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Radolfzell Symphonische Klangpracht

Überzeugte in der Villa Bosch mit „klassischen Dauerbrennern“: Pianist Béla Hartmann.
Überzeugte in der Villa Bosch mit „klassischen Dauerbrennern“: Pianist Béla Hartmann.

Mit einem klassisch-romantischen Solo-Programm beendete der Pianist Béla Hartmann den musikalisch-literarischen Herbst in der Villa Bosch. Dabei präsentierte er ein ausgewogenes Programm mit Werken von Mozart, Schubert und Beethoven, und wagte sich an große und bekannte Werke des Repertoires, Dauerbrenner sozusagen. Mit hohen pianistischen Weihen ausgestattet – Studien bei Nicolas Economou, Erfolge bei internationalen Wettbewerben und Auftritte in der New Yorker Carnegie Recital Hall beispielsweise – konzentrierte sich Hartmann mit diesem Programm auf die Zentren seines Repertoires. So hat er sich im Jahr 2005 nichts weniger als den Kraftakt zugemutet, an acht Abenden alle Sonaten und Tänze von Schubert in London aufzuführen.

Diese Expertise kam ihm in Radolfzell zugute, speziell die Sonate D-Dur, D 850, die beinahe die gesamte zweite Hälfte des Konzerts einnahm, wurde zum Höhepunkt des Abends. Bei einer Spielzeit von stolzen 37 Minuten, verteilt auf vier ereignisreiche Schubert-Sätze, ist es schon eine Kunst, den Spannungsbogen so souverän durchzuhalten, dass man das Publikum nicht verliert. Und genau das gelang Hartmann durch die deutliche Herausarbeitung der typischen Kontraste. Die Themen gestaltete er in den angemessenen Temperamenten zwischen einer gesanglichen, doch trügerischen Idylle und zupackendem, geradezu symphonische Klangpracht erzeugenden Temperament. Rhythmen blieben prägnant, ohne dass die gesangliche Dimension vernachlässigt worden wäre.

Als Experte fürs Gesangliche erwies sich Hartmann auch in der ersten Hälfte des Konzerts, in der die Musik von der aufklärerischen Dialektik zwischen verschiedenen Themen geprägt war. So ging es im Kopfsatz von Mozarts Sonate F-Dur, KV 332, zwischen einem gesanglichen und einem stürmischen Thema hoch her. Hartmann interpretierte die Sonate strukturell klar und hütete sich davor, Mozart zu leichtgewichtig darzustellen. Im Gegenteil, er brachte die dramatische Dimension, die große Geste deutlich zum Vorschein – eine enorme Schwierigkeit, wenn man bedenkt, wie leicht Mozarts Musik zu Geplänkel geraten kann.

Der Umschlag von Idyll in Schwermut, die faszinierende Fähigkeit Schuberts, mit einem einzigen Thema eine ganze Bandbreite von Temperamenten abzudecken, war dann in den drei Stücken zu bestaunen, die Hartmann aus den Impromptus D 899 ausgewählt hat. Sehr schön arbeitete er die Mehrstimmigkeit der Kompositionen heraus, teils auch mit ungewöhnlichen Betonungen von einzelnen Stimmen, die einen neuen Höreindruck von scheinbar Altbekanntem ermöglichten. Einzig einige wenige Unsicherheiten, von denen Hartmann sich allerdings zusehends befreite, trübten in der ersten Hälfte des Abends die Freude.

Den Abschluss eines überzeugenden Konzertabends in der Villa Bosch machte Beethovens berühmtes Rondo „Wut über den verlorenen Groschen“. Wie ein Kobold flirrt das markante Thema durch diese Musik und taucht immer wieder in verschiedener, reich durchvariierter Gestalt auf. Trotz aller Leidenschaft brachte Hartmanns Darstellung dieses Bravourstück strukturell klar und in aller formalen Strenge auf die Bühne. Nach lang anhaltendem, begeistertem Applaus verabschiedete sich Hartmann mit einer lyrischen Zugabe, in der er einmal mehr seine Begabung zeigte, auch in hohem Tempo höchst kontrolliert zu spielen.

Stephan Freissmann

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