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Radolfzell Prominenter Ehrenbürger und Bestsellerautor: Zu Ehren Victor von Scheffels finden in Radolfzell Literaturtage statt

Auf den Spuren Scheffels heißt die Veranstaltungsreihe. In Lesungen und Vorträgen werden Leben und Werk des Dichters des 19. Jahrhunderts beleuchtet. In einer Neuerscheinung der Autorin Monika Küble tritt der Dichter sogar als fiktive Romanfigur auf.

Dass Joseph Victor von Scheffel nach Radolfzell zog und sich im Scheffelschlösschen ein Heim schuf, war nicht mehr als ein Zufall. Zunächst habe er nämlich vorgehabt, die Meersburg zu erwerben. Nur stand diese nicht zum Verkauf. Sein Verleger habe den Schriftsteller dann die Anregung gegeben, in Radolfzell eine Immobilie zu erwerben, berichtet Bruno Epple, ein Kenner der Biographie des Dichters.Die Stadt Radolfzell will sich näher mit ihrem prominenten Bewohner beschäftigen, dessen Werke "Ekkehard" und "Der Trompeter in Säckingen" eine Auflage von bis zu 400 000 erreichten. Damit war Joseph Victor von Scheffel zu Lebzeiten (1828 bis 1886) ein Bestsellerautor. Ihn kennen zu lernen, dazu dienen die "Literaturtage: Auf den Spuren Scheffels", eine Veranstaltungsreihe, die ihren Schwerpunkt in der Woche vom 23. bis 30. April hat.

Dass sich Literaturwissenschaftler willig und nicht naserümpfend mit dem Autor Joseph Victor von Scheffel beschäftigen, ist übrigens eine neuere Entwicklung. Das bestätigt auch Bruno Epple, selbst Schriftsteller und Maler. Als man ihn 1978 bat, einen Vortrag aus Anlass des 150. Geburtstages Scheffels über dessen Werk und Leben zu halten, habe sich seine Begeisterung in Grenzen gehalten und er habe abgelehnt. Erst als es hieß, man werde einen Laudator von auswärts holen, willigte Epple ein. Die Werke von Scheffels galten bei Germanisten lange als Trivialliteratur. Inzwischen neigen Wissenschaftler dazu, zu betonen, man müsse den Dichter "in seiner Zeit betrachten".

Will heißen: Scheffel ist kein Klassiker, wirkte aber zu Lebzeiten prägend. Wie bekannt Scheffel war, berichtet Epple: "Zu seinem 50. Geburtstag gratulierten ihm Prominente aus ganz Deutschland, beispielsweise auch Reichskanzler Otto von Bismarck". Da sich Bruno Epple, seit er 1978 den Vortrag über Joseph Victor von Scheffel hielt, gut mit dem Wirken des Dichters in Radolfzell auskennt, wird er eine Lesung bestreiten: Texte und Briefe aus der Radolfzeller Zeit stehen im Zentrum.

Der Dichter Joseph Victor von Scheffel als Wanderer: So zeigt ihn ein historisches Foto. Bild: Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe
Der Dichter Joseph Victor von Scheffel als Wanderer: So zeigt ihn ein historisches Foto. Bild: Museum für Literatur am Oberrhein Karlsruhe

Faszination übt der Dichter Scheffel auch auf seine weiblichen Kollegen aus dem Dichtergewerbe aus. So hat Monika Küble ihn als Hauptfigur in ihren Roman "Brennende Wahrheit" eingearbeitet. Die Autorin, die aus Oberschwaben stammt, ist von der Stadt Radolfzell mit einem Buchprojekt beauftragt worden. "Die Anregung war, einen Roman zum Stadtjubiläum zu schreiben", berichtet Monika Küble, "ich kam darauf, dass es zwei spannende Momente in der Stadtgeschichte gibt". Den ersten Moment erkennt sie im Jahr 1689, als die Stadtapotheke fertig gestellt wurde und Radolfzell eine Phase der Prosperität erlebte. Ebenso interessant sei die Zeit um 1878 gewesen, als Joseph Victor von Scheffel 50 Jahre alt, Radolfzell mit der Eisenbahnstrecke verbunden wurde und die Unternehmen wie Hügli und Allweiler, die das Wirtschaftsleben der Stadt bis heute prägen, in die Stadt kamen. Das Sujet des Romans hätte Scheffel gefallen: Es geht um ein Mädchen, das im 1689 spurlos verschwindet. 200 Jahre später stößt der Dichter Scheffel auf einen Brief einer Schulmeisterin, die damals über den Fall berichtete.

Zeitgleich findet man die verkohlte Leiche einer jungen Frau nach dem Brand im Gasthaus Adler. Kurz zuvor ist in Radolfzell ein weiteres Mädchen verschwunden. Scheffel betätigt sich als Detektiv und recherchiert.

Ob sich Joseph Victor von Scheffel, Monika Küble und Bruno Epple heute einig wären darin, was ihre Leser glücklich macht und ob die Gesellschaft ihr Schaffen angemessen honoriert? Diese Frage wird nicht mehr zu klären sein. Wohl aber viele andere Fragen, die Scheffel betreffen: jedenfalls für Besucher der Scheffeltage.
 

Das haben die Scheffeltage zu bieten

  • Buchpremiere: Autorin Monika Küble liest Ausschnitte aus ihrem Roman "Brennende Wahrheit", den sie aus Anlass des Stadtjubiläums geschrieben hat. Die Lesung findet am Sonntag, 23. April, um 11 Uhr in der Stadtbibliothek statt. Der Eintritt ist frei. Das Buch ist im Radolfzeller Buchhandel erhältlich.
  • Spaziergang auf den Spuren Scheffels: Die Tourismus- und Stadtmarketing GmbH lädt zu einem historisch-literarischen Rundgang auf die Mettnau ein. Die Referentin Gertrud Graf führt zu den Lieblingsplätzen des Dichters auf der Mettnau, auch zu seinem Landsitz, dem Scheffelschlösschen: am Sonntag, 23. April, 17 Uhr. Treffpunkt: Villa Bosch, Gebühr: 8 Euro
  • Lesung aus Briefen und Werk: Bruno Epple liest aus Texten und Briefen Joseph Victor von Scheffels: am Mittwoch, 26. April, um 17 Uhr im Scheffelschlösschen. Eintritt: 5 Euro
  • Vortrag: Über "Joseph Victor von Scheffel als Bestsellerautor und Popstar in seiner Zeit" referiert Natalie Gutgesell, die über den Dichter promoviert hat, am Samstag, 29. April, 19 Uhr in der Stadtbücherei. Eintrit: 5 Euro.
  • Musikalische Lesung: Bernd Wengert, Konstanzer Schauspieler, und der Musiker Rudi Hartmann geben einen poetisch-musikalischen Einblick in das Werk des Dichters: am Sonntag, 30. April, 11 Uhr in der Stadtbibliothek. Eintritt: 9 Euro

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