Öhningen Tauziehen um beste Nutzung für das Chorherrenstift

Bei der Diskussion über die künftige Nutzung des Chorherrenstifts entspann sich im Gemeinderat Öhningen eine Debatte über ästhetische Aspekte einer Brandschutztreppe, neue Grabungsuntersuchungen und Annahmen über die Vorstellungen eventueller Gastronomen.

Historische Strukturen am Gebäude des ehemaligen Öhninger Augustiner-Chorherrenstiftes lassen sich anscheinend mit den Brandschutzbestimmungen für die zukünftige Nutzung nicht für alle Ratsmitglieder optimal in Einklang zu bringen. Das wurde auf der jüngsten Gemeinderatssitzung sehr deutlich. "Wenn ich mir vorstelle, dass vor einem Kirchenfenster und von innen sichtbar eine Rettungstreppe verlaufen soll, dann weiß ich auch, dass diese Treppe Einfluss auf den Kirchenraum nehmen wird", kritisierte Andrea Dix (Netzwerk). Mit dieser unter Umständen lebensrettenden Maßnahme des Brandschutzes konnte Pfarrer Stefan Hutterer aber leben. Einen negativen Einfluss der Rettungstreppe auf das Kirchenschiff sah er nicht. "Vor fünf bis sechs Jahren stand ich dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Kirche und Gastronomie in einem Gebäudekomplex hielt ich für schwierig", schilderte Hutterer und fuhr fort: "Heute kann ich sagen, ich freue mich über diese Planung und empfinde dieses Zusammenspiel als echte Bereicherung."

Hutterer war extra zu dieser Sitzung eingeladen worden, wie Bürgermeister Andreas Schmid berichtete. Man wolle hier eine größtmögliche Zusammenarbeit und eine für alle Beteiligten tragbare Lösung erreichen. Das gehe, so Schmid, ohne den Kirchenvertreter Hutterer einfach nicht. Denn auch wenn man in die Bauphase eintreten werde, sei man auf ein gutes Miteinander angewiesen.

Für eine weitere Diskussion sorgten neuere Grabungsuntersuchungen. Die Gründungsmauern des Gebäudes seien so stark, dass man unterhalb des Bernhard-Saales ein irgendwann zugeschüttetes Kellergewölbe vermutet, schilderte der inzwischen pensionierte Landeskonservator Franz Meckes, der fast von Beginn an dieses Projekt wissenschaftlich begleitet. Aber die genauen Untersuchungen könne man erst dann vornehmen, wenn für das nun anstehende Baugesuch ein positiver Bescheid vorliege. "Wir planen hier mit Kellerräumlichkeiten, die es vielleicht tatsächlich nie gegeben hat", entgegnete Andrea Dix. Für sie sei es ein Eingriff in die Historie dieses im Bodenseeraum einmaligen Gebäudes. Franz Meckes entgegnete: "Es macht keinen Sinn, so starke Gründungsmauern zu bauen, wenn man da nicht im Inneren einen Keller gebaut hat." Darüber sei man sich auch mit dem Landesdenkmalamt einig.

Andrea Dix hatte dennoch ihre Zweifel: "Ich habe mit dem Raumkonzept immer noch ein Problem. Wir planen hier und haben ja noch nicht einmal einen Betreiber." Ihre Überlegung war, ob ein zukünftiger Gastronom tatsächlich solche Eingriffe in das Gebäude brauche. Vielleicht seien seine Ansprüche ganz andere oder eventuell viel geringer als jetzt vom Entwicklungsbüro, dem Landesdenkmalamt und der Baurechtsbehörde geplant.

Individuelle Anforderungen eines Betreibers des Gastronomiebetriebes könne man immer noch anpassen, schilderte Bürgermeister Schmid. Jetzt gehe es zunächst einmal darum, für die nun vorgelegten Pläne ein Baugesuch zu erarbeiten und einzureichen. Dem stimmte der Gemeinderat mit einer Gegenstimme mehrheitlich zu. Nach einem positiven Bescheid werde man so schnell wie möglich mit geeigneten Betreibern das Gespräch suchen, um auch deren Belange in die Baumaßnahmen einzubinden, versprach Schmid. Es bleibt weiterhin spannend. Aber wie kommentiert Franz Meckes zutreffend: "Das Augustiner-Chorherrenstift ist ein schlafender Riese."

Finanzieller Kraftakt

Seit mehr als sieben Jahren untersucht man das Augustiner-Chorherrenstift in Öhningen und plant eine neue Nutzung. Der geschätzte Finanzaufwand mit rund 4 bis 4,5 Millionen Euro macht deutlich: der Umbau ist die größte Einzelmaßnahme der Gemeinde. 50 Prozent der Kosten werden aus verschiedenen Töpfen des Landes gefördert. Die Förderung ist zeitlich begrenzt bis zum Jahr 2020. Die verbleibenden 2 bis 2,25 Millionen Euro sind Sache des Gemeindehaushaltes. Mit dieser für den Gemeindehaushalt großen Summe wollen die Gemeinderäte und die Verwaltung verantwortungsvoll umgehen und gleichzeitig den historischen Hintergrund erhalten. (mij)

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