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Radolfzell Begeisterter Empfang für Olympiasieger Kristof Wilke

12.09.2012
Radolfzell -  Der Ruderclub Undine hat Olympiasieger Kristof Wilke einen würdigen Empfang bereitet. Der Schlagmann des Deutschlandachters hat seinen Heimatverein besucht – rührende Momente inklusive.

Geschenk vom Undine-Vorsitzenden Lutz Reichelt: Die Siegergeste von Olympiasieger Kristof Wilke (links) ziert jetzt ein T-Shirt, das bei den Undine-Mitgliedern reißenden Absatz fand.  Bild: Gerald Jarausch

Großer Bahnhof für den Olympiasieger: Zur Feier im Ruderclub Undine kamen viele Fans und Freunde.

Die Goldmedaille wird einer genauen Prüfung unterzogen.

OB Jörg Schmidt (2.v.r.) und Bürgermeister Peter Kessler (Mitte) aus Moos begrüßten das sportliche Aushängeschild der Region bei der Feier im Ruderclub UndineFoto:Gerald Jarausch  Bild: Bild:

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Da war zum Beispiel die Sache mit dem Erdbeerfeld voller reifer Früchte. Dem der junge Kristof Wilke nicht widerstehen konnte beim Joggen, wo er doch eigentlich Gewicht verlieren wollte. „Danach hat er zu mir gesagt: Jetzt weiß ich, dass ich kein Leichtgewicht bin.“ Diese nette Anekdote erzählt Klaus „Beaty“ Weber, Kristof Wilkes ehemaliger Trainer beim Ruderclub Undine über seinen Schützling. Wie aus dem eigentlich so schmächtigen Wilke der breitschultrige Schlagmann des goldenen Olympiaachters werden konnte, überraschte einige beim Ruderclub Undine. An den nebenbei verputzten Erdbeeren wird es nicht gelegen haben, eher an seinem Kopf. „Der will einfach gewinnen“, sagt Klaus Weber über Kristof Wilke und Wilke bestätigt diese Einschätzung. „Ich bin ein Wettkampftyp. Ich bin heiß auf die Rennen“, erzählt er in einer der wenigen ruhigen Minuten, die er am Montagabend beim Empfang zu seinen Ehren hat.

Etwa 300 Menschen sind gekommen, um den Olympiasieger in seiner Heimat zu begrüßen. Mit dem Achter wird er vorgefahren, darf den Steuermann machen, während acht Jugendliche der Undine ihn von der Mole an den Steg rudern. Louisa Müller, Lea Stocker und Ann-Kathrin Schäfle sitzen mit im Boot, haben natürlich auch beim Rennen am 1. August mitgefiebert. Wie Wilkes Qualitäten als Steuermann so sind? „Joooo“, kommt die langgezogene Antwort, „als Schlagmann ist er sicher besser“.

Aber es ist ein schönes Bild, wie Wilke mit Goldmedaille um den Hals aus dem Boot klettert, durch ein Spalier aus Rudern geht und den Jubelnden freundlich zuwinkt.

Wie bei Empfängen so üblich, gibt es viele Menschen, die zuerst viele warme Worte sagen wollen. Lutz Reichelt, Vorsitzender der Undine, macht das knackig, die Freude über den ersten Olympiasieger in der Vereinsgeschichte ist ihm anzumerken. Wilke sei ein Vorbild für die Jugend, der sich der Verein ja verschrieben hat. Radolfzells Oberbürgermeister Jörg Schmidt bedankt sich, dass durch die Leistungen des 27-Jährigen der Name Radolfzells und der Undine in die weite Welt getragen wurden. Und Peter Kessler, Bürgermeister von Wilkes Heimatgemeinde Moos, sagt, was alle Anwesenden spüren: „Wir alle sind ein bisschen stolz, dass einer von uns diesen Erfolg geschafft hat.“

Wilke selbst hat bis dahin noch nicht viel sagen können. Lacher gibt es bei der Vorstellung des T-Shirts, das extra für diesen Anlass produziert wurde: Der Ruderer in Usain-Bolt-Pose, wie er sie direkt nach dem Zieleinlauf gezeigt hat. „Dass ich es mit einer nachgemachten Pose noch so weit bringe“, wundert sich der Ruderer, als er endlich ans Mikro darf. Sein Dank gilt dem Verein, der ja in der Ruderwelt kein bekannter ist. „Umso schöner ist es für mich, für die Undine zu starten.“ Für seinen Trainer Klaus Weber gibt es Applaus, ihm ist die Rührung anzumerken, als er seinen ehemaligen Schützling umarmen darf.

„Das ist der Höhepunkt von vielen tollen Karrieren im Club“, berichtet Weber anschließend. Damals, mit 15, war auch bei Kristof Wilke noch nicht abzusehen, dass er einmal solche Erfolge erzielen würde. „Und auch in seiner Karriere ist nicht immer alles glatt gegangen“, sagt Klaus Weber. Dennoch steht Kristof Wilke nun hier, umringt von jungen Mädchen, die sich das T-Shirt signieren lassen. Er hustet ein wenig, eine kleine Erkältung hat sich festgesetzt, Nachwirkungen der vielen Siegesfeiern. Er hat viel zu erzählen, und er erzählt gerne. Wie er schon verärgert war, weil er dem Chef de Mission hinterherlaufen musste und nicht wusste warum – er sollte die Fahne tragen bei der Abschlussfeier. Wie viele tolle Menschen er getroffen hat im Athletendorf und dass Olympische Spiele süchtig machen. Das alles berichtet er, während er ein Tablett voller Häppchen balanciert – ein Sportler braucht Futter und zwar mehr als nur Erdbeeren. Handfest zahlt sich Wilkes Erfolg für die Undine übrigens auch noch aus: Radolfzells Ehrenbürger Werner Messmer hatte einen Scheck über 3000 Euro in der Jackentasche dabei. Das kommt vielleicht dem nächsten Ruder-Olympiasieger zugute.

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