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Radolfzell Tag der offenen Tür bei Kindertagespflegevereinen

Am Samstag öffneten die Kindertagespflegevereine zum ersten Mal ihre Türen der breiten Öffentlichkeit. Die Rahmenbedingungen der Betreueung müssen verbessert werden. 5,50 Euro pro Stunde sind zu wenig.

Fünf Kinder zu betreuen, ist keine Leichtigkeit. Für viele Tagesmütter und auch einige Tagesväter ist es jedoch ihr tägliches Brot. Werden die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten betreut, können es bis zu acht sein, die eigenen Kinder nicht mitgerechnet. Pro Kind bekommen Tagesmütter einen Stundensatz von 5,50 Euro. Ab 2018 sollen sich zusätzlich die Beitragszahlungen von Tagesmüttern zur Krankenversicherung erhöhen. Damit wäre die Existenzgrundlage mancher Tagesmütter endgültig in Frage gestellt. Doch viele Elternpaare und Alleinerziehende sind auf die Betreuung ihres Kindes durch eine Tagesmutter schlichtweg angewiesen. Zum Beispiel alle berufstätigen Eltern, die im Schichtbetrieb arbeiten und für ihr Kind außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Kindertagesstätten eine Betreuung benötigen.

Am Samstag öffneten die Kindertagespflegevereine in ganz Baden-Württemberg zum ersten Mal ihre Türen der breiten Öffentlichkeit. Iris Graf, Geschäftsführerin des Tagesmüttervereins im Landkreis Konstanz, nutzte die Gelegenheit, um auf die prekären finanziellen Rahmenbedingungen von Tagesmüttern aufmerksam zu machen. Für den beginnenden Bundestagswahlkampf hat der Landesverband der Kindertagespflege konkrete Ziele vor Augen. Man wünsche sich, dass die Kindertagespflege ein eigenständiger Beruf mit einer Ausbildung wird. Auch finanziell sollte die Tätigkeit ein normales Auskommen ermöglichen. Bei dem derzeitigen Stundenlohn von 5,50 Euro hätten Tagesmütter keinerlei Perspektiven für eine finanzielle Absicherung im Alter, so Graf. Dies müsse geändert werden.

Zudem profitieren Tagesmütter nur noch bis Ende 2018 davon, dass ihre Tätigkeit als nebenberuflich eingestuft wird. Danach sollen sie als hauptberuflich Selbstständige geführt werden. Damit stiegen die Krankenversicherungsbeträge erheblich, ist die Initiative der Ansicht. Es sei zu befürchten, dass viele Tagesmütter ihre Arbeit dann aufgeben müssten.

Zum Tag der offenen Tür waren Bundestagskandidaten verschiedener Parteien geladen. Dass die Rahmenbedingungen der Kindertagespflege verbessert werden müssten, darin waren sie sich einig: Der Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (CDU) hob hervor, dass Familien unterschiedliche Bedürfnisse in der Kinderbetreuung hätten. Die politische Aufgabe sei es, eine tragbare Grundlage für verschiedene Betreuungsmodelle zu schaffen. Simon Pschorr (Die Linke) sah den Stellenwert der Berufe im Pflegebereich generell als zu niedrig angesiedelt. Einen Stundenlohn von 5,50 Euro nannte er "deutlich zu niedrig". Tassilo Richter (FDP) beurteilte die derzeitige Vergütung als "einen klaren Schritt in die Altersarmut".

Viele Kinder zu betreuen, scheint für die Tagesmütter eine eher bereichernde Aufgabe zu sein. Sie wirken sehr zufrieden und gelassen, wenn sie über ihren Alltag mit den vielen Kleinen um sie erzählen. Patrizia Walz meint, bei Tagesmüttern seien die Kinder braver, sie würden oft schon auf Blicke reagieren, oftmals erzögen auch die Größeren die Kleineren. Ute Herfort war früher Jugendbegleiterin an einer Grundschule. Sie ist auch Ernährungsberaterin. Als Tagesmutter könne sie nun ihr gesammeltes Wissen anwenden. Oftmals betreut sie Kinder zu den sogenannten Randzeiten, abends oder auch über Nacht. Ist das anstrengend? Ute Herfort findet: "Mit Kindern lacht man öfter. Das hält jung."


Qualifizierung

141 Tagesmütter, darunter auch einige Tagesväter betreuen derzeit im Landkreis Konstanz 343 Kinder. Um Tagesmutter zu werden, muss man 160 Unterrichtsstunden absolvieren. Dazu zählen auch praktische Übungen. Man lernt von einer erfahrenen Tagesmutter oder arbeitet in einer Kindertagesstätte mit. Wichtige Themen in der Grundqualifizierung sind beispielsweise die kindlichen Entwicklungsphasen, der Umgang mit Konflikten, Ernährung und Gesundheitsvorsorge von Kindern und die Zusammenarbeit mit den Eltern. Zusätzlich bilden sich Tagesmütter und Tagesväter jährlich mit mindestens 15 Unterrichtseinheiten weiter. 

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