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Radolfzell Der Weizen braucht Regen

11.05.2011
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Keine guten Zeiten für die Landwirtschaft: Durch die extreme Trockenheit werden Ernteausfälle beim Getreide von bis zu 40 Prozent befürchtet.

Radolfzell/Moos – Seit Anfang April hat es am Untersee nicht mehr geregnet, unterbrochen worden ist die Trockenheit allenfalls durch sehr kurze, lokale und kaum ergiebige Gewitterschauer. Das gute Wetter freut Touristen, Gastronomen und Hoteliers – wenig begeistert allerdings sind die Landwirte.

Josef Keller, Landwirt auf dem Buchhof in der Nähe der Weinburg, macht sich Sorgen um sein Getreide. Den Ertragsausfall beim Winterweizen schätzt er auf 30 bis 40 Prozent, bei der Wintergerste immer noch auf zehn Prozent. Schlimmer könne es natürlich auch kommen – wenn es nicht diese oder spätestens nächste Woche ergiebig regne. „Die vergangenen Tage war nicht einmal Tau auf den Getreidepflanzen, so bekommen sie noch weniger Feuchtigkeit.“ Beim Mais schätzt er den bisherigen Schaden auf zehn Prozent, da die Saat an manchen Stellen nicht aufgegangen sei.

Josef Keller hat, während er als Maschinist berufstätig war, die Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Inzwischen hat er den Hof offiziell an seinen Sohn übergeben. Tatsächlich findet er, seit er in Rente ist, wieder mehr Zeit für die Felder. Die derzeitige Wetterlage empfindet er als ungewöhnlich, erinnert aber daran, dass es im vergangenen Jahr einen ähnlichen April gegeben habe. „Aber ab Mai hat es dann geregnet.“

Regina Duventäster-Meier, die einen Gemüsebaubetrieb in Moos leitet, bezeichnet die Situation als dramatisch. „Seit Freitag haben wir keine reguläre Wasserversorgung mehr, weil die Bewässerungsleitung vom See versandet ist und mit Schlick verstopft.“ Dies sei noch nie vorgekommen. Seit Freitag habe sie mit ihren Mitarbeitern eine Notberegnung ihrer Gemüsekulturen vorgenommen. Gleichzeitig beantragte sie, Wasser mit Tankwagen aus der Aach entnehmen zu dürfen. Dies sei nun genehmigt, aber technisch mit sehr viel mehr Aufwand verbunden. „Es hat viel zu lange nicht geregnet, verantwortlich dafür ist auch der ständige Ostwind. Dieser treibt die Feuchtigkeit dann auch immer wieder ab.“ Trockenschäden habe sie bereits an den Paprikapflanzen festgestellt, die Notbewässerung decke den Bedarf nicht vollständig. Außerdem seien Gurken empfindlich, im Freiland litten vor allem Radieschen, Rettich, Kohl und Salat.

Ähnlich ernüchternd schätzt Leonhard Glaser, der in Moos auf etwa zehn Hektar Gemüse und Obst anbaut, die Situation ein. „Die Wetterlage ist sehr ungewöhnlich. Die ersten vier Wochen, als es so trocken war, hat man noch von der Winterfeuchte gezehrt. Aber jetzt gehen die Kulturen einfach ein.“ Am schlimmsten seien alle Sorten Frischgemüse betroffen, Blattsalate, Brokkoli sowie alle Kohlsorten. Er versuche mit der Beregnung der ufernahen Felder die Lage etwas zu verbessern, „das Frischgemüse hätte ohne diese Bewässerung gar keine Chance“. Bei den nicht bewässerten Feldern sei bei den Kurzzeitsorten allerdings nichts zu retten. „Man kann nichts daran ändern. Wir hoffen, dass der Regen jetzt kommt, damit man die Sorten, die eine mittlere oder lange Wachstumsdauer haben, noch rettet.“

Die Trockenheit führt zu einem erhöhten Arbeitsaufwand. Im Moment investiere er etwa 30 Prozent Arbeitszeit in die Bewässerung, so Glaser, immer im Bewusstsein, dass die Beregnung nur eine Überbrückung sein könne. Erst kürzlich habe er eine Schlauchleitung mit einer Länge von 500 Metern gelegt, um ein Erdbeerfeld zu bewässern. All dies kann einen ergiebigen Landregen jedoch nicht ersetzen. Unter den Landwirten genießt jeder Wetterbericht derzeit daher besondere Aufmerksamkeit. Die Hoffnung auf den ersehnten Niederschlag sollte niemand zu früh aufgeben.

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