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Radolfzell Gedenken an Nazi-Gegner

Stolpersteine: Erinnerung an den 1944 verhafteten SPD-Politiker Julius Fuchs. Die Gestapo internierte ihn in den Konzentrationslagern Natzweiler und Dachau

l – Am 11. September hat Gunter Demnig in Radolfzell acht weitere „Stolpersteine“ verlegt. Der SÜDKURIER stellt in einer kleinen Serie die acht Personen vor, an die die Stolpersteine gedenken sollen. Die Recherchearbeiten zu den Personen hat Markus Wolter vorgenommen, der seine Erhebungen auch im Internet veröffentlicht hat. In der Zangererstraße 10 verlegte Gunter Demnig einen jener markanten Steine, die an Julius Fuchs erinnern, der dort 1944 von den Nationalsozialisten verhaftet wurde.

Fuchs, der am 6. März 1888 geboren wurde, starb nicht in der Haft, sondern am 12. Juni 1958. In Radolfzell war er als bekennender Sozialdemokrat bekannt und seit 1919 Mitglied des SPD-Ortsvereins. Lange Jahre war er dort als Schriftführer tätig. Von 1923 bis 1933 vertrat er die SPD im Radolfzeller Bürgerausschuss. Der ausgebildete Schlosser arbeitete als Werkmeister bei Allweiler. Julius Fuchs war mit Gertrud Otten verheiratet und Vater zweier Kinder. Festgenommen wurde er am 22. August 1944 um 5.45 Uhr im Rahmen der Verhaftungsaktion „Gitter“ (siehe auch Infokasten) durch die Gestapo.

Zusammen mit Fuchs wurden in Radolfzell mehrere Personen, an die jetzt mit den Stolpersteinen erinnert werden soll, im Rahmen der Aktion „Gitter“ inhaftiert. Dazu zählen Hermann Klein, Gustav Troll und Karl Teufel. Die Geheime Staatspolizei brachte Julius Fuchs in das Landgerichtsgefängnis Konstanz. Von dort wurde er einen Tag später in das Konzentrationslager Natzweiler im Elsass verschleppt. Als das Lager Anfang September 1944 geräumt wurde, kamen alle Inhaftierten in das Konzentrationslager Dachau. Laut Fuchs wurden er und andere auf das energische Drängen durch Angehörige zweier Radolfzeller Häftlinge am 24. September entlassen.

Die „Badische Landesstelle für die Betreuung der Opfer des NS“ würdigte Julius Fuchs 1946 als „aufrechten Antifaschisten“, 1950 bescheinigte der SPD-Ortsverein dass dieser in Radolfzell als „Gegner des Hitlersystems“ bekannt gewesen sei. Damit erwirkte Fuchs für die erlittene KZ-Haft vom Landesamt für Wiedergutmachung eine Entschädigungszahlung von 160 D-Mark, nachdem er nachweisen konnte, dass seine „politische Haltung“ Grund für seine Verfolgung war. Lebende Angehörige wurden bislang nicht ermittelt. Sein Sohn Karl Fuchs pflegte das Familiengrab bis zur Einebnung im Jahr 1997.


Die „Aktion Gitter“

Als Reaktion auf das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 gab es eine Verhaftungsaktion der Gestapo: die „Aktion Gitter“. Sie wurde auch „Aktion Gewitter“ und „Aktion Himmler“ genannt. Die Gestapo führte sie in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei durch. Sie fand am 22. und 23. August 1944 statt. Inhaftiert wurden dabei ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der bürgerlichen Parteien der Weimarer Republik. Dabei handelte es sich um Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Liberale, Kommunisten, Mitglieder des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei. Laut Schätzungen wurden rund 5000 Personen im Rahmen dieser Aktion inhaftiert. (ja)

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