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Radolfzell Narrenspiegel begeistert das Publikum

06.02.2012


„Das war mal wieder ein richtig guter Narrenspiegel“, so die einhellige Meinung des Premierenpublikums. Witzig, hintergründig und vor allem toll umgesetzt – ein gelungener Abend.
Die Akteure

In den Träumen kann Radolfzell so schön sein. Graziöse Feen tanzen umher und propagieren kreative Ideen, die die Stadt und den Tourismus voranbringen. Wenn doch nur die Realität auch so wäre! Das ist sie aber nicht. Und auch Träume können sehr schnell umschlagen, wie Christian Uhl gleich zu Beginn des Narrenspiegels der Garde der Narrizella Ratoldi erlebt.

Wenn es ganz dumm läuft, taucht nämlich auch in den schönsten Träumen ein übermotivierter Helmut Villinger (gespielt von Christoph Straub) auf und verlangt eine 200 Meter hohe Fontäne am Radolfzeller Seeufer. Das liegt irgendwo zwischen abstrus und sehr, sehr seltsam – und beschreibt damit die Radolfzeller Kommunalpolitik bestens.

Wie gut, dass es den Narrenspiegel gibt, der Abstruses und Seltsames noch weiter überzeichnet und so erst kenntlich macht. Die Premiere am Samstagabend ist geglückt – für das Publikum war es der beste Narrenspiegel seit langem. Echtes, herzhaftes Gelächter ist auch beim ambitionierten Radolfzeller Narrenspiegel nicht selbstverständlich. Und so zeigten sich die Zuschauer, darunter viel lokale Polit- und Wirtschaftsprominenz, erfreut angesichts eines Programms ohne Durchhänger und mit kreativen Ideen.

Vorlagen gibt es dafür viele: Glasverbot, Marktplatzsanierung, Tourismusleitbild, Glockenspiel, der omnipräsente Kormoran oder die Sanierung der Mooser Brücke sind Themen, die Radolfzell im vergangenen Jahr bewegt haben. Besonderen Spott erntet aber Gemeinderat und Münsterbauvereinsvorsitzender Helmut Villinger für seinen Hochmut beim Thema Allweiler-Fontäne und den sprudelnden Ideen zur Vermarktung des Münsterbauvereins. Diese Anspielungen ziehen sich wie ein roter Faden durchs Programm – das Thema Fontäne ist schließlich dankbar und dramaturgisch wichtig.

Wie sonst außer über eine Riesenfontäne sollte ein Kretzer auf dem Finckh-Turm landen, wo Horst und Heinz (Sebastian Möhrle und Peter Gaetjens) gemeinsam Vögel beobachten? Die Anspielungen im Themenbereich „Vögeln“ rutschten haarscharf unter die Gürtellinie, blieben aber im verträglich subtilen Bereich. Sehr schön aber der schon fast Muppet-Show-hafte Schluss, in der ein gefräßiger Kormoran auch den letzten Kretzer stibitzt. So wird das Federvieh langsam zum Dauergast im Narrenspiegel, neben dem „kapitalen Rotkehlchen“ Jörg Schmidt.

Der hat nun auch in der Fasnacht eine Konkurrentin: Neu-Bürgermeisterin Monika Laule ist ebenfalls ein dankbares Satire-Opfer, auch für die allseits beliebte Seefunk-Gruppe („Und die Laule, die hat Zähne“). Philipp Weidele wiederum stellte die ehrgeizige Verwaltungsfrau bei der Einweihung des „Höri-Schwebers“ dar. Die Szene markiert wohl den Höhepunkt des Abends: eine grandiose Kulisse von Udo Biller, witzige Umsetzung und eine Detailverliebtheit, die für den letzten Schliff sorgt. Wie Holger Goertz als Hirschenwirt Karle Amann seinem Freund Martin Schäuble (Daniel Hepfer) über den Abgrund hinweg mit einer Schwarzwurst winkt, ist tatsächlich einfach komisch. Diese Zwischentöne machen den Abend unterhaltsam – das Kuriose, Überraschende, Absurde wie ein Franz Bromma mit Miniauftritt als buddhistischer Mönch bleibt dem Publikum eher im Gedächtnis als ein angestaubter Altherrenwitz.

Nachdenkliches wurde aber auch gezeigt. In gewohnt spitzen Reimen hat Lothar Rapp als Kappedeschle seine Narrenfreunde daran erinnert, dass Politiker die Narren nicht ersetzen können. „Der Sinn unsrer Fasnet bröckelt langsam dahin“, glaubt das Kappedeschle, und das ist wohl doch die Schuld der Narren, die so gerne Großkopfete sein wollen. Das sind wohltuend reflektierte Worte in einer Zeit, in der sich Narren und Politiker reihum die Hände schütteln – auch in Radolfzell.

Und ...
ich hätt schwören können, dass das der Karle Amann höchstpersönlich war ...
Jo mir Zeller, machet Fasnet, ....
Schön war's :-) BRAVO!
Narrenspiegel
Am Samstagabend hat einfach alles gestimmt: die Gardisten haben ein tolles, spritziges ...
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