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Radolfzell Neue Stadtchronik weckt Erinnerungen

50 Jahre, nachdem der damalige Stadtarchivar Franz Götz die dritte Radolfzeller Stadtchronik verfasst hatte, war er auch bei der Vorstellung ihrer aktuellen Nachfolgerin dabei.

Die erste Hürde der Anerkennung wurde der 416 Seiten starken neuen Radolfzeller Stadtchronik bereits zuteil: „Das Buch ist pünktlich und ein gelungenes Werk“, urteilte Oberbürgermeister Martin Staab zu Beginn der offiziellen Vorstellung am Sonntag Nachmittag im Milchwerk. Rund 250 Besucher ließen es sich nicht nehmen, das Werk zur Geschichte der Stadt in Augenschein zu nehmen. Mit Franz Götz war ein besonderer Gast unter den Besuchern der Veranstaltung. Er hatte vor 50 Jahren als damaliger Stadtarchivar anlässlich des 700-jährigen Stadtrechts von Radolfzell die damalige Stadtchronik verfasst. 50 Jahre später freute sich Götz über die nunmehr vierte Radolfzeller Stadtchronik. In seiner Rede erinnerte er an die nicht ganz leichten Arbeitsverhältnisse vor 50 Jahren und die Präsentation im Scheffelhof. Der neuen Stadtchronik wünschte der ehemalige Stadt- und Kreisarchivar „viele interessierte Leser“, wie er sagte.

Für OB Martin Staab ist das neue Werk, das von acht Autoren verfasst wurde und ganz bewusst einen Erzählcharakter aufweist, ein „spannendes, umfassendes Werk“. Als einer der wenigen Radolfzeller konnte er schon in einem frühen Stadium einen Blick auf die Texte und das spätere Buch werfen. Das gibt in elf Kapiteln die wesentlichen und geschichtlich relevanten Entwicklungen und Vorkommnisse in Radolfzell wieder. Etwas Besonderes stellt die archäologische Einordnung dar, die auf dem neuesten Erkenntnisstand beruht. Damit wird diese Stadtchronik wohl für mehrere Jahrzehnte das Nachschlagewerk und Referenzbuch in Sachen Stadtgeschichte werden.

Dabei beginnt der Rückblick bereits in der Steinzeit. Seit der Stadtgründung im Jahr 826 über das Mittelalter werden die Bezüge zum heutigen Radolfzell greifbarer. Ebenso durch die wechselvolle Geschichte mit der österreichischen Vorherrschaft. Mit Industrialisierung, Weimarer Republik und anschließender Nazi-Herrschaft geht es um Zeiten, die ebenfalls bis heute nachwirken. Mit zwei Kapiteln, die die Zeit zwischen 1933 und 1945 behandeln, zeigt sich der kritische Umgang mit der eigenen Geschichte. Aber auch wer sich lieber der Gegenwart und den vergangenen Jahrzehnten beschäftigen möchte, hat mit dem über zwei Kilo wiegenden Band reichlich Lesestoff. Damit taugt die Chronik zwar nicht unbedingt als Schmöker für lange Lesestunden im Bett, aber er versucht den Spagat zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Unterhaltung.

In jedem Fall hat man es geschafft, hochaktuell in den Druck zu gehen. Unter anderem dokumentiert ein Foto vom fertiggestellten Aquaturm, dass noch bis zum letzten Moment an der Chronik gearbeitet wurde. Von nun an müssen die Leser entscheiden, ob sie ihren Nerv trifft. Ein sinnvolles Werk zum Verständnis der Stadt ist sie in jedem Fall. Der Erscheinungsrhythmus von 50 Jahren erscheint angebracht, denn in fünf Jahrzehnten hat sich einiges in Radolfzell und seinen Ortsteilen getan. Das kann Franz Götz bestätigen, der immerhin die beiden letzten Vorstellungen der Stadtchronik besucht hat.

Lebendige Sprache

Die im Konstanzer Stadler Verlag erschienene Chronik der Stadt Radolfzell umfasst 416 Seiten. In elf Kapiteln haben acht Fachautoren Themen wie Archäologie, Mittelalter, 19. Jahrhundert, die beiden Weltkriege und Gegenwart dargestellt. Dabei wurde auf lebendige Sprache geachtet, ohne die geschichtliche Präzision zu vernachlässigen. Die Chronik enthält zahlreiche Darstellungen und Fotos. Sie ist ab sofort über den Buchhandel für 29,95 Euro erhältlich. (ja)

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