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Radolfzell Unterstützung für die Radolfzeller Geburtshilfe bleibt stark - Kreistag entscheidet am Montag

Tausende unterschreiben für die Geburtshilfestation am Radolfzeller Krankenhause. Die Belegschaft warnt vor Engpässen in der Versorgung, wenn die Abteilung geschlossen werden sollte. Am Montag ist die entscheidende Sitzung des Kreistags.

Das öffentliche Interesse an der Radolfzeller Geburtshilfe reißt nicht ab: Mehr als 3700 Menschen haben inzwischen im Internet eine Petition für den Erhalt der Einrichtung am Krankenhaus Radolfzell unterzeichnet – knapp 3000 von ihnen kommen aus dem Landkreis Konstanz. Dies geht aus den Zahlen hervor, die auf der Seite www.openpetition.de genannt sind, auf der Karin Neubert aus Radolfzell die Petition gestartet hat. Und das Ende dürfte noch nicht erreicht sein: Wer seine Unterstützung für die Geburtenstation in Radolfzell signalisieren will, kann dies bis zum 25. Dezember tun.

Im Vorfeld der entscheidenden Kreistagssitzung am kommenden Montag, 19. Dezember, ab 14 Uhr, in der das Gremium über eine finanzielle Beteiligung an der Radolfzeller Geburtshilfe entscheidet, gibt es noch mehr Unterstützung: Mindestens 4000 Unterschriften für den Erhalt der Station seien inzwischen auf Papierlisten zusammengekommen, schätzt Karin Vögele, Vorsitzende des Familienverbands Radolfzell-Konstanz. Zuletzt hatte dieser mit dem Krankenhausförderverein am Samstag einen Informationsstand auf dem René-Moustelon-Platz aufgestellt, mit großem Zulauf nicht nur von Familiengründern, wie Vögele erklärt: "Viele ältere Leute, die selbst in Radolfzell zur Welt gekommen sind, wollen, dass ihre Enkel auch hier geboren werden können." Die Unterschriften werden am Mittwoch, 14. Dezember, um 11 Uhr an Landrat Frank Hämmerle übergeben.

Auch die Mitarbeiter der Radolfzeller Geburtshilfe haben zwischenzeitlich mit einem offenen Brief an die Kreistagsmitglieder appelliert. Sie verweisen darauf, dass mehr als 500 Kinder, die jedes Jahr in Radolfzell zur Welt kommen, ohne die dortige Abteilung anderswo geboren werden müssten. Die Geburtshilfe-Abteilungen in Singen und Konstanz seien allerdings an ihren räumlichen oder personellen Grenzen angekommen, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Die Krankenhausmitarbeiter warnen: "Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, dass es nach einer Schließung in Radolfzell zu Engpässen in der geburtshilflichen Versorgung im Landkreis kommen wird. Bevor man eine Schließung in Betracht zieht, müssen an den Standorten Konstanz und Singen erst dementsprechende Infrastrukturen geschaffen werden." Und die Mitarbeiter appellieren an die Kreisräte, nicht nur an die Zahlen zu denken, sondern auch die Interessen der Öffentlichkeit ernst zu nehmen.

Die 500. Geburt hätten die Radolfzeller Frauenärzte übrigens in der Nacht zum Sonntag, 11. Dezember, verzeichnet, wie Matthias Groß, Arzt in der gynäkologischen Gemeinschaftspraxis, in einer E-Mail mitteilt. Im Vorjahr sei die 500. Geburt erst eine Woche später erreicht und erstmalig überschritten worden. Und Groß fügt hinzu: "Damit ist das Jahr 2016 als das geburtenreichste seit Bestehen des Krankenhauses Radolfzell zu werten."

Obwohl die Radolfzeller Geburtshilfestation also offenbar geschätzt wird, ist ihre Zukunft nach wie vor unsicher. Der Grund dafür sind, wie bei Hebammen, stark steigende Prämien für die Berufshaftpflicht von Ärzten in der Geburtshilfe. Grob gesagt, sind die Schadenersatzsummen stark gestiegen, die im Fall eines Geburtsschadens gezahlt werden müssen. Dieses Risiko geben die Versicherer weiter – was die Arbeit in der Geburtshilfe für die Ärzte zu einem Verlustgeschäft gemacht hätte. Im Gespräch als juristisch saubere Lösung ist nun ein Honorar-Belegarzt-Modell, das Kosten in Höhe von 420 000 Euro jährlich nach sich ziehen würde. Die drei Ärzte sowie die Werner- und Erika-Messmer-Stiftung haben zugesagt, sich zunächst mit je 50 000 Euro jährlich daran zu beteiligen, die Stadt Radolfzell könnte über den Spitalfonds 160 000 Euro jährlich beisteuern. Über die restlichen 160 000 Euro, die der Landkreis als Besteller einbringen könnte, entscheidet nun der Kreistag – dessen Verwaltungs- und Finanzausschuss hat sich laut der Sitzungsvorlage bereits dagegen ausgesprochen.

Weitere Termine 

  • Diskussion: Die Radolfzeller Frauenunion der CDU lädt am Donnerstag, 15. Dezember, um 20 Uhr ins Mehrgenerationenhaus zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über die Radolfzeller Geburtshilfe ein.
  • Demonstration: Zur Kreistagssitzung am Montag, 19. Dezember, ab 14 Uhr soll es eine Demonstration vor dem Landratsamt geben. Diese beginnt laut der Internetseite www.radolfzeller-babys.de um 13.30 Uhr.

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