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18.08.2005  |  0 Kommentare

Radolfzell/Stahringen Das richtige Gespür bewiesen

Radolfzell/Stahringen  - 

Von Haus aus ist Walter Fischer eigentlich Mathematiker. Als er vor 20 Jahren den Grundstein für seine heutige Firma legte, hatte er das richtige Gespür für den Markt. Foto: Claudia Antes-Barisch



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Radolfzell/Stahringen (ca) Namhafte Unternehmen wie Kärcher, Claas, Geberit, Burda Druck und MTU Friedrichshafen zählen zu den Kunden der Fischer-Computertechnik GmbH in Stahringen. Im Verlauf von nunmehr 20 Jahren hat sich der Betrieb mit der Entwicklung und Herstellung von Software-Systemen im Bereich Technische Dokumentation einen Markt erobert. Das Jubiläum feierte Geschäftsführer Walter Fischer zusammen mit seinen Mitarbeitern und Kunden.

TIM, die Abkürzung für Technisches Informations-Management, ist das Zauberwort im Hause Fischer. Weltweit gibt es mehrere tausend Arbeitsplätze mit TIM-Installationen. Anwender der Software aus Stahringen sind vor allem Fertigungsunternehmen und Anlagenbauer, die technische Informationen um und für ihre Produkte - beispielsweise umfassende Bedienungsanleitungen - mit Hilfe von TIM dokumentieren und systematisch verwalten können. Walter Fischer erklärt: Aufgrund der schnellen Produktentwicklungszyklen müsse zu jedem Produkt eine Dokumentation ausgeliefert werden. Und das nicht nur in den gängigen Sprachen, sondern auch in der jeweiligen "Zielsprache". Kärcher beispielsweise bringe pro Jahr etwa 150 neue Produkte auf den Markt und die entsprechenden Dokumente müssen in 27 Sprachen verfasst werden. Da entstehe ein hoher organisatorischer Bedarf, den Fischer Computertechnik abdeckt: Die Verwaltung technischer Dokumente ist hier Haupttätigkeitsfeld.

Das war nicht immer so. Walter Fischer ist ursprünglich Mathematiker. Im Zusammenhang mit seiner Promotion in Biochemie an der TH Darmstadt hat er sich mit der Ionenleitfähigkeit in Membranen befasst. Schon vor der Zeit, als Computer ihren Siegeszug antraten und nur vereinzelt Geräte in den Hochschulen bereit gestellt wurden, versuchte sich Fischer mit der modellhaften Darstellung seiner Theorien am Computer. 1985 gründete er zusammen mit zwei Mitarbeitern in Frankfurt/Main eine Firma, die es sich zur Aufgabe machte, Software für die chemische Industrie zu entwickeln. Um "die Visualisierung und Design von Molekülen in 3D" sei es dabei gegangen, sagt Fischer, und obwohl die großen Unternehmen aus der Chemiebranche an dem kleinen Drei-Mann-Betrieb kein Interesse zeigten, ließ der sich nicht mehr aufhalten. "Wir haben gespürt, wie wichtig die Rolle des Computers in der Gesellschaft sein wird und wir haben gedacht: Da wollen wir dabei sein", erinnert sich Fischer.

"Dabei" war er bald, nicht bei der Großchemie, sondern bei der technischen Industrie, die Interesse an seiner Arbeit bekundete. Als Walter Fischer 1990 aus persönlichen Gründen mit seiner Firma vom Main an den Bodensee in seinen Geburtsort Stahringen zog, tat er das mit der Überlegung dass es egal sei, wo man Software schreibe. Heute meint er, dass das zwar nach wie vor stimme - für den Vertrieb sei der Standort Stahringen gleichwohl nicht optimal. Immerhin: Die Schweiz und damit ein lukrativer Markt ist gleich nebenan und ein guter Teil der Fischer-Kunden ist dort angesiedelt.

Visualisierung und Grafik blieben weiterhin Thema im Softwarehaus Fischer. Es wurden Programme entwickelt, um die CAD-Informationen verteilen zu können. In der Folge war es auch möglich, elektronische Archive anzulegen und das so genannte "viewing" einzusetzen, ein Instrument zur Ansicht von Dokumenten. Dann folgte der Schritt zur Dokumentenverwaltung. Vor zehn Jahren entwickelte der Betrieb das erste Redaktionssystem: Technische Redakteure in den Unternehmen sind heute die Hauptansprechpartner von Fischer Computertechnik.

30 Mitarbeiter hat der Betrieb inzwischen. 20 davon arbeiten in der Stahringer Hauptstraße in einem völlig umgestalteten alten Bauernhaus - auf vier Stockwerken mit 450 Quadratmetern Fläche. Ein Arbeitsplatz mit Atmosphäre. Hier gibt es eine Entwicklungs-, eine Produktions- und eine kleine Marketingabteilung. "Wir machen keine Auftragsentwicklung mehr, sondern fast ausschließlich Produktentwicklung", erläutert Walter Fischer das Unternehmenskonzept. Laufend werden hier Lehrlinge zum Fachinformatiker ausgebildet; ein relativ neues Berufsbild. Eine weitere Geschäftsstelle besteht in Eltville bei Wiesbaden. Fischer verweist auf das große Partnernetzwerk seines Betriebs mit Dienstleistern als Vertriebspartner.

Ein besonderes Lob hat der Geschäftsführer aber für seine Mitarbeiter, für deren "Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Qualifikation". "Dadurch sind wir überhaupt in der Lage, das alles zu machen", sagt Walter Fischer. Und die vielfältigen Aufgaben der Zukunft zu meistern.

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