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Radolfzell Rektoren hoffen auf vernünftige Eltern

31.01.2012


Die Grundschulempfehlung ist seit diesem Jahr erstmals unverbindlich. Eltern haben die alleinige Entscheidungsbefugnis.

Die Leiter der Radolfzeller Schulen treibt seit einigen Wochen eine Sorge um. In diesem Jahr wird die Grundschulempfehlung erstmals nicht mehr eine verbindliche Information für Eltern und Schulen darstellen. In der Praxis bedeutet dies, dass zwar noch eine Empfehlung von den Grundschulen erteilt wird, diese jedoch von den Eltern vollkommen ignoriert werden kann. Wenn sie also der Meinung sind, dass das eigene Kind in jedem Fall das Abitur an einem Gymnasium ablegen soll, obwohl die Empfehlung etwas anderes ausdrückt, dürfen sie das Kind ebendort anmelden.

Genau solche Szenarien machen den Schulleitern bereits vor der Vergabe der Empfehlungen im Februar Sorge. „Uns geht es vor allem um die wenigen Unvernünftigen, die die Empfehlung ignorieren“, erklärt Franz Merklinger, Leiter des Friedrich-Hecker-Gymnasiums. Kurz nach den Halbjahreszeugnissen der Viertklässler werden die Grundschulen ihre Empfehlungen für die weiterführenden Schulen erteilen. Im Nachgang müssen sich die Eltern für eine Werkreal-/Hauptschule, die Realschule, das Gymnasium oder eine Gemeinschaftsschule entscheiden.

Grundsätzlich hält Merklinger das „Mitspracherecht der Eltern für eine gute Sache“, wie er sagt. Gleichwohl ist er von der kompetenten Empfehlung der Grundschullehrer überzeugt. Die Einschätzung hat in der Vergangenheit aus seiner Sicht immer gute Dienste geleistet. Das sieht auch Gerhard Schlosser von der Gerhard-Thielke-Realschule so: „Die Empfehlungen waren immer sehr exakt.“ Nur ganz wenige Schüler haben in der Vergangenheit ohne eine entsprechende Empfehlung eine Aufnahmeprüfung absolviert und auch bestanden. Nun rechnet er mit einer Zunahme von Wechslern. „Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere noch später an unsere Schule kommt oder sie verlassen muss“, sagt der stellvertretende Leiter der Realschule. Das war durchaus schon in der Vergangenheit so: Jedes Jahr wechseln Schüler von der einen zur anderen Schule. Bisher belief sich die Zahl auf rund fünf Prozent pro Schuljahr. Sollte sich diese Quote durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ändern, kämen die Schulen schnell an die Kapazitätsgrenze. An der Tegginger Werkrealschule kommt so im Verlauf von Klasse fünf bis neun schon heute fast eine ganze Klassenstärke an Wechslern zusammen.

Künftig wird es zwar weiterhin eine Empfehlung der Grundschulen geben, das Ergebnis jedoch erhalten lediglich die Eltern. Nach den Beratungsgesprächen zwischen Eltern und Klassenlehrern werden die Schulkonferenzen ihre Empfehlung erteilen. Darin werden verstärkt nicht nur die Noten betrachtet, sondern auch das Arbeitsverhalten, die Verlässlichkeit und die Entwicklungs-Perspektiven. Diese Informationen bleiben allerdings den Eltern vorbehalten. Die weiterführenden Schulen erhalten ein praktisch wertloses Formular, auf dem lediglich vermerkt ist, ob der Schüler voraussichtlich die vierte Klasse besteht. Damit fehlt ihnen jede Grundlage, ein Kind aufgrund der Qualifikation abzuweisen. Dabei wäre das aus Sicht der Schulleiter nach wie vor sinnvoll: „Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn Kinder die Schule vorzeitig verlassen müssen. Wir machen ihnen die Lebensfreude damit kaputt“, sagt Franz Merklinger aus langjähriger Erfahrung.

Die Grundschulempfehlung
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