malt, wie sie betont, zur Ehre Gottes. Dieser ersten Ikone folgten bis heute 78 weitere. Inzwischen hat sie selbst zwei Kurse gegeben, und dies ist bereits ihre vierte Ausstellung. Jedes der Bilder übt eine strahlende Kraft aus und das liegt nicht nur am verwendeten Blattgold für den Hintergrund.

Zugleich ist das Malen für Monika Müller auch Missionsarbeit. Da ihr Schwiegersohn aus Sambia stammt und sie seit einer Reise in dieses Land die dort herrschende Armut mit eigenen Augen gesehen hat, nutzt sie ihre Gabe, indem der Erlös jeder verkauften Ikone über das Radolfzeller Missionshilfswerk „Auxilium“ einer katholischen Schule in einem Armenviertel von Lusaka in Sambia zugute kommt. So kann die selbst erlebte spirituelle Erfahrung von Monika Müller beim Malen selbst im fernen Sambia segensreiche Auswirkungen entfalten.

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