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Höri/Gaienhofen CDU-Chef: "Sache aller Bürger"

Der Vorsitzende des Gaienhofener CDU-Gemeindeverbands, Bernd Eberwein, meldet sich in der Diskussion um die Entwicklung der Kommunikationstechnik zu Wort. Aktueller Anlass ist eine Veranstaltung des Höriforums zu diesem Thema. Sie findet am Dienstag, 16. September, um 19.30 Uhr im Johanneshaus in Horn statt.

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In regelmäßigen Abständen werden Mobilfunkmasten aufgestellt, um eine komplette Netzabdeckung zu gewährleisten. Gaienhofen ist bis jetzt noch standortfrei. | Bild: Antje Kirsch

Höri/Gaienhofen - Auf der Höri und insbesondere in Gaienhofen ist die Kommunikationstechnologie schon länger ein Thema. Einerseits wird beklagt, dass die Infrastruktur dem allgemeinen Standard hinterherhinkt. Andererseits gibt es zum Beispiel eine Bürgerinitiative, die sich für eine strahlungsarme Höri einsetzt. Sie plädiert für den Verzicht auf UMTS-Masten und fordert stattdessen eine Glasfasertechnik. Bernd Eberwein hat dazu in Stichworten seine Position formuliert.

Die Grundsatzfrage: Warum ist UMTS oder Glasfaser in Gaienhofen überhaupt ein Thema?

Bernd Eberwein hält moderne Kommunikationstechnologien auch für die mittlere Höri für einen wichtigen Standortfaktor. Man sei zwar ein Erholungsgebiet, aber "auch hier gibt es Schulen, Gewerbetreibende, Ärzte und auch die Tourismuseinrichtungen, die schnelle Internetverbindungen brauchen."

Zum Stand der Infrastruktur:

Das auf Initiative der Gemeindeverwaltung seit einiger Zeit bestehende "DSL light" bezeichnet Bernd Eberwein als ganz ordentlich, es reiche aber zur Übertragung von großen Datenmengen nicht aus. Der wunde Punkt liege darin, dass es auf Gaienhofener Gelände nur einen einzigen Übergabepunkt von einer Glasfaserleitung in die Kupferleitungen der vier Teilgemeinden gebe, wodurch die DSL kaum schneller als die herkömmliche ISDN-Leitung sei. Für ein schnelleres Internet gebe es zwei Alternativen: die UMTS-Technik über Funk mit den etwaigen Strahlungsproblemen oder den Ausbau der Glasfaserleitungen, was durch die Erdkabelverlegung teurer ist.

Die Position des CDU-Vorsitzenden:

Bernd Eberwein hält die UMTS-Technik für problematisch. Es handelt sich um eine gepulste Sendetechnik mit Frequenzen, die einen hohen Datenfluss ermöglichen. Hierzu braucht man eine Versorgung mit Sendern, die wesentlich näher am Verbraucher stehen müssen, als es bei der herkömmlichen Mobil-(GSM)-Technik der Fall ist. "Derzeit überlegt man in Gaienhofen wohl, einen großen Sendemasten aufs freie Feld zwischen Horn und Gaienhofen zu stellen", sagt Bernd Eberwein. "Das ist zunächst nicht schlecht gedacht. Neben der Tatsache, dass einige Leute dies als eine Verschandelung der Landschaft ansehen, scheint es mir aber heute schon sicher, dass dieser Mast nicht alle Teilorte wird versorgen können. Ich denke, dass in Gundholzen und Hemmenhofen schlechte Sendequalität herrschen wird. Man bräuchte also noch weitere Sender."

Die Folge: Jeder Endabnehmer bräuchte, um mit dem Sendemasten zu kommunizieren, ebenfalls eine Sendeanlage - entweder direkt am Gerät oder durch einen Sammelsender. Dies bringe eine zusätzliche Sendeleistung direkt bei den Menschen, die damit arbeiten.

Die Position zur Bürgerinitiative für eine strahlungsarme Höri:

Bernd Eberwein hat Verständnis für die Sorgen der Menschen über die ständige weitere Verstrahlung der Umwelt. Wissenschaftlich seien diese Sorgen seiner Ansicht nach kaum gerechtfertigt, aber es sei ein psychologisches Problem. Man könnte deshalb die attestierte Strahlungsarmut durchaus als Werbung für die Erholungslandschaft Mittlere Höri nutzen.

Die Variante der Glasfaser-Technik:

Glasfaser-Technik ist teuer und laut Bernd Eberwein nur für stationäre Anlagen nutzbar - also direkt in den Firmen oder Schulen, natürlich auch bei den Mitbürgern zu Hause. "Man müsste das jetzt schon vorhandene Glasfaserkabel dringend aufsplitten und zumindest dann in die vier Teilgemeinden weiterführen", so die Ansicht von Bernd Eberwein, denn je näher das Glasfaserkabel zum Endverbraucher komme, umso schneller werde die Leitung. Einen Vorteil sieht der CDU-Chef in jedem Fall darin, dass es keine Strahlenbelastung gebe.

Also klares Plädoyer für die Glasfasertechnik?

So ganz klar festlegen will sich Bernd Eberwein nicht. Denn egal ob man sich für Glasfaser oder UMTS entscheidet - Grundlage der Diskussion muss nach Ansicht von Bernd Eberwein der Ist-Zustand sein. Die derzeitige Sendeleistung der GSM-Sender, also der "normalen" Sender für den Handy-Mobilverkehr (wie D1 oder D2) sei in weiten Bereichen Gaienhofens so schwach, dass die Mobiltelefone auf die Schweizer Sender umschalten. Wenn man dies aus Kostengründen verhindern wolle, müsse man den schwachen deutschen Sender fest einprogrammieren. "Dies führt aber dazu, dass die flexible Sendeleistung des Mobiltelefons direkt am Ohr verstärkt wird - mit der Folge einer erheblichen Strahlenbelastung in unmittelbarer Kopfnähe." Nach Kenntnis von Bernd Eberwein sei diese wesentlich stärker als jeder Sendemast, auch UMTS.

Die Forderung des CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden:

Bernd Eberwein ist der Ansicht, dass die Entscheidung über die Strategie der Kommunikationstechnik auf der Höri eine so tiefgreifende Zukunftsfrage ist, dass die Bürgerschaft beteiligt werden muss. Alle Argumente - wie zum Beispiel zur Notwendigkeit überhaupt, zu den Kosten, zur Strahlung und zum Landschaftsschutz - sollten nochmals vorgebracht werden. "Ich glaube, die Entscheidung sollte hier nicht allein der Gemeinderat oder die Verwaltung treffen", sagt Bernd Eberwein. Er werde deshalb seine CDU-Vorstandskollegen, die gleichzeitig im Gemeinderat tätig sind, bitten, den Vorschlag für ein kurzfristig anzuberaumendes Bürgergespräch einzubringen. Hierzu könnten auch die etablierten "Gaienhofener Gespräche" des CDU-Gemeindeverbands genutzt werden. "Ich denke, dass wir dabei, auch im Sinne des Miteinander in der Gemeinde, alle Mitbürger einbeziehen müssen. Die Mittlere Höri ist unser gemeinsamer Lebensraum." Gleichzeitig hofft Bernd Eberwein, dass der Bürgermeister sich an die Spitze dieser Initiative setzt.

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