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Vom Stürmer zum Lehrer

Als Lehrer kann der ehemalige Fußballprofi Bernd Stobeck (Mitte) seinen Schülern viel von sich weitergeben. Seine Schüler schätzen ihn als harten aber herzlichen Ausbilder, der den Ehrgeiz zu wecken versteht. | Bild: Antje Kirsch

Er war der "Spielmacher", die "treibende Kraft" und "unermüdlich" am Ball, schrieben seinerzeit die Zeitungen. Als Fußballprofi prägte er die Spiele des FC Villingen, des Freiburger FC, des FC Singen sowie des FC Schaffhausen von den 70er Jahren bis in die 80er. Seine Fußballkarriere ist lange her, fußballmüde ist er deshalb noch lange nicht. Der ehemalige Mittelfeldspieler und Stürmer brachte nach seiner aktiven Laufbahn der Jugend zahlreicher regionaler Vereine das Kicken bei und spielt heute noch aktiv bei den alten Herren der Traditionsmannschaft München 1860. Die Rede ist vom ehemaligen Fußballprofi Bernd Stobeck, der mitten aus dem Herzen Dortmunds stammt und heute im Radolfzeller Berufsschulzentrum arbeitet.

"Ich habe überall gespielt, kenne alle Stadien und habe in tollen Hotels gewohnt bei Auswärtsspielen. Das war schon schön", schwelgt Stobeck, der immer mit Ehrgeiz dafür kämpfte, ganz oben mitzuspielen. "Man musste schon was tun für seinen Körper", erzählt der heute noch drahtige Mann. Fußballvernarrt war er schon immer. Bereits mit sechs Jahren zog es ihn auf den grünen Rasen. "Am besten ausgestattet war bei uns natürlich Borussia Dortmund." Mit acht Jahren hatte Bernd es geschafft. Die Jugendtrainer des BVB wurden auf ihn aufmerksam. Damit kickte er beizeiten eine Runde höher als viele seiner Freunde und war mittendrin: "Als Balljungen waren wir immer im Stadion, wenn die erste Mannschaft spielte. Da dachte man nur eins: Ich will nicht hinter dem Tor, sondern auf der anderen Seite stehen." In den folgenden zwölf Jahren spielte Bernd Stobeck beim BVB in allen Jugendmannschaften, um dann in die damals neu gegründete 2. Bundesliga aufzusteigen. Befriedigt hat ihn das allerdings nicht. Als junger Spieler musste er zu oft die Bank drücken. Deshalb wechselte er 1971 zum FC Villingen, bevor er schließlich nach Freiburg ging.

Die Welt stand dem Profi damals offen. Doch er ergriff die Chance nicht, zu Bayer Leverkusen zu wechseln, nach New York oder Boston zu gehen. Das Komplettprogramm des FC Freiburg von der Wohnung über die gesicherte Versorgung waren für Stobeck Verlockung genug, zumal er hier neben dem Training eine Ausbildung zum Lehrer für Holztechnik machen konnte. "Mein Vater riet mir: Guck, dass du eine Ausbildung machst. Und das habe ich getan." Hat er das je bereut? "Manchmal schon. Mein Leben wäre wahrscheinlich anders verlaufen." Und mit ein bisschen Wehmut ergänzt er: "Ich bin einfach zu früh geboren, wenn ich daran denke, was die jungen Kerle jetzt so verdienen."

Trotzdem ist Bernd Stobeck heute zufrieden. Immerhin spielte er damals einen erfolgreichen Fußball, gewann gegen New York, wo unter anderem Franz Beckenbauer Spieler war, oder errang mit dem FC Freiburg die Südbadische Meisterschaft, der der Aufstieg in die 2. Bundesliga folgte.

Heute sind die Schüler des Radolfzeller Berufsschulzentrums seine Mannschaft. "Das macht Spaß und ich profitiere viel von meiner Trainerarbeit", erzählt Stobeck. "Hart aber herzlich" beschreiben ihn seine Schüler. Er würde es immer schaffen, ihren Ehrgeiz zu wecken. Und ganz nebenbei wissen sie auch alles über Fußball. Denn schließlich kennen sie ihren Lehrer, der gerne mit ihnen wettet - natürlich ganz harmlos um Mars oder Snickers.

Und wie lautet seine Prognose für die Europameisterschaft? "Ich traue das Deutschland zu!"

So sah er damals aus: Bernd Stobeck als junger Spieler beim FC Freiburg.

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