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Radolfzell Hektiker wird sarkastisch: Mathias Richling tritt im Milchwerk auf

Fulminanter Start des Kabarett-Winters: Mathias Richling serviert im Milchwerk Bissiges. Hier gibt es die Bilder!

Radolfzell – Wenn Mathias Richling auf der Bühne steht, dann sind das unzählbar viele Mathias Richlings. In seinem 40. Programm "Richling spielt Richling" ließ der Kabarettist das gesamte Politpersonal seiner parodistischen Karriere zu Wort kommen. Im ausverkauften Radolfzeller Milchwerk zeigte er Norbert Blüm mit seiner vermeintlich sicheren Rente, Helmut Kohl mit seinen schwarzen Kassen, Angela Merkel auf der Psycho-Couch und Horst Köhler, der im verzweifelten Kampf mit dem Teleprompter steht. Mathias Richling legte einen fulminanten Start in den Kabarett-Winter hin und holte sich mit seinem Programm einen mehrere Minuten andauernden Applaus ab.

Eine Trennung von Kirche und Staat? Für Mathias Richling wäre eine Trennung von Politik und Staat sinnvoller. Mit rhetorischen Fragen untersucht Mathias Richling die Parallelen in den Machtverhältnissen von damals und heute: Hat uns Helmut Kohl anders angelogen als Angela Merkel? Präsentierte Theo Waigel eine andere Milchmädchenrechnung als Wolfgang Schäuble? Richling stellt sich auch Fragen zur aktuellen Politik: Was will eigentlich Angela Merkel von Recep Tayyip Erdogan? Wolle sie vielleicht in seinen Harem aufgenommen werden? In Richlings Fantasie entschuldigt sich Angela Merkel nicht nur für die Armenien-Resolution, sondern ebenso für das Frauenwahlrecht, die fehlende Verschleierung der Frauen im Radolfzeller Milchwerk und, bei deren selbständigen Gebärden, die fehlende Steinigung. Es tue ihr furchtbar leid.

Mathias Richling schwingt sich von einem Stuhl zum anderen, parodiert in fiktiven Interviews die Politprominenz und feuert in deren Namen einen Spruch nach dem anderen ab: "Wie soll ich Homosexuelle ansprechen und wem gebe ich von ihnen einen Handkuss?" (Günther Oettinger), "Wir sind konservativ, spießig und von gestern. Wir sind jetzt grün" (Winfried Kretschmann), "SPD-Chef wird man aus Mangel an Beweisen" (Kurt Beck), "Die Rente war das Ersatzlotto der sechziger Jahre" (Norbert Blüm). Erst bei den Klassikern, bei dem sich Angela Merkel vergeblich vom Sigmund Freud therapieren lässt, und dem Teleprompter-Sketch, den das Publikum Tränen lachend mit großem Applaus quittiert, kommt der Hektiker Mathias Richling ein wenig zur inneren Ruhe.

Der Humor von Mathias Richling hat deutlich an Sarkasmus gewonnen. Ein Horst Seehofer in Richlings Manier bedauert den Reichtum Deutschlands: "Die Armut, die die Flüchtlinge bräuchten, können wir ihnen hier gar nicht bieten", lässt er den bayrischen Politiker in einem fiktiven Interview sagen. Richlings Seehofer kennt den wahren Verursacher der Krise: den Waffenexporteur. Dieser solle nun die Flüchtlinge aufnehmen. Und was künftige Steuersenkungen betreffe, so lässt er auch Wolfgang Schäuble zu Wort kommen. Dieser rege an, dass Bürger einen Lkw-Führerschein machen sollten. Damit könne der Finanzminister die Steuerausfälle durch die Maut querfinanzieren.

Der Kabarett-Winter

Das Kulturbüro Radolfzell bringt zum Stadtjubiläum die Creme de la Creme der Kleinkunst- und Comedyszene ins Radolfzeller Milchwerk: Tina Häussermann (27. Januar), Frank Fischer (3. Februar), Sascha Korf (17. Februar), Klaus Birk (3. März), Hagen Rether (5. März), Michael Krebs (24. März) und Florian Schröder (30. März). Am 16. März präsentiert der Kabarett-Winter die erste Radolfzeller Lachnacht. Das Kulturbüro bietet ein Abonnement für sämtliche Veranstaltungen an.

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