Die Autorin Kerstin Gier stellte in Radolfzell temperamentvoll ihren neuen Roman vor
Radolfzell (nic) „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ – so heißt das neueste Werk von Bestseller-Autorin Kerstin Gier, das am kommenden Freitag erscheinen wird. Stolz hielt die quirlige Blondine am Montagabend in der Buchhandlung Greuter das erste Exemplar in den Händen. „Ich bin ganz aufgeregt. Ist das Buch nicht wunderschön?“, fragt sie ins Publikum. Kerstin Gier stellt die Charaktere des Buches vor, liest lange Textpassagen, unterbricht sich manchmal selbst, um spontane Gedankengänge mitzuteilen. Sie liest schnell, gut akzentuiert und ahmt den Dialekt des „Kölschen Taxifahrers“ ebenso gut nach, wie das Nuscheln einer kauzigen alten Dame. Langweilig ist die fast 90-minütige Lesung zu keinem Zeitpunkt, denn schnell schwappen die Begeisterung und das Temperament der Autorin auf das Publikum über.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Protagonistin Kati ist mit Felix glücklich verheiratet, verliebt sich aber in Mathias. Als sie von einer Straßenbahn erfasst wird und im Krankenhaus zu sich kommt, findet sie sich um fünf Jahre zurückversetzt in ihrem Leben wieder, einen Tag, ehe sie Felix kennenlernte. Wenn sie die letzten fünf Jahre noch einmal erleben könnte, würde sie alles genauso machen? Für welchen Mann würde sie sich entscheiden? Eine Geschichte über die Liebe, das Leben und über die Schwierigkeiten, das Schicksal auszutricksen. Die Geschichte selbst ist nicht unbedingt neu. Das Buch lebt weitgehend vom unvergleichlichen Schreibstil der Autorin. Sprache und Duktus passen zu einem modernen Frauenroman, sind wortreich, aber nicht überkandidelt, lustig und sprachschöpferisch, aber nicht kapriziös.
Die Figuren sind gekonnt gezeichnet, in sich stringent und überzeugen durch ihre menschlichen Schwächen. Die Protagonistin bietet einen hohen Identifikationsfaktor, ist chaotisch, sympathisch. Milde sieht man ihr teils boshafte Gedankengänge nach. Die Autorin hat wohl gute Chancen, an die letzten Erfolge ihrer Jugendbücher „Rubinrot“, „Saphierblau“ und „Smaragdgrün“ anzuknüpfen und auch mit diesem Roman auf die Bestsellerliste zu gelangen.
Am Rande, Seite 22