Mein

Der Rockstar von der Höri

01.06.2007
Artikel drucken


Konzerte in der ganzen Welt geben, vor vielen tausend enthusiastischen Fans stehen und der vielumjubelte Rockstar sein - davon träumt so mancher junger Nachwuchsmusiker. Für Dani Löble aus Öhningen ist dieser Traum wahr geworden. Seit kurzem ist der 34-jährige von einer fast einjährigen Tournee zurück, die ihn mit der Metal-Band "Helloween" auf vier Kontinente geführt hat. Hinter dem Schlagzeuger von der Höri liegen über 100 Konzerte in mehr als 40 Ländern. "Wir waren in fast allen bespielbaren Ländern", sagt Dani Löble.

Und wer eine Reise unternimmt, der hat etwas zu erzählen. Das trifft auch auf den 34-Jährigen zu, der derzeit in Weiterdingen weilt, wo er zusammen mit seiner langjährigen Freundin wohnt. So richtig heimisch will sich Dani Löble dennoch nicht mehr hier fühlen. Das beinah einjährige Fernbleiben und die zahlreichen Eindrücke haben aus dem Menschen Dani Löble einen anderen gemacht, gesteht er. "Ich habe so viel gesehen, da kommt mir das meiste hier zu Hause vollkommen belanglos vor", sagt er. Entsprechend schwer fällt es ihm, sich mit den normalen Alltagsproblemen zu beschäftigen. Während der Welttournee musste sich der Musiker im Grunde um nichts kümmern, denn für alles waren immer zahlreiche Helfer da. Der gesamte planbare Ablauf der Tour ist perfekt durchorganisiert und die Hauptakteure müssen sich um nichts kümmern. Sie fliegen ihren Helfern von der einen Stadt in die nächste hinterher, wo die Erstgenannten schon alles vorbereitet haben. Die Rockstars müssen eigentlich nur noch das machen, was man von ihnen erwartet. Sie klettern auf die Bühne und sorgen für zwei Stunden Unterhaltung. Die haben es bei dieser Musik allerdings in sich. "Das ist Schwerstarbeit", erklärt Dani Löble. Während er mit "500 Prozent" seine Felle bearbeitet, grillen ihn auf seinem Schlagzeugthron während des Konzertes die Scheinwerfer, die direkt hinter ihm angebracht sind. Wer nun glaubt, die Musiker würden nach dieser Strapaze zu den Drogeneskapaden übergehen, irrt. "Ich dusche mich nur noch und schaue mir eine DVD an und anschließend schlafe ich ein", berichtet der Schlagzeuger.

Klingt fast schon langweilig, ist es aber für Dani Löble noch längst nicht. Was die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht zu Gesicht bekommen, hat der Öhninger in einem Jahr gesehen. Das waren selbstverständlich nicht nur schöne Dinge, wie eine morgendliche Fähreinfahrt in Stockholm, an die sich der Musiker gerne erinnert, sondern auch zahlreiche erschreckende. Vor allem die Armut, die er Südamerika zu Gesicht bekommen hat, macht ihm zu schaffen. "Wir sind in den besten Hotels abgestiegen und vom Balkon konnte man auf Hütten der Armen sehen, die wir nicht einmal als Schrebergärten nutzen würden", erzählt er. Bettelnde Kinder verfolgten ihn bis kurz hinter der Bühne, auf der er im nächsten Moment den Rockstar spielen sollte. Kein Wunder also, dass das Musikerleben im großen Stil den bis dahin eher bodenständigen Mann aus Öhningen verändert hat. Er selbst schätzt mittlerweile die Offenheit gegenüber fremden Menschen, die im früher als geborener Hörianer abging, wie er selbst sagt. "Man wird einfach durch das Reisen offener", sagt er. Im Grunde steckt er auch schon fast wieder in den Vorbereitungen zur nächsten Tour. Ende des Jahres geht es wieder weiter. Vorab nimmt Dani mit "Helloween" aber noch eine neue CD auf Teneriffa auf. Zwischendurch gibt es zahlreiche Pressetermine, denn die Band ist weltweit gefragt und beliebt. Außerdem nimmt der 34-jährige seinen Job sehr ernst. Rund zehn Familien leben von der Band. Deshalb durfte der Öhninger auch nur im Januar Ski fahren. Eine etwaige Verletzung hätte schließlich sämtliche Vorbereitungen hinfällig machen können.

Radolfzell
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung