Radolfzell Radolfzeller betreten Schalkes „heiligen Rasen“

Ein- bis zweimal pro Jahr gönnen sich die „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ eine Reise zu einem Heimspiel ihres Lieblingsvereins. Diesmal wurde es ein ganz besonderes Erlebnis.

Der „Mann mit dem Hammer“ kommt auf jeden Fall. Die Frage ist eigentlich nur wann. Das, was Sportler als plötzlichen Kraft- und Vitalitätseinbruch kennen, erleben normale Menschen in der Regel nach massivem Schlafentzug. Einige der Reisenden aus Radolfzell ereilte am Wochenende dieser Zustand erst während der Rückfahrt an den Bodensee. Bis dahin hatten sie sich äußerst wacker geschlagen. So mancher hatte in den letzten 50 Stunden sicher nur eine niedrige dreistellige Minutenzahl an Schlaf bekommen. Doch jetzt ist der Moment der Entspannung gekommen. Die müden Krieger sinken in ihrem Bussitz in den Schlaf.

Hinter den 24 Reisenden liegt ein äußerst ereignisreiches Wochenende. Und aus ihrer ganz persönlichen Sicht sogar ein äußerst erfolgreiches. Schließlich hat der Verein ihres Herzens nicht nur 2:0 gegen Bayer Leverkusen gewonnen und einen Tabellenplatz in der Fußball-Bundesliga gutgemacht, sondern einige von ihnen durften auch noch den „heiligen Rasen“ betreten, wie die Spielfläche der Veltins-Arena in Gelsenkirchen genannt wird.

Mit der Nennung der Stadt dürfte nun jedem sportaffinen Menschen klar sein – hier geht es um Anhänger des FC Schalke 04. Und davon gibt es in ganz Deutschland etliche. Hinter Klassenprimus Bayern sind die Schalker zahlenmäßig der größte Bundesliga-Club, aber wohl zweifellos einer der schillernsten Vereine, wenn nicht gar der Inbegriff des manischen Anhängertums. Wer schon einmal dort war, weiß was gemeint ist. Der FC Schalke durchdringt in Gelsenkirchen gewissermaßen das gesamte gesellschaftliche Leben. In beinahe jedem Geschäft gibt es die abstrusesten Devotionalien zu kaufen. Von der Zahnbürste in Blau-Weiß bis hin zur Müslischale und der Bettwäsche gibt es praktisch nichts, was es nicht gibt. Hinweise auf das Aushängeschild der Stadt und die Gegner in der näheren Region sind in zahllosen Schriftzügen und Aufklebern verewigt. Schalke wird in der ehemaligen Bergbauregion richtiggehend gelebt. Angesicht einer Arbeitslosigkeit jenseits der 15-Prozent Marke nicht ganz leicht. Denn das Vergnügen in Arena und Drumherum ist kein günstiges. Selbst die preiswertesten Karten kosten 16,50 Euro, das klassische Fußballgetränk schlägt mit 3,60 Euro zu Buche. Doch für ein derartiges Vergnügen zahlen die Anhänger gerne.

Auch von den Mitgliedern der „Schalke Freunde Blau-Weiß Bodensee“ muss niemand seinen Einsatz bereuen. Für vier von ihnen wird diese Ausfahrt, die die Anhänger aus Radolfzell ein- bis zweimal im Jahr gemeinsam unternehmen, sogar zu einem einmaligen Erlebnis. Sie dürfen direkt vor dem Spiel das Allerheiligste betreten – den Rasen in der Veltins-Arena. In einem Wettschießen vom Mittelkreis aus ringen sie dabei die Delegation eines anderen Fan-Clubs nieder. Für den Vereinsvorsitzenden Michael Breindl ein einmaliges Erlebnis. Während er in das weite Rund der Arena blickt, stellt sich eine Gänsehaut bei ihm ein. Gekrönt wird dieses Erlebnis im Anschluss durch ein verdient gewonnenes Spiel, in dem Klaas-Jan Huntelaar, genannt der „Hunter“, zweimal zuschlägt. Das alles erleben die Anhänger vom Bodensee selbstverständlich in der Nordkurve mit. Dort, wo die „wahren“, die treuesten Fans der Schalker seit vielen Jahren stehen. Dicht gedrängt, mit Zigarettenrauch und Bierdunst geschwängerte Luft umweht einen hier. Die Menschen fiebern mit, ständig werden neue Gesänge angestimmt und die Fäuste fordernd in die Luft gereckt. Dieser Atmosphäre kann man nur schwerlich entziehen.

Stunden später, nach einer teils sehr kurzen Nacht, geht es heim an den Bodensee. Und auch wenn Busfahrer Wolfgang seine Gäste mit zum Teil quälender Musik nervt, sind alle hochzufrieden. 42 Stunden für Blau und Weiß. Jetzt kann endlich der Schlaf kommen.

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