Radolfzell (pes) Der Bär hat ein positives Image. Als Teddy begleitet er junge Menschen beim Aufwachsen und viele Menschen wären gerne „bärenstark“. Und trotzdem ist der frei lebende Bär in Europa bedroht.
In Deutschland wurde der Bär schon vor Jahrhunderten ausgerottet. In Spanien gibt es noch zwei Populationen. Aber auch dort kann der Bär ohne Hilfe des Menschen nicht mehr in Freiheit überleben. Über die Bemühungen und die Erfolge zur Erhaltung des spanischen Bären hielt der Bärenexperte und Naturschützer Roberto Hartasánchez im Stadtmuseum einen Vortrag. Der Präsident der spanischen Naturschutzorganisation Fapas war im Rahmen verschiedener Veranstaltungen in Europa unterwegs. Die Radolfzeller Stiftung Euronatur kooperiert seit 15 Jahren mit Fapas und unterstützt die Bemühungen.
Die beiden Bärenpopulationen, eine befindet sich in den Pyrenäen und die zweite im Norden von Spanien im kantabrischen Gebirge, waren 1985 auf etwa 25 bis 30 sowie 40 bis 60 Bären geschrumpft. Das sind zu wenige Tiere, um eine Art zu erhalten. Die Naturschützer nutzen die Landflucht der Menschen und pachten aufgegebene Ackerflächen an, um sie wieder aufzuforsten. Mit Obst- und Kastanienbäumen wird für die Bären ein Nahrungsangebot geschaffen.
Wie stark das Ökosystem in einander greift, zeigen die Bienen. Damit die Bäume und Pflanzen Früchte für die Bären tragen können, müssen die Pflanzen bestäubt werden. Mit zusätzlichen Bienenvölkern wird der negativen Entwicklung der natürlichen Bienenvölker entgegengewirkt.
Von Wilderern aufgestellte Wildschweinfallen sind eine Gefahr für die Bären. Die Naturschützer suchen ständig nach aufgestellten Fallen, oft liegen Bärenkadaver in der Nähe. Diese werden durch die Naturschutzorganisation eingesammelt und wissenschaftlich ausgewertet. Bären verwenden für die Kommunikation bestimmte Bäume, die sie mit Duft- und Kratzspuren versehen. Fellreste an diesen Bäumen dienen zur genetischen Identifikation. Fotofallen in der Nähe dieser Treffpunkte helfen zur weiteren Bestimmung und lassen Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu.
EU-Verordnungen wie das Verbot zur Auslegung von Tierkadavern zeigten negative Auswirkungen auf verschiedene Tierarten, wie auch der Bären. Es war „wichtiger ökologischer Prozess, der durch die EU-Verordnung unterbrochen wurde“, beklagte Hartasánchez. Fapas und Euronatur konnten eine Änderung und Rücknahme dieser Verordnung bewirken.
Ein Zusammenleben von Mensch und Bär ist möglich, es ist sogar wichtig. Für den Menschen ist der Bär laut Tierschützer Roberto Hartasánchez keine Bedrohung, bisher gebe es keine Anzeichen von Angriffen auf Menschen. Euronatur Geschäftsführer Gabriel Schwaderer bestätigt dies: „Ich bin viel in Bärengebieten unterwegs. Mich freut es, zu wissen, vor vier Stunden war hier ein Bär. Ich habe da kein Angstgefühl.“
Der Bär stelle vor allem eine Gefährdung der wirtschaftlichen Situation durch Plünderung von Obstbäumen und Feldern dar. Die Diskussion sei daher emotional aufgeladen und auch in Deutschland historisch kulturell bedingt. Große Raubtiere sind in Deutschland seit langem verschwunden, die Angst existiert aber in Märchen noch weiter. Der Bär polarisiere enorm, so Schwaderer, er habe noch nie erlebt, dass sich auch junge Menschen für Naturthemen engagieren, als Braunbär Bruno auftauchte.