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Radolfzell Guter Wurf für kranke Kinder

06.02.2012
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Seit einem Jahr werden in Radolfzell Kinder und Jugendliche in einer Tagesklinik psychiatrisch betreut. Die Lage der Einrichtung zentral im Landkreis ist dabei ein Plus. Mittelfristig sollen noch mehr Betreuungsplätze hinzukommen.

– Helle Büros, bunte Farben und sogar eine Wendeltreppe im Türmchen: Die Räume der kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Radolfzell wirken einladend. Seit einem Jahr beherbergt die markante Villa auf der Mettnau die Einrichtung, eine Zweigstelle der Luisenklinik in Bad Dürrheim. Im Haus, wo der Regionaldichter Bruno Epple aufwuchs und das Deutsche Rote Kreuz Kleiderspenden sammelte, werden nun Kunsttherapie und Gespräche angeboten. Kinder und Jugendliche von fünf bis 18 Jahren aus dem ganzen Kreis Konstanz werden hier ambulant betreut. Vor genau einem Jahr wurde die Tagesklinik eröffnet, mit zehn Plätzen. Nach erfolgreichem Start heißt das nächste Ziel, noch mehr Betreuungsplätze anzubieten.

„Es läuft sehr gut und die Warteliste wird länger“, erzählt Sven Wahl, Vorstandsvorsitzender der Luisenklinik in Bad Dürrheim. „Mittelfristig sind die zehn Plätze nicht ausreichend, aber wir können kurzfristig erweitern.“ Ein Problem sei dabei aber der aktuelle Ärztemangel. Nach „jahrelangen Diskussionen“, so der Rückblick des ärztlichen Direktors Norbert Grulke bei einem Tag der offenen Tür, steht nun also die wirkliche Arbeit im Vordergrund. 2009 habe es endlich eine Einigung zwischen Politik, Kostenträgern und anderen Kliniken gegeben und die Luisenklinik hat das Mandat für die Einrichtung bekommen. Für den Standort Radolfzell habe es damals gute Gründe gegeben schließlich liegt Radolfzell in der Mitte des Landkreises. Und augenscheinlich war es eine gute Wahl, das lässt sich aus den positiven Äußerungen des ärztlichen Direktors heraushören.

Die weiteren Ziele sind klar abgesteckt: Die Qualität der Arbeit soll erhalten bleiben und die Betreuung um eine sozialpädiatrische Komponente erweitert werden. Außerdem steht die Erweiterung auf 20 Plätze auf der Agenda. Bei der Vorstellung des primär weiblichen Teams wird ein weiteres Ziel klar: „Wir brauchen männliche Verstärkung“, sagt Grulke. Jungen sind eher im Kindesalter auffällig, Mädchen zeigen meist in der Jugend Krankheitsbilder. Den Mitarbeitern ist vor allem wichtig, dass es keine Berührungsängste gibt, wie die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Abteilung der Luisenklinik, Marianne Ledwon-Feuerstein, betont: „Es ist kein Stigma, sich hier helfen zu lassen.“

Die einzige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist Freiwilligkeit. Im Tagesablauf haben die Kinder einen individuellen Stundenplan und sind zusätzlich in Gruppen eingeteilt, um ihre Gruppenfähigkeit zu erhöhen. Auch Schulunterricht findet statt – unter angepassten Bedingungen, denn alle Kinder haben mit Schulschwierigkeiten zu kämpfen, wie Fachärztin Marion Piela Vieth erklärt. Durchschnittlich 43 Tage verbringen die Kinder in der Klinik, bevor sie nach einer Belastungsprobe wieder in ihre Schule und alte Umgebung zurückkehren. Auch die Eltern werden verpflichtend eingebunden. Denn die Arbeit in Radolfzell ist nur ein kleiner Baustein.

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