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Öhningen Jüdischer Friedhof: Letzte Ruhe unter Gestrüpp

Der jüdische Friedhof in Wangen ist von Pflanzen zugewuchert. Zuständig für die Pflege ist die Gemeinde.

Frisch abgeknickte Pflanzen, herunter getretenes Gestrüpp: Ein unbekannter Besucher hat sich den Weg auf den jüdischen Friedhof in Wangen frei gekämpft. Das Durchkommen ist tatsächlich schwierig: Der Friedhof ist zugewuchert, die Pflanzenwelt kann sich ungestört ausbreiten. Die flachen Grabsteine der Kindergräber am Eingang sind gar nicht mehr zu sehen, zwischen den hohen Grabsteinen schießen die Pflanzen in den Himmel.

Der schlechte Zustand des Friedhofs ist auch dem Wangener Gert Wolf schon aufgefallen. Er besucht alle regelmäßig die Gräber seiner Vorfahren und sorgt dafür, dass diese in gutem Zustand sind. Zuständig für die Pflege des Friedhofgeländes ist die Gemeinde Öhningen. „Wir werden bald wieder eine Pflegeaktion durchführen, das ist schon mit dem Regierungspräsidium abgeklärt“, sagt Bürgermeister Andreas Schmid auf Nachfrage des SÜDKURIER. Auch Bodenseeguide Helmut Fidler, der monatlich Wanderungen zum jüdischen Friedhof anbietet, habe ihn bereits auf die Situation aufmerksam gemacht. Die Pflege der jüdischen Ruhestätten werde vom Land bezuschusst, erklärt Schmid – deswegen die Absprache mit dem Regierungspräsidium. Gert Wolf erinnert sich noch an eine andere Übereinkunft: Beim Kauf des Synagogengrundstücks, dem heutigen Zeltplatz, habe die Gemeinde in den 50er Jahren zugesichert, den Friedhof zu pflegen. Damals war Wangen noch eigenständig.

Nun ist der Öhninger Bauhof für die größeren Aufgaben beim Erhalt des Friedhofs zuständig. Für kleine Pflegemaßnahmen hatten sich in der Vergangenheit immer wieder Schulkassen gefunden, von der Öhninger Hauptschule aber auch aus der weiteren Umgebung. 2006 haben zum Beispiel Schüler des Nellenburg-Gymnasiums in Stockach nach einem Frühlingssturm gemeinsam mit Mitarbeitern des Bauhofes den Friedhof von den Schäden befreiten. In Öhningen gibt es nun keine weiterführende Schule mehr, andere Klassen hätten sich nicht gefunden, bedauert Andreas Schmid. Wenn Schüler an solch einem Einsatz Interesse haben, ist das Engagement gerne gesehen, betont der Bürgermeister.

Bevor es in Wangen einen eigenen Friedhof gab, bestatteten die jüdischen Bewohner Wangens ihre Toten auf dem jüdischen Friedhof in Gailingen. 1827 wurde dann der Friedhof weit außerhalb des Dorfes angelegt, in den 70ern fand dort die letzte Beerdigung statt. Auch heute noch ist die Ruhestätte schwer zu finden, Hinweisschilder gibt es keine. Das sei auch Absicht, erklärt Andreas Schmid. In der Vergangenheit wurde der Friedhof einige Male das Ziel von Vandalismus.


Das jüdische Erbe Wangens

Der Historiker Helmut Fidler bietet immer am ersten Mittwoch des Monats von April bis Oktober eine Führung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Wangen an. Die Wanderung führt durch das von jüdischen Wohnhäusern geprägte Unterdorf in den Jacob Picard Gedenkraum im ehemaligen Rathaus und hinauf zum jüdischen Friedhof. Anmeldung und Informationen unter Tel. 07735/8 19 20 bei der Tourist-Info Öhningen. Nächster Termin ist Mittwoch, 4. September, 15 Uhr.

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