Öhningen Erfolg auf Anhieb: Bei den Höri-Musiktagen sind alle klassischen Konzerte im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift ausverkauft

Hunderte Besucher kamen zu den Konzerten der Höri-Musiktagen, bei denen Musikstudenten aus europäischen Hochschulen auftraten. Am Rande der Konzerte fand eine Podiumsdiskussion über die zukünftige Nutzung des Chorherrenstifts statt.

Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Zum ersten Mal in seinem Ordinariat erlebt Pfarrer Stefan Hutterer ein mehrtägiges Konzert-Ereignis, das hunderte Besucher nach Öhningen ins ehemalige Augustiner-Kloster und in die Stiftskirche führte. Die Räume bildeten vier Tage lang eine Plattform für hochkarätige Konzerte. Das Festivalorchester bestand aus Musikstudenten europäischer Hochschulen. Die Höri-Musiktage können als eine Art Initialzündung für die Nutzung des ehemaligen Klosterareals begriffen werden. In einem Podiumsgespräch erörterten Vertreter von Land, Kirche, Kommune, Kultur und Denkmalschutz potentielle Möglichkeiten für die Nutzung des Stiftes.

Hilde von Massow lebt seit 18 Jahren auf der Höri und ist die Leiterin der Höri-Musiktage. Oft führt ihr Weg am Kloster vorbei. Das Stift habe für sie einen enigmatischen Charakter: "Was verbirgt sich hinter den Mauern?", fragt sie. Bei einer Führung hatte sie eine Idee: Musik sei wie Wasser in ihrem Leben. Dieses wolle sie über die Räume des Chorherrenstiftes ausschütten. Mit Erfolg, denn sämtliche Konzerte der Höri-Musiktage waren ausverkauft. Ihr scheint, dass die Veranstaltungsreihe ein kulturelles Vakuum auf der Höri ausgefüllt habe. Der Erfolg zeige, dass es ein Bedürfnis gebe, aus den Räumen des Klosters etwas zu machen.

Im Konventsaal trafen sich Bürger und Kulturinteressierte zur Podiumsdiskussion um die Zukunft des Augustinerstiftes.
Im Konventsaal trafen sich Bürger und Kulturinteressierte zur Podiumsdiskussion um die Zukunft des Augustinerstiftes.

Die Podiumsgäste sitzen nicht zum ersten Mal zusammen. Thomas Steier ist der Konstanzer Leiter für das Vermögen und die Gebäude des Landes Baden-Württemberg. Während der Diskussion tritt er als Eigentümervertreter der zwischen Land und Kirche umstrittenen Immobilie auf. In Immobilien des Landes würden in erster Linie Behörden untergebracht, so Steier. Öhningen sei jedoch kein typischer Behördenstandort. Ein Verkauf oder die Vermietung der Immobilie wäre denkbar. Der Gedanke, eine Akademie des Landes darin unterzubringen sei keine Verwaltungsentscheidung, sondern eine politische, so der Vermögensleiter.

Wolfgang Kramer, Archivar des Landkreises, befürchtet, eine Akademie würde die Öffentlichkeit außen vor lassen. Ihm schwebt ein ländliches Kulturzentrum vor. Der ehemalige Landeskonservator Michael Goer vermisst eine gemeinsame Marschrichtung von Kirche und Kommune und eine Entscheidung, ob eine Akademie oder eine multikulturelle Nutzung aus verschiedenen Bausteinen vorgesehen sei.

Für Pfarrer Stefan Hutter ist das Stift eine Heimat für die Kirchengemeinde, die ihre Versammlungsräume benötigt. Es zeichne sich jedoch ab, dass man mit den Vertretern des Landes, der Erzdiözese Freiburg und der politischen Gemeinde eine Lösung finde. Für Bürgermeister Andreas Schmidt sind die Nutzungsrechte der Pfarrei unantastbar. Ihm schwebt vor, dass Räume gemeinsam, kirchlich und multifunktional genutzt werden. Eine erste bauliche Kooperation habe sich aus dem Umbau eines Treppenhauses und dem Einbau eines behindertengerechten Aufzugs ergeben.

 

Unklare Verhältnisse

Am ehemaligen Augustiner Chorherrenstift zerren gleich mehrere Institutionen. Es ist unklar, ob das Stift dem Land Baden-Württemberg oder der katholischen Kirche gehört. Das Klosterareal wurde während der Säkularisierung dem Markgrafen von Baden als Wiedergutmachung für linksrheinische Gebiete zugesprochen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Grundbücher eingeführt, die die Eigentumsrechte festschrieben. Die Gemeinde Alt-Öhningen kaufte vom Markgrafen das Probstei-Gebäude für eine Unterbringung der Schule und des Rathauses.

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