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Radolfzell 350 Artisten, Jongleure und Akrobaten treffen sich bei "Drop am See"

"Drop am See" auf der Mettnau zog am Wochenende Hunderte Teilnehmer an. Das Festival feiert dieses Jahr das zehnjährige Bestehen. Mit Bildern!

Lieber klein und fein als zu groß und unübersichtlich. Vor fünf Jahren platzte die Radolfzeller Jongelage-Convention aus allen Nähten. Fast 500 Akrobaten und Jongleure kamen 2012 zum beliebten Festival der Artisten auf die Mettnau. Der Veranstalter "Drop am See" sah sich im Folgejahr genötigt auf das Gelände der Universität Konstanz auszuweichen.

Sein zehnjähriges Festival-Bestehen feierte es nun an seinem angestammten Platz am Turnerheim und mit einer neu entwickelten Konzeption: Deutlich mehr Helfer für eine begrenzte Zahl an Teilnehmern. Vier Tage lang trafen sich 350 Artisten, Jongleure und Akrobaten am Ufer des Markelfinger Winkels. Der größte Teil der Gäste wohnte ihn Zelten und Wohnwägen. Neu hinzu kam der Trainingsplatz vom Fußballclub Radolfzell. Unter Flutlicht konnten die Jongleure bis tief in die Nacht trainieren, Erfahrungen austauschen sowie neue Tricks und Attraktionen in dutzenden Workshops einüben.

Zum Jonglieren sind alle Dinge geeignet, die man in die Luft schmeißen und wieder auffangen kann. Die Teilnehmer kommen mit Bällen, Ringen und Teufelsstäben sowie auf Stelzen und Einrädern. In der Nacht zum Sonntag unterhielten sich die Jongleure bei einer Feuer-Show aus brennenden Hula-Hoop-Reifen und fackelnden Kegeln.

Am Freitagabend feierten sie das Festival mit einem Galaabend der Artisten im völlig ausgebuchten Radolfzeller Milchwerk. Das Festival zieht Kinderzirkusse ebenso an wie Senioren im fortgeschrittenen Alter – nicht nur als Zuschauer, sondern als aktive Teilnehmer der Workshops.

Gerade unter Jugendlichen erleben Günter Merkel und Norbert Holbauer besonderen Respekt. Zusammen sind sie 144 Jahre alt. Beide waren zwar Lehrer für den Sport, doch mit der Jongelage und Akrobatik begannen sie erst im fortgeschrittenen 50. Lebensjahr auf dem Einrad – mit dem Nebeneffekt, dass sie sich immer mehr zutrauten. Vom Akrobatik-Fieber angesteckt gründeten sie Zirkussport-Gemeinschaften in ihren Schulen zu einer Zeit, in der Gaukler unter dem Stigma eines fahrenden Volkes litten: Wer aus dem Handgelenk Bälle werfen könne, der klaut mit derselben Handbewegung, erinnert sich Günter Merkel an die Vorurteile Mitte der 1990er-Jahre.

Doch der Zirkussportler genoss besonderes Ansehen. Er war stellvertretender Rektor in einer Singener Schule sowie Rektor in Stockach. Er konnte die kritische Bürgerschaft bis zur Begeisterung animieren. Plötzlich füllten sich die Logen mit Menschen, die vorher ihre Nasen rümpften. Jedes städtische Fest benötigte plötzlich die Akrobaten als Showeinlage – der Siegeszug des Zirkus war geebnet und konnte sich in der Region als Trendsportart ausbreiten.

Norbert Holbauer und Günter Merkel kennen das Nagen der Zeit am eigenen Leib. Und beide kennen auch den Nutzen einer abgespeckten Form des Zirkussports für therapeutische Zwecke, die die Feinmotorik, doch vor allem den Lebensmut aktivieren kann. Die Senioren sind sich einig: "Jongelage kann man im jedem Alter beginnen." Kleine Übungen entwickelten sich durch den Spaß automatisch weiter.

Ihre Darbietungen als Gaukler-Musikanten sind vorsichtiger geworden. Sie machen Jongelagen und Äquilibristik. Die Akrobatik ersetzten sie mit viel Clownerie. Wenn früher das Fallenlassen eines Wurfgegenstandes als Perfektionsfehler angesehen wurde, so wird genau dieser Fehler im Programm als Clownerie umgesetzt und bringt die Menschen zum Lachen.

Hanna Riedel und Tamara Arendt sind aus den Gala-Abenden der Convention bekannt. In fünf bis sieben Meter Höhe hängen sie kopfüber im Vertikaltuch eingewickelt und lassen sich plötzlich in Atem raubender Geschwindigkeit von der Decke fallen. "Es ist die Begeisterung in der Luft zu sein und eine weite Sicht zu haben. Am besten unter freiem Himmel", schwärmt Tamara Arendt. Sie unterrichtet an der Universität Konstanz Akrobaten am Vertikaltuch und hat Schüler, die mit einer Höhenangst zum Training kämen.

Viele Figuren könnten jedoch am Boden in einem Meter Höhe entwickelt werden. Von dort aus arbeiten sich die Schüler langsam nach oben und überwinden ihre Angst. "Die Akrobatik am Vertikaltuch sieht immer schwierig aus. Doch man habe sehr schnell kleine Erfolge", ermuntert Tamara Arendt: "Das motiviert zum Weitermachen." Auch wenn man am Anfang nicht am Tuch hochklettern könnte, so könne man im unteren Bereich bereits eigene Figuren entwickeln.

Die Veranstalter

Der Verein "Drop am See" ging aus dem TV Radolfzell hervor und vereinigt Radolfzeller und Konstanzer Jongleure. Der Name des Vereins ist selbstironisch gemeint. Übersetzt heißt "drop" so viel wie fallen lassen und ist beim Jonglieren ein Fehler. Der Verein veranstaltet zum zehnten Mal die Jonglier-Convention. Wöchentlich treffen sich die Mitglieder am Freitag um 18 Uhr in der Radolfzeller Willi-Stadel-Halle oder am Donnerstag um 20 Uhr in der Sporthalle des Humbold Gymnasiums in Konstanz. (gla)

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