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Öhningen Öhningen grübelt über neue Bauernhof-Kita nach

Neue Betreiber wollen in den kommunalen Bedarfsplan aufgenommen werden. Aber die Ortspolitiker fürchten ein Überangebot.

Der Gemeinderat Öhningen will den neuen Bauernhof-Kindergarten noch nicht in den Kindergarten-Bedarfsplan aufnehmen. Aber er hält ihm den Weg dahin offen. Dies beschloss das Gremium in seiner jüngsten Sitzung. Die Politiker wollen ein Überangebot vermeiden und nun erst einmal beobachten, wie es mit Zuzügen durch Neubaugebiete und mit Zuzügen von Asylbewerbern weitergeht.

Per Gesetz muss jede Kommune einen sogenannten Kindergartenbedarfsplan erstellen. In diesen wollen auch die Betreiber des geplanten Bauhernhof-Kindergartens aufgenommen werden. Im Juli hatte der Gemeinderat die Entscheidung vertagt, um noch offene Fragen zu klären. Es ging dabei zum einen um die Kalkulation, die nach Meinung einiger Räte zu knapp bemessen war und keinen Puffer für steigende Kosten enthalte, und zum anderen um das Risiko für die Landwirte im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht. In einem Schreiben an den Gemeinderat hatte die Bauernhofpädagogin Marion Häberle, die zusammen mit ihrem Ehemann Christoph den Bauernhof-Kindergarten als Betriebsleiterehepaar betreiben möchte, zu diesen offenen Fragen nun Stellung genommen. Nach Ansicht der Verwaltung ist die Aufnahme in den Bedarfsplan von den Auslastungszahlen her nicht notwendig, führte Bürgermeister Andreas Schmid aus. Öhningen biete in der Kinderbetreuung bereits ein breites Spektrum an, bei dem in allen drei Ortsteilen ein Kindergarten vorhanden ist. Im Kindergarten Öhningen seien von 45 Plätzen zurzeit nur 34 belegt, die in den nächsten Wochen noch belegt werden. Wenn aber zum Ende des Kindergartenjahres im August 2016 Kinder in die Schule wechseln, ergäben sich in allen drei Ortsteilen wieder genügend freie Plätze. Ein zusätzlicher Bedarf an Kindergartenplätzen ergäbe sich nach Auffassung der Verwaltung somit zurzeit nicht. Absehbar sei aber noch nicht, welche Auswirkungen die Erschließung neuer Baugebiete und die Zuwanderung von Flüchtlingen haben werde, so Schmid.

Die Aufnahme des Bauernhof-Kindergartens in den Bedarfsplan hätte ein Überangebot an Betreuungsplätzen zur Folge. Wenn man in den Kitas also keine Kapazitäten abbaute, führte dies dazu, dass der Zuschussbedarf der Gemeinde für die Kinderbetreuung um mehr als 50.000 Euro pro Jahr stiege. Trotzdem fand Schmid das Angebot eines Bauernhof-Kindergartens reizvoll. Gerhard Wiedenbach (CDU) fragte: „Wollen wir zur Finanzierung eines Kindergartens, den wir vom Bedarf her nicht brauchen, die Gewerbe- und die Grundsteuer erhöhen?“ Stefan Singer vom Netzwerk entgegnete: „Wir sollten aufhören, in diesem Fall das Geld als Kosten zu betrachten. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Geld für ein interessantes Kindergartenangebot ist eine Investition in unsere Zukunft.“ Bruno Schnur (CDU) meinte: „Wenn nach Aussage der Betreiber schon Absichtserklärungen von Eltern aus Gaienhofen vorliegen, sollte man bedenken, dass in Gaienhofen gerade für mehrere Millionen Euro ein neuer Kindergarten gebaut worden ist. Es kann doch nicht sein, dass wir der Nachbargemeinde nun die Kinder wegnehmen.“ Alexander Dietrich vom Offenen Bürgerforum gab zu bedenken: „Für einen Unternehmer ist es schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Mitarbeiter schauen in zunehmendem Maße auf die Infrastruktur, die ihr Wohnort, zu bieten hat. Eine Vielfalt an Kita-Angeboten ist für Unternehmer wichtig.“

Horst Bilger (Freie Bürgerliste) brachte dann den Vorschlag ein, der – ergänzt von Stefan Singer – nun nach einstimmigem Beschluss umgesetzt werden soll: Es wird ein weiteres Gespräch mit dem Betreiberehepaar Häberle vom Linsenbühlhof geben, um über Konzeption und Finanzbedarf zu reden. Der Gemeinderat will dann einen Zuschuss als Anschubfinanzierung gewähren. Die Entscheidung über die Aufnahme in den Kindergarten-Bedarfsplan soll dann von den weiteren Entwicklungen in puncto Zuzüge in die Gemeinde abhängig gemacht werden.


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