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Radolfzell Kein warmes Essen mehr in der Mensa

In der Mensa des Radolfzeller Friedrich-Hecker-Gymnasiums und der Gerhard-Thielcke-Realschule wird es ab März kein warmes Essen mehr geben. Die Nachfrage war zu gering. Außerdem beklagten die Eltern der Schüler die Qualität des Essens und die Behandlung ihrer Kinder.

In der Mensa auf dem Gelände des Friedrich-Hecker-Gymnasiums und der Gerhard-Thielcke-Realschule wird ab März kein warmes Tagesessen mehr angeboten. Die Nachfrage war zu gering – zuletzt wurden an die etwa 1700 Schüler nur noch neun Menüs pro Tag verkauft. Was könnten mögliche Gründe dafür sein, dass das Angebot von den Schülern nicht gut angenommen wird? Die beiden Schulleiterinnen, Gabriele Wiedemann (Realschule) und Ulrike Heller-Paulus (Gymnasium), sowie die Elternbeiratsvorsitzenden, Daniela Löchle (Gymnasium) und Barbara Kleemann (Realschule), geben Antworten.

Das Thema rund ums Großkantinen essen liegt offenbar allen gleichermaßen schwer im Magen. Gabriele Wiedemann und Ulrike Heller-Paulus beteuern, sich gemeinsam intensiv um die Aufwertung der Mensa gekümmert zu haben. Man habe Schüler befragt, es folgten mehrere Evaluationen, regelmäßige Gespräche mit den Pächtern, Elternbefragungen, Bemühungen um abwechslungsreiche, gesunde Kost, auch eine externe Beratung habe man in Anspruch genommen. Resigniert muss Wiedemann feststellen, dass die Schüler die Mensa nicht annehmen.

Im Sozialausschuss des Gemeinderats meinte CDU-Stadtrat Bernhard Diehl, die Schulleitungen hätten dafür zu sorgen, dass die Mensa funktioniere. Daniela Löchle meint, es sei wirklich alles Mögliche probiert worden. Darüber hinaus fragt sie: „Ist es denn nun die Pflicht der Schule, für das Funktionieren der Mensa zu sorgen oder nicht die des städtischen Verpächters?“ In Elternbeiratssitzungen sei gefordert worden, dass Direktoren sich um Schulbelange kümmern sollten und nicht um die der Stadt.

Für das Scheitern gibt es mehrere mögliche Gründe: Barbara Kleemann gibt zu bedenken, dass eine Mensa in Zeiten des Individualismus auf dem Gebiet der Ernährung generell ein schwieriges Unternehmen sei. Die Wünsche gingen vom Bio-Essen bis zum Fleischkäsbrötchen. Auf der anderen Seite seien immer wieder Klagen von Eltern über unfreundliche Behandlung ihrer Kinder in der Mensa zu hören gewesen. Auch bei der Kommunikation mit dem Pächter und der Bereitschaft, auf Wünsche einzugehen – Thementage mit italienischem oder türkischem Essen beispielsweise – habe es Defizite gegeben. Daniela Löchle beobachtet, dass Schüler, deren Eltern beide berufstätig sind, eher abends gemeinsam mit ihnen kochen und tagsüber lediglich eine Brotzeit essen. Das am Gymnasium versuchsweise eingeführte Doppelstundenmodell, das keine Mittagspause und den Unterrichtsschluss um 14 Uhr vorsieht, verstärke diese Entwicklung. Schulleiterin Heller-Paulus wendet jedoch ein, dass der Unterricht teilweise auch um 13 Uhr ende und teileweise auch noch Nachmittagsunterricht bestehe. Sie kritisiert: „Leider entspricht es jedoch nicht den Tatsachen, dass dort drei verschiedene qualitativ hochwertige warme Menüs zur Auswahl stehen. Ebenfalls sind die dort angebotenen Snacks für die Schüler weniger attraktiv.“

Der Hunger wird offenbar in den Geschäften rund um das Schulgelände gestillt. Auf Löchles Nachfrage im Jahre 2015 gab der Helim Döner Imbiss an, täglich 200 Schüler zu bedienen. Auch das Backhaus Mahl erfreut sich großer Beliebtheit bei den Schülern. „Viele Schüler wollen mittags das Schulgelände verlassen“, das sei natürlich ebenso ein Grund, meint Wiedemann.


Votum für Tagesessen

Gabriele Wiedemann, Direktorin der Gerhard-Thielcke-Realschule, möchte das warme Tagesessen in der Mensa noch nicht endgültig abgehakt sehen. Im nächsten Schuljahr startet die Realschule den offenen Ganztagesbetrieb für die fünften Klassen. Auf Wunsch können Eltern ihre Kinder für den Unterricht bis etwa 15 Uhr anmelden. Wiedemann kann sich Stundenpläne mit versetzten Mittagspausen für zwei fünfte Klassen vorstellen. Für diese Zeit wünscht sie sich erneut das Angebot eines warmen, qualitativ hochwertigen Tagesessens. Auch Ulrike Heller-Paulus, Direktorin des FHG, betont, ein schülergerechtes, qualitativ gutes Tagesessen würde sie sehr wohl favorisieren. (rei)

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