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Radolfzell Feuerwehrleute brauchen viele Talente

Der Rückblick auf das Jahr 2016 der Radolfzeller Feuerwehr bewies: Bei der Bewältigung des breiten Aufgabenspektrums sind viele Begabungen gefragt – und große Gewissenhaftigkeit.

Der Anteil der Brandeinsätze hat sich in Radolfzell in den vergangenen drei Jahren nahezu verdoppelt. Die Freiwillige Feuerwehr rückte im letzten Jahr zu 63 Brandeinsätzen aus – drei von ihnen waren Großbrände. „Auch ein Großbrand fängt meist klein an“, so Kommandant Helmut Richter. Deshalb sei die Bekämpfung kleiner Brände genauso wichtig wie der Einsatz bei einem Großbrand. „Es sind nicht die gelöschten Großbrände, auf die wir stolz sein könnten, sondern auf die 55 Kleinbrände, die wir klein halten“, resümiert Helmut Richter in der Hauptversammlung. Der Anteil der Fehleinsätze reduzierte sich zum Vorjahr um 75 Prozent.

Auf dem Parkplatz Brandbühl prallte im letzten Jahr ein Auto auf einen geparkten Lkw-Anhänger. Das Fahrzeug war derart deformiert, dass die Feuerwehr im Fahrgast-Raum nur eine Person und zwei Kindersitze erkennen konnten. Sie stabilisierte das Unfallfahrzeug und schaffte sich einen Zugang durch das Heck. Die Feuerwehrmänner befreiten die Mutter, wiesen den Rettungshubschrauber an und beseitigten am Unfallort sämtliche Zündquellen. Im Juli letzten Jahres brannte am Busbahnhof im ehemaligen Hotel Victoria der Dachstuhl. Nach der Vollalarmierung der Feuerwehr kamen vier Abteilungen aus den Vororten und ein Löschfahrzeug mit einer Drehleiter aus Singen hinzu. Atemschutztruppen suchten nach einer vermissten Person und sicherten die Innenräume. Für die Bekämpfung des Brandes öffneten die Feuerwehrmänner die Dachhaut. Über viele Stunden hinweg löschten sie Brandherde und Glutnester des vom Einsturz gefährdeten Gebäudes. Die Sommerhitze belastete die Feuerwehr bis an ihre Grenzen.

Die Feuerwehr war im April 2016 beim Amok-Fehlalarm an der Teggingerschule ebenso in Einsatz wie sie im Polizeirevier eine Person aus der Zelle befreite. Dort ließ sich das Schloss der Zellentüre nicht mehr öffnen. Mit einem Hydraulikhebel hoben die Feuerwehrleute die Zellentüre aus der Zarge. Vier Beispiele für den Einsatz der Feuerwehrleute im letzten Jahr. Sie retteten Menschen und Sachwerte, schützten Leben, bargen Tote und löschten Brände. Insgesamt wurde die Feuerwehr 182-mal alarmiert. Davon rückte sie 162-mal aus. Die Differenz ergibt sich daraus, dass bei Großbränden bis zu fünf Alarmierungen gleichzeitig eingehen. Letztes Jahr löschte die Feuerwehr 63 Brände, davon drei Großbrände. Fast die Hälfte der Einsätze waren technische Hilfeleistungen. Unter ihnen auch ein Unfall, bei dem drei Fahrzeuge frontal aufeinander prallten. Zwei der Autos lagen 80 Meter weit voneinander weg.

Die Feuerwehr half Sturmschäden ebenso aufzuräumen wie sie Kranke mit Drehleitern schonend aus Wohnungen barg. Insgesamt rettete die Feuerwehr letztes Jahr 17 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen. Ein Kuriosum der Jahresstatistik ist, dass die Stahringer Feuerwehr im letzten Jahr keine Alarmierung hatte. Kommandant Helmut Richter vermutet, dass die Stahringer eine gute Prävention leisten würden, die Brände verhindern könnte.

Nach einem Großbrand wird allein in der Atemschutzwerkstatt zwei Wochen lang ununterbrochen gesäubert, repariert und desinfiziert. Die Kleidung wird in der eigenen Wäscherei gereinigt und imprägniert und die Vorräte mit 18 Kisten Mineralwasser aufgefüllt. Zur Steigerung der Fitness nehmen die Feuerwehrleute an Zirkeltrainings der eigenen Sportgruppe teil. Zwei Drittel der Feuerwehrleute nahmen letztes Jahr an internen Aus- und Fortbildungen teil. Eine Besonderheit ist die Ausbildung des 60-jährigen Betriebsarztes Michael van der Goten zum Feuerwehrmann sowie der Lehrgang des evangelischen Pfarrers Christian Link an Atemschutzgeräten. 37 Feuerwehrleute erwarben Abzeichen in Bronze und Silber. Als Ausgleich zum anspruchsvollen Dienst verbringen die Feuerwehrangehörigen gemeinsam ihre Freizeit bei einer Maiwanderung, bei Grillfesten, Familientagen, Hüttenwochenenden oder Kameradschaftsabenden.

In der Jugendfeuerwehr erlernen derzeit 82 Jugendliche, wie man technische Hilfe leistet und Löscheinsätze vorbereitet. Besonderen Wert legt der Leiter der Jugendfeuerwehr, Andreas Seitz, auf eine Jugendarbeit mit Sport, Spielen, Ausflügen, Sternenmärschen und einem Zeltlager. Anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens richtet die Jugendfeuerwehr beim nächsten Hausherrenfest die traditionelle Feuerwehrübung aus. Acht Jugendliche konnten dieses Jahr nach ihrer Ausbildung in die Feuerwehr Radolfzell übernommen werden.

Personalien

Die Freiwillige Feuerwehr Radolfzell (FFR) hat 235 ehrenamtliche Mitglieder. 13 Radolfzeller erhielten eine Feuerwehrausbildung und wurden in den Dienst übernommen. Elf weitere wurden befördert. Drei Feuerwehrmänner scheiden aus Altersgründen aus dem Dienst: Alfons Kohn, Träger des Ehrenkreuzes der Feuerwehr in Silber, bildete in seinen 47 freiwilligen Dienstjahren rund 1500 Feuerwehrangehörige aus. Ewald Fleiner verlässt nach 48 Jahren den freiwilligen Dienst. 25 Jahre lang war er Abteilungskommandant. Nach mehr als 49 Jahren verlässt auch der ehemalige Hauptfeuerwehrmann Werner Merk den aktiven Dienst.

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