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Radolfzell Es wird eng im Storchendorf: Böhringen hat jetzt 37 statt bisher 30 Brutpaare

Die Vogelkolonie in Böhringen ist einzigartig im Land, doch der diesjährige Populationsschub bereitet dem Ortschaftsrat Sorgen.

"Ich bin selbst erschrocken", sagt der Storchenbeauftragte Wolfgang Schäfle bei seinem Situationsbericht im Böhringer Ortschaftsrat. Aktuell zähle er 37 Brutpaare in Böhringen – das sind sieben mehr als im Vorjahr und alle auf geballtem Raum im Unterdorf. "Es wird langsam eng in der Kolonie." Im ganzen Landkreis gibt es 83 Brutpaare, insgesamt 12 Storchenpaare mehr als im Vorjahr.

Viele Bürger freuen sich über die Störche und dass sie ein Wahrzeichen für Böhringen geworden sind, das Besucherscharen anzieht. Für andere sind Schäden, verursacht durch die Hinterlassenschaften, ein Ärgernis. Mit zunehmenden Druck auf die Kolonie bauten die Störche auch an abenteuerlichen Stellen ihre Horste, so dass durch herunterfallendes Nistmaterial oder drohenden Absturz kompletter Nester, insbesondere von schafhaften Bäumen, Gefahren für die Bevölkerung gesehen werden, verknüpft auch mit Fragen der Haftung.

So sehen Jungstörche im Alter von wenigen Wochen aus. Bild. privat
So sehen Jungstörche im Alter von wenigen Wochen aus. Bild. privat

Insbesondere Ortschaftsrat Peter Lingg machte Druck. Die Schäden seien Grundstücksbesitzern nicht mehr zumutbar. Er regte an, im Ried Pfähle mit Nisthilfen zu errichten, um weitere Ansiedlungen im Dorf zu verhindern. Dem räumt Storchenexperte Wolfgang Schäfle jedoch aus Erfahrungen andernorts keine Erfolgschancen sein. "Störche wollen unter den Menschen sein. Außerdem gibt ihnen die Kolonie Sicherheit", machte er deutlich. Auch in den angeregten Nest- und Brutattrappen sieht er keine Lösung. "Ich weiß nach 30 Jahren wie die Störche ticken. Die lachen uns aus." Es helfe einzig, die Störche zu verscheuchen oder ihnen die Nistmöglichkeit zu nehmen. Bewährt hätten sich Spitzdächle über dem Kamin oder gespannte Drähte auf dem Dach. "Wenn ein Nest erstmal gebaut ist und darin gebrütet wird, steht es fortan unter Naturschutz – auch wenn die Störche weg sind", machte Schäfle unmissverständlich deutlich.

Bei allen Sorgen sehen die Räte in der einzigartigen Storchenkolonie aber auch eine touristische Chance für Böhringen. "Es ist toll, dass wir die Störche haben. Und die Begleiterscheinungen müssen wir einfach im Auge behalten", sagt Ortsvorsteher Bernhard Diehl.

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