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Radolfzell Namensgeber mit heiklem Hintergrund

11.02.2012


Die Lettow-Vorbeck-Straße im Altbohl steht in der Kritik. Auf Anregung eines Schülers soll sie umbenannt werden. Lettow-Vorbeck war ein General im ersten Weltkrieg und Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika.

Ein 16-jähriger Schüler mischt die Kommunalpolitik auf: Max Uhlemann vom Friedrich-Hecker-Gymnasium hat angeregt, die Lettow-Vorbeck-Straße im Altbohl umzubenennen. Und diese Idee kam ihm nicht einfach so. Im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten hat Uhlemann sich wie einige weitere Schulkameraden mit Skandalen vor der Haustüre beschäftigt (wir berichteten). Seine Arbeit über fragwürdige Straßennamen war nun Grundlage für eine Diskussion im Kultur- und Tourismusausschuss. Dort plädierte der Schüler dafür, die Diskussion anzustoßen und auch andere Namen zu beleuchten. In seiner Arbeit hat er sich mit vier Straßennamen beschäftigt: Lettow-Vorbeck, Immelmann, Werder und Boelcke. Vor allem die große Unwissenheit der Anwohner dieser Straßen hat Uhlemann erstaunt – und so ist sein primärer Wunsch, Aufklärungsarbeit zu leisten, damit die Bürger sich ein Bild machen können vom Lebenswerk der Namensgeber. Der ehemalige General im ersten Weltkrieg und Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, ist unter den Vieren die fragwürdigste Figur – auch für die Mehrheit der Gemeinderäte.

Und so gab es viel Lob für die tatsächlich exzellente Arbeit des damals noch 15-jährigen Schülers. Gisela Kögel-Hensen betonte allerdings auch, dass die Debatte um Lettow-Vorbeck nicht neu ist. Bereits 1986 sei der Name schon einmal Thema gewesen. Jetzt müsse man bei genau dieser Straße endlich handeln, der Rest könne später angegangen werden. Über den Handlungsbedarf bestand weitgehend Einigkeit im Ausschuss, allein Dietmar Baumgartner (Freie Wähler) äußerte Bedenken vor einem Domino-Effekt und Problemen für die Anwohner. „Die Bevölkerung will sich nicht äußern, aus Angst in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden“, so die Argumentation Baumgartners. Damit stand er jedoch ziemlich alleine. „Das Desinteresse der Bürger hindert uns doch nicht daran, das Fass aufzumachen“, sagte Reinhard Rabanser (SPD).

Das Fass wird nun tatsächlich aufgemacht. Zuerst gab es eine Aussprache über mögliche Vorgehensweisen. Die Thematik muss schließlich ernsthaft und fundiert angegangen werden. Die Ausschussmitglieder einigten sich mehrheitlich auf den Vorschlag von Oberbürgermeister Jörg Schmidt, zuerst von einer Fachkraft wie Stadtarchivar Achim Fenner eine Liste der „verdächtigen“ Namen aufstellen zu lassen, dann im Ausschuss darüber zu beraten, die Anwohner zu befragen und mit diesen Ergebnissen in den Gemeinderat zu gehen. „Das ist zwar ein Aufwand, aber dann haben wir eine wasserdichte Basis“, befand Schmidt. Er habe schon bei Tobias Engelsing, Leiter der Konstanzer Museen, vorgefühlt. Auch dieser hält den Straßennamen Lettow-Vorbeck für nicht tragbar. Dem Vorgehen nicht zugestimmt haben Dietmar Baumgartner und Josef Joachim Reckziegel.

Schüler Max Uhlemann zeigte sich mit dem Ausgang der Debatte, in der er seine Argumente selbstbewusst vorgebracht hat, zufrieden. „Das ist immerhin ein Ansatz“, sagte er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Kommunale Verwaltungen seien zudem nicht immer offen für das Thema, wie seine Recherchen ergeben hatten. Da ist es nicht mehr so schlimm, dass es auch in Radolfzell recht lange gedauert hat, bis das Thema in einem offiziellen Gremium diskutiert wurde. Der Geschichtswettbewerb hat schließlich schon im Februar stattgefunden. Jetzt ist Max Uhlemann gespannt, ob sein Impuls zu einem Ergebnis führt oder in den Mühlen der Kommunalpolitik versandet.

ausgezeichnete Idee
...bitte umbenennen in "Ch. Wuff Strasse"
Unnötig
Meine Güte.Hat die Menschheit,speziell die Radolfzeller Bevölkerung,keine anderen Sorgen als sowas?
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