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Radolfzell Freundeskreis Asyl feiert 30. Geburtstag

Seit im Jahr 1985 die ersten Asylsuchenden nach Radolfzell kamen, engagieren sich die Mitglieder des Freundeskreises Asyl für die Flüchtlinge. In diesem Jahr feiert der Freundeskreis seinen 30. Geburtstag.

Seit 30 Jahren setzen sich die Mitglieder des Freundeskreises Asyl für Flüchtlinge in Radolfzell ein, helfen bei Alltagsfragen und Behördengängen, geben Sprachunterricht. Nun hat der Freundeskreis Geburtstag gefeiert. Fast einhundert Gäste folgten der Einladung ins evangelische Gemeindehaus der Christuskirche Radolfzell. Unter ihnen Flüchtlinge aus drei Jahrzehnten. Bei momentan rund 200 Asylsuchenden in Radolfzell ist beim Freundeskreis gerade jede helfende Hand gefragt, seine Arbeit wichtiger denn je.

Timm Klotz ist ein Gründungsmitglied vom Freundeskreis Asyl und kennt die Flucht am eigenen Leib. In den 50er-Jahren ist er mit seinen Eltern aus der ehemaligen DDR in die Bundesrepublik geflohen. Und es klingt absurd: Als Deutscher im eigenen Land war er im Besitz eines Flüchtlingsausweises. Klotz weiß, wie es ist, Grenzen zu erfahren, aufgenommen zu werden und Hilfe zu bekommen. Sein Engagement für die Asylsuchenden rührt aus seiner eigenen Biographie. Der Mathematiker bietet dem Freundeskreis seine Kenntnisse zur logistischen Bewältigung seiner Aufgaben an und schafft für den Verein umsetzbare Strukturen. Er bedauert, dass es nicht ausreiche, aus einem Kriegsgebiet zu kommen, um Asyl zu erhalten. Der Schutzsuchende müsse zeigen, dass sein Leben akut bedroht werde – wie durch eine Sippenhaft. Timm Klotz kritisiert den Hang der Deutschen zu Gesetzen und Verordnungen. Sie würden das individuelle Schicksal übersehen, sagt er.

237 Kilometer östlich vom indischen Subkontinent entfernt liegt der Inselstaat Sri Lanka. Die ehemalige britische Kolonie ist bekannt geworden durch die Produktion und den Export ihres Tees, der unter dem ehemaligen Namen des Inselstaates firmiert: Der Ceylon-Tee. Der schwelende ethnische Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen führte 1983 in einen 26 Jahre andauernden Bürgerkrieg mit rund 90 000 Toten. Sechs Jahre nach dem Beginn des bewaffneten Konflikts floh Thurihajah Saranvanababam nach Deutschland. Sein Name bedeutet so viel wie „Shivas Sohn“ und ist angelehnt an einen Hauptgott im Hinduismus. Der Tamile wurde als einer der ersten vom Freundeskreis Asyl betreut. Seine Tochter kennt das für sie faszinierende Heimatland ihres Vaters nur durch einen sechswöchigen Urlaub. Die Tamilen wurden unterdrückt und bis in der Arbeitswelt hinein diskriminiert: „Die Singhalesen waren so nett und haben uns einen kleinen Teil der Insel gelassen“, spöttelt sie. Trotz dem Ende des Bürgerkrieges gab es weitere 45 000 Tote, berichtet „Shivas Sohn“. Die Familie benötigt daher auch weiterhin Asyl.

Beim Gedenkgottesdienst zum 30. Geburtstag des Freundeskreises entdeckte Pfarrerin Brigitte Haug eine für Christen irritierende Geschichte aus der Bibel. Nach zweitausend Jahren bleibt sie brandaktuell. Eine Frau sucht das Erbarmen Jesu. Ihre Tochter wird von einem üblen Geist geplagt. Jesus weist sie harsch ab und beschimpft sie. Jener fühlt sich nur für die verlorenen Schafe Israels zuständig. Durch die Intervention der Jünger lenkt Jesus in den Dialog ein. Sie wolle nicht an den Tisch und auch kein Brot. Brotsamen, die vom Tisch fallen, würden ihr reichen. Jesus lenkt ein und der Frau wurde geholfen. Haug erinnert daran, dass der Sohn Gottes plötzlich umdenkt. Und sie wünsche es sich ebenso von anderen. Brigitte Haug erinnert in ihrer Predigt daran, dass die Republik zwei große Flüchtlingswellen gemeistert hat. Das sei ihr auch durch Helferkreise gelungen. Doch nun seien die Aufgaben größer und mehr Engagement gefordert. Passend dazu hat sich die Zahl der Mitglieder im Freundeskreis Asyl seit Sommer von 50 auf 80 erhöht.


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