Radolfzell Die Faszination der Mooser Wasserprozession - Mit vielen Bildern!

Rudern zum Lob der Hausherren oder eine Pilgerfahrt von Moos nach Radolfzell.

Lobe den Herren. Oder: Moos moß Moos bliebe. Moos muss Moos bleiben. Der Kampfruf der Mooser Anfang der siebziger Jahre richtete sich gegen Radolfzell. Und gegen Singen. Das Ringen um die eigene Identität war erfolgreich. Moos bildet zusammen mit den Höri-Dörfern Bankholzen, Weiler und Iznang eine politische Gemeinde.

Thomas Wieland (64), der an diesem Morgen das Boot Nummer 89 aus dem Mooser Hafen hinauf auf den See und hinüber nach Radolfzell mit drei Pilgern an Bord rudert, erinnert sich. Damals habe er nicht zu den Moosern gehört, die selbstständig bleiben wollten. Und den es auch nicht unbedingt unter das kommunale Dach der Radolfzeller zog. Trotz der jährlichen Wasserprozession zu den Hausherren: "1974 hatte Singen das bessere Angebot gemacht." Über 40 Jahre später sagt Wieland: "Gott sei Dank sind wir selbstständig geblieben." Das Nachbardorf von Moos war damals unter den Mantel der Stadt Singen geschlüpft. "Früher war Bohlingen das Zentrum für die Höri – und heute?"

Den Hausherren entgegen: Thomas Wieland rudert, Manuela Bölli (links) und Angelika Abele genießen die Stimmung auf dem See. Vorne fährt die Johanna mit Erzbischof Nikola Eterovic und dem Höri-Pfarrer Stephan Hutter. Bild: Georg Becker
Den Hausherren entgegen: Thomas Wieland rudert, Manuela Bölli (links) und Angelika Abele genießen die Stimmung auf dem See. Vorne fährt die Johanna mit Erzbischof Nikola Eterovic und dem Höri-Pfarrer Stephan Hutter. Bild: Georg Becker | Bild: Becker, Georg

Thomas Wieland lässt die Frage unbeantwortet. Zumindest am Hausherrenmontag genießt Moos alle Aufmerksamkeit. Seit 220 Jahren erfüllt die Gemeinde ihr Gelübde und setzt zur Pilgerfahrt nach Radolfzell über. Wenn sie von der "grässlichen Viehseuche" verschont blieben, wollten die Mooser jährlich für die Erhöhrung ihrer Bitten zum Hausherrenfest rudern. "In den achtziger Jahren hat man in Moos die letzte Kuh aus dem Stall geholt", sagt Wieland. Selbst ohne Vieh, das Gelübde Wasserprozession zählt. Heute ist das auch ein Auftrag für die politische Gemeinde. Die Mitarbeiter des Bauhofs schlagen Eichen, um das Laub für die Kranzbögen zusammenzutragen, die Frauen des Mooser Kirchenchors hübschen die Kränze mit Blumen auf.
 

Die Mooser Männer übernehmen das Rudern. Das fordert bei der Wasserprozession doch hie und da die ganze Aufmerksamkeit. Von links stößt die "Karisma" zur Prozessionsflotte, das Kirchboot der Rudergemeinschaft Seemalrhein. Während die Ruderer aus Moos einen blauen Schal umgebunden haben, trägt die Besatzung der Karisma weiße Hemden mit rotem Schal. Zwischen allen Booten wuselt auf einmal noch ein wendiger Paddler im Einerkajak herum. Ein Vierer mit Steuerfrau des Ruderclubs Undine reiht sich ein.

Mitten auf dem See halten die Boote. "Es wird gesungen", hat vorher Pfarrer Stefan Hutterer in der Mooser Kirche angekündigt. Es ist das zweite Mal, dass die Pilger in den Booten die Stimme zu "Lobe den Herren" erheben. Vor dem Aufbruch zur Wallfahrt erklang das Lied schon in der Sieben Schmerzen-Marien Kirche in Moos, kurz nach Sieben und mit der Inbrunst der Vorfreude gesungen. Jetzt auf dem See, der sich fast nur bewegt, wenn die Ruderblätter ins Wasser tauchen, wird es feierlich. Im Motorboot "Johanna" stehen die Musiker Markus Müller (Posaune), Salomon Leu (Tuba) sowie Sohn Jannik und Vater Tobi Franz (Trompete) auf und lassen den Lobgesang über ihre Instrumente hören.

Die Sonne blinkt, Thomas Wieland schaut Richtung Radolfzeller Aach: "Die Schwäne verdrücken sich ins Schilf, denen ist unheimlich." Den Pilgern und Passagieren eher nicht, sie genießen den feierlichen Grundton des Morgens. Langsam erreichen die Boote den Radolfzeller Hafen, auf der Mole und dem Wäschbruckhafen stehen Tausende und schauen vielleicht 27 Ruderbooten und der Johanna beim Einlaufen zu. "Sind das viele", sagt Manuela Bölli, eine Mitfahrerin im Boot. Eine Prozession, die sich jedes Jahr wiederholt, ist ein Massenereignis. Die Stadtkapelle Radolfzell spielt: Lobe den Herren.

Thomas Wieland steigt aus dem Boot und zieht seine Handschuhe aus. Warum er das macht, seit etwa zehn Jahren jedes Jahr am Hausherrenmontag von Moos nach Radolfzell rudern? "Da wächst man rein, ein ganzes Leben lang." Als Bub ist er als Ministrant mitgefahren, sein Großvater Edmund hat damals ein Boot gerudert. "Das Hausherrenfest ist für mich der Höhepunkt des Jahres, danach sinkt das Wasser." Moos wird Moos bleiben. So lange es eine Wasserprozession gibt.

40 Ministranten

Pfarrer Stefan Hutterer hat alle Ministranten der Seelsorgeeinheit Höri zur Mooser Wasserprozession eingeladen, 40 sind in die Boote gestiegen. Mit dabei war auch der Botschafter des Papstes, Erzbischof Nikola Eterovic.

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