Am 1. November ist ein Treffen zum Weltvegantag im Milchwerk geplant. Im Vorfeld hat der SÜDKURIER mit Reiner Degen, Leiter der Regionalgruppe des Vegetarierbunds, über Ökologie, Welternährung und seine Lebensweise gesprochen.
Herr Degen, was genau hat sich die Regionalgruppe des Vegetarierbunds zur Aufgabe gemacht?
Wir wollen hauptsächlich die Bevölkerung informieren darüber, was sich genau hinter veganer Lebensweise verbirgt und in welche Bereiche diese hineinwirkt. Es geht dabei um Ökologie, Energie, Welternährung, Frieden und Ethik. Wir versuchen dabei, die Komplexität des Themas verständlich zu machen. Darüber hinaus zeigen wir auch Wege für die Produzenten, also die Landwirte auf, dass eine Existenz auch ohne die Produktion von Milch und Fleisch möglich ist.
Wie viele Anhänger einer veganen Lebensweise engagieren sich denn in der Region?
In der Regionalgruppe sind es etwa 15 Personen, die auch regelmäßig an Veranstaltungen teilnehmen. Wir haben im Frühjahr und Sommer je eine größere Veranstaltung organisiert sowie zwei vegane Sommerfeste.
Wie sind Sie selbst zum Veganismus gekommen?
Mit 27 Jahren war ich ein Jahr lang Vegetarier. Beeinflusst war ich von meinem älteren Bruder, der schon länger vegetarisch lebte. Ich habe dann erkannt, dass konsequenter Vegetarismus nur als vegane Lebensweise möglich ist. Jetzt lebe ich seit 39 Jahren vegan und trage auch keine Lederbekleidung. Die Grundidee ist, dass Tiere genauso leben wollen wie Menschen – sie sind keine Rohstoffe. Vegetarier wiederum sind nicht ganz konsequent, weil Tiere automatisch geschlachtet werden, wenn sie für die Milchproduktion genutzt werden.
Sie ordnen veganes Leben in einen globalen Kontext ein, es geht auch um Gerechtigkeit und Ökologie. Was sind die wichtigsten Motive für Veganer, auf tierische Produkte zu verzichten?
Gesundheitliche Motive spielen eine große Rolle. Entscheidend ist aber auch das Verständnis, dass sehr viele Nahrungsmittel verschwendet werden und, dass man die Weltbevölkerung ohne Viehwirtschaft anders ernähren könnte. Man würde viel weniger Rohstoffe und Wasser verbrauchen, wenn man sich konsequent vegan ernährt. 18 bis 30 Prozent des CO-Ausstoßes wird der Tierzucht zugerechnet. Das ethische Motiv, die Gerechtigkeit gegenüber Tieren, und das gesundheitliche sind die am häufigsten genannten Gründe.
Sie haben zum Weltvegantag auch Vertreter von Naturschutzverbänden, Landwirte und Kirchenvertreter eingeladen. Wie reagieren die unterschiedlichen Personen auf die Vorstellungen des Vegetarierbunds?
Das wird sich zeigen! Es ist erst einmal ein Versuch und nicht ganz einfach. Man lässt sich schließlich nicht so gerne sagen, wie man leben soll. Bei Landwirten ist es schwierig, deshalb wollen wir ja auch Existenzalternativen aufzeigen. Naturschützer kommen oft mit dem Argument, man brauche aber die Schafe, um die Landschaft zu pflegen. Zum Dank dafür muss man die Schafe aber nicht aufessen, sagen wir.
Wie viel Zeit verwenden Sie persönlich auf die Essenszubereitung und wie sieht ein Abendessen oder Frühstück bei Ihnen aus?
Um ein warmes Essen zu kochen brauche ich 30 bis 45 Minuten. Das macht wenig Arbeit. Als Mittag- oder Abendessen gibt es oft Kartoffeln, Reis oder Getreide mit Gemüse aller Art. Zum Frühstück esse ich Müsli mit viel Obst, Rosinen und Nüssen, mit Hafermilch zubereitet. Außerdem wenig Brot, das ich im Bioladen kaufe.

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