Radolfzell Jetzt erst recht!
Kinder ohne Lobby? Die Ein- bis Zweijährigen der Kinderkrippe „Il Nido“ fordern auf ihre Weise ein Kinderhaus. Bild: Suzanne Glocker
– Der Montessori-Verein zeigt Durchhaltevermögen. Seit Jahren bereits kämpfen die Mitglieder für ein Kinderhaus in Radolfzell. Nachdem der Gemeinderat die Aufnahme in den Bedarfsplan und die Übernahme einer Bürgschaft abgelehnt hat, möchte man annehmen, dass der Verein mit seinen Kräften am Ende wäre. Das ist nicht der Fall, wie Katharina Schreiber, Vorsitzende des Montessori-Vereins Radolfzell sagt: „Wir wollen das Kinderhaus mit und nicht gegen die Kommune. Die Entscheidung des Gemeinderats ist bedauerlich, momentan wollen wir aber noch nicht aufgeben.“
Es fällt den Mitgliedern schwer, die Argumente der Ablehnung zu akzeptieren. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass in der Gemeinderatssitzung tatsächlich von einem mangelnden Bedarf ausgegangen wurde und man auf eine erneute Bedarfsplanung im Juni wartet“, meint Katharina Fründt, Mutter von einem Kind, das in der Kinderkrippe „Il Nido“ betreut wird. Die Notwendigkeit von Betreuungsplätzen für unter Dreijährige steht nicht zur Debatte, das Montessori-Kinderhaus sieht allerdings eine durchgängige Betreuung von Kindern bis 14 Jahre vor. Die Zweifel der Stadtverwaltung am Bedarf beziehen sich auf das Betreuungsangebot für Drei- bis 14-Jährige.
Dass die Betreuungsplätze für unter Dreijährige (ihr Angebot gehört ab 2013 zu den gesetzlichen Pflichtaufgaben) Priorität haben, leuchtet dem Montessori-Verein ein, denn nach Ablauf der Frist sind die Plätze einklagbar. „Aber muss man denn das Betreuungskonzept alle zwei bis drei Jahre neu organisieren? Das Kinderhaus bietet eine stabile und langfristige Betreuung“, argumentiert Katharina Schreiber. Die Ganztagesschule oder die Kindergärten mit ganztägiger Betreuung jedenfalls würden ihrer Ansicht nach den Bedarf durch die Öffnungszeiten und zumal in den Ferien nicht decken. Abgesehen davon werden die Kinder bei diesem Konzept von Einrichtung zu Einrichtung gereicht. „Ich würde das Angebot eines Kinderhauses sofort wahrnehmen. Ich könnte wieder meiner Qualifikation entsprechend arbeiten, wüsste meine beiden Kinder gut aufgehoben und könnte täglich mit ihnen gemeinsam zu Mittag essen“, so Patricia Hennch, die eine einjährige Tochter in der Kinderkrippe und einen vierjährigen Sohn im Kindergarten hat und aufgrund von Überschneidungen der Öffnungszeiten nicht ganztags arbeitet.
Katharina Schreiber ist sich sehr wohl bewusst, dass man es als Montessori-Pädagoge nicht leicht hat: „Montessori wird leider immer noch als Alternativ-Pädagogik und nicht als kontrollierte Lernmethode gesehen. Aber die Nachfrage besteht und wir bekommen starken Rückenwind von Eltern.“

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