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Radolfzell Familienvater soll Pflegetochter missbraucht haben

Ein Mann steht wegen des Verdachts vor Gericht, sich an seiner kleinen Pflegetochter massiv vergangen zu haben. Die damalige Ehefrau erhebt schwere Vorwürfe.

Mehrere massive sexuelle Übergriffe auf seine Pflegetochter wirft die Staatsanwaltschaft Konstanz einem aus dem Raum Singen vor. Sie sollen sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckt haben. Zum Zeitpunkt der angeklagten Taten lebte die Pflegefamilie in Radolfzell. Das Mädchen war damals zwischen vier und sieben Jahre alt.

Im Alter von vier Jahren war das Kind wegen Verwahrlosung und wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch vom Jugendamt aus seiner Herkunftsfamilie genommen worden. Es fand einen Platz in der Pflegefamilie in Radolfzell. Als es sieben Jahre alt war, endete dieses Zusammenleben mit einem Paukenschlag von einem Tag auf den anderen. Es war Karsamstag im Jahr 2015, als die Pflegemutter einen schweren Verdacht schöpfte. Ihre Fragen beantwortete die damals Siebenjährige zunächst mit dem Satz: "Ich darf darüber nicht reden." Schließlich habe sie es aber geschafft, dass das Mädchen sich ihr offenbart habe, berichtete die Pflegemutter. Drei Jahre lang war alles wortwörtlich im Keller des Hauses der Familie geblieben. Denn dort befand sich ein Raum, in dem der Pflegevater als Schichtarbeiter ungestörten Schlaf finden sollte. Tatsächlich soll er seiner Pflegetochter dort mindestens sechs Mal massive sexuelle Gewalt angetan haben.

Die Pflegemutter berichtete, das Mädchen habe von Anfang an gewisse Verhaltensauffälligkeiten gezeigt: "Sie war bindungsgestört, distanzlos und impulsiv." Später seien motorische Probleme und starke Aggressivität anderen Kindern gegenüber dazugekommen. Deshalb habe sie mehrmals Ärzte und Psychologen aufgesucht. Schließlich sei das Mädchen in einer Förderschule eingeschult worden.

Der angeklagte Pflegevater bestritt den ihm zur Last gelegten schweren sexuellen Missbrauch. Über seinen Anwalt ließ er erklären, das Kind habe von Anfang an ein auffällig sexualisiertes Verhalten gezeigt und müsse sich alles ausgedacht haben. Seiner inzwischen geschiedenen Ehefrau unterstellte er indirekt, sie habe ihn aus Rache angezeigt, weil er die Trennung wollte. Für diesen Fall habe sie angekündigt, dass "etwas Schlimmes" passieren würde.

Die Pflegemutter musste sich vor Gericht auch unzählige Fragen stellen lassen, die den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung überprüfen sollten. Doch ihre belastenden Angaben schienen plausibel und nachvollziehbar. Für sie seien die Schilderungen ihrer Pflegetochter eindeutig gewesen, das hätte sich das Kind nie ausdenken können, meinte sie. Nach und nach hätten sich für sie dann viele zunächst wenig beachtete Auffälligkeiten wie Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengesetzt. "Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen", schilderte sie ihre Verfassung nach den Offenbarungen des Kindes. Doch beim Jugendamt sei an jenem Samstag auch unter der Notfallnummer niemand erreichbar gewesen. Sie habe sich dann mit einer befreundeten Pflegemutter beraten und ihr Pflegekind noch am gleichen Tag in einer früheren Pflegestelle untergebracht. Danach wurde es vom Jugendamt in ein Heim übergeben. Seither habe sie das Kind nie wieder gesehen.

"Ich habe mir immer eine Tochter gewünscht", meinte sie auf die Frage, was sie zur Aufnahme des Kindes bewogen hatte. Während der Befragung der inzwischen neunjährigen Schülerin schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus. Eine psychologische Sachverständige soll begutachten, inwieweit ihre Aussagen als glaubwürdig einzuschätzen sind. Das Urteil wird für Anfang nächster Woche erwartet.

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