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Radolfzell Atomkraft: Das Restrisiko steht vor der Haustür

Radolfzell – Rainer Baake sieht im Wählervotum die einzige Chance zur Wende in der Energiepolitik und hofft auf ein klares Zeichen bei der Landtagswahl am 27. März.
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Kommentar: Frühe Warnungen

Leibstadt liegt in einer Luftlinien-Entfernung von 50 bis 60 Kilometern zur Höri und Radolfzell. Kaum im Bewusstsein der Menschen ist, dass die deutsch-Schweizer Grenzregion zu den Gebieten mit einer der weltweit höchsten Dichte an Atomanlagen zählt.
Leibstadt liegt in einer Luftlinien-Entfernung von 50 bis 60 Kilometern zur Höri und Radolfzell. Kaum im Bewusstsein der Menschen ist, dass die deutsch-Schweizer Grenzregion zu den Gebieten mit einer der weltweit höchsten Dichte an Atomanlagen zählt. | Bild: Bild: DPA

Wie der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gestern in einem Telefonat mit dem SÜDKURIER sagte, ergibt sich aus den Stellungnahmen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und des Bundesumweltministers Norbert Röttgen zur Katastrophe von Fukushima einmal mehr der Widerspruch ihrer Politik. Es sei nicht möglich, einerseits eine offene Diskussion über die Nutzung von Kernenergie zu führen und andererseits an der Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke festzuhalten.

Laut Rainer Baake verlieren die Befürworter der Atomkraft durch das Unglück in Japan das letzte Argument zur Rechtfertigung ihrer Politik. Nach Tschernobyl vor 25 Jahren sei immer wieder gern auf die unterschiedliche Qualität von Atomkraftwerken hingewiesen worden, wonach schwere Störfälle in deutschen Anlagen wegen der hierzulande herrschenden Sicherheitsstandards praktisch ausgeschlossen seien. Bei der Katastrophe von Fukushima könne dies nun allerdings ebenso wenig wie Schlamperei ins Feld geführt werden. Japan sei ein hoch-technisiertes Industrieland mit den höchst vorstellbaren Sicherheitsvorkehrungen in Atomkraftwerken.

Auch ein Versagen der Technik in deutschen oder europäischen Atomkraftwerken könne deshalb jetzt niemand mehr ernsthaft ausschließen. Radolfzell und der westliche Bodensee befinden sich in der Nähe mehrerer Schweizer Anlagen. Am bekanntesten ist das Atomkraftwerk Leibstadt bei Waldshut-Tiengen/Hochrhein, in nur wenigen Kilometern Entfernung dazu befinden sich ferner die Atomkraftwerke Beznau I und II sowie das Atomkraftwerk Gösgen. Ebenfalls für Diskussionen sorgt die geplante Entsorgungsanlage für Atommüll in Benken bei Schaffhausen. Das deutsch-schweizer Grenzgebiet gilt als Region mit einer der weltweit höchsten Dichte von Atomanlagen.

Die DUH und insbesondere Rainer Baake haben immer wieder auf die Gefahren der Kernkraft und die Probleme der Entsorgung des Atommülls hingewiesen. Zur Landtagswahl hat die bundesweit aktive Organisation sämtliche Kandidaten angeschrieben und um ihre Position zur Atomenergie beziehungsweise des Ausbaus erneuerbaren Energien gebeten. Die Antworten sind unter www.duh.de zu finden.

In einer Pressemitteilung der DUH heißt es ferner, dass sich mit der Katastrophe von Fukushima die von „der Atomwirtschaft und ihren Helfershelfern in der Politik gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, deutsche Atomkraftwerke seien sicher und ein schwerer Unfall ausgeschlossen, als das entlarvt, was es immer schon war: pure Ideologie“. Zugleich bekundet die DUH ihre Anteilnahme für die Opfer der „Zehntausenden, die in der Umgebung der Atomkraftwerke aus ihren Häusern fliehen mussten und nicht wissen, wann und ob sie jemals in sie zurückkehren können“.

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