Ein verhinderter Amoklauf eines 14-jährigen Schülers in Memmingen hat Schüler und Lehrer einer Grund- und Hauptschule der bayrischen Stadt und die Medienöffentlichkeit aufgeschreckt. Dass es an jeder Schule zu einem solchen Szenario kommen kann, ist seit Winnenden klar. Als Reaktion auf das Ereignis wurden die Radolfzeller Schulen mit einem Amokwarnsystem ausgestattet.
Es handelt sich um ein handybasiertes Amokwarnsystem, wie Bürgermeisterin Monika Laule erläutert. Die Lehrer haben ein Handy im Unterricht, über das man durch Knopfdruck das Rektorat alarmieren kann. Von dort gehe ein Alarmsignal an die Wach- und Schließgesellschaft, die über einen Rückruf bei der Stadtverwaltung klärt, ob es sich um einen Fehlalarm handelt. Sobald geklärt ist, dass dies ausgeschlossen ist, wird die Polizei informiert, die innerhalb von vier Minuten vor Ort ist. Das System hat 120 000 Euro gekostet.
Im Detail funktioniert das Warnsystem noch komplexer. So ist das Friedrick-Hecker-Gymnasium mit Krisentelefonen ausgestattet, deren Standort die Lehrer kennen, wie Direktor Franz Merklinger mitteilt. „Wir üben das Szenario bewusst nicht mit den Schülern, um keine Ideen in die Köpfe zu bringen.“ Amok-Prävention ist allerdings nicht allein eine technische Frage. „Die Zeugnisphase ist am kritischsten, da lassen manche die Köpfe hängen“, erläutert Merklinger. Man sei am FHG bemüht, Schüler mit kritischen Noten aufzufangen, die Lehrer seien besonders aufmerksam. Ein Krisenteam kümmert sich zudem um Schüler, die Sorgen haben. Die Fachschaft Religion greift Themen wie „Amok“ auf, allerdings zeitverzögert zu einem aktuellen Ereignis.
Ein offensives Thematisieren hält auch Herbert Tägtmeier, Rektor der Hausherrenschule, nicht für sinnvoll. Wohl aber setzt man an der Schule auf Prävention, die die auslösenden Faktoren betrifft: Gewalt- oder Mobbingfälle würden in der Schulsozialarbeit offen angesprochen. Die technische Sicherheit ist dennoch wichtig. Die Hausherrenschule war die Pilotschule, an der das Amokwarnsystem getestet wurde.
