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Moos Schwäbischer Störenfried

10.11.2008
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Der Kabarettist Jörg Beirer überzeugte das Publikum in der Bankholzener Torkel mit Musik und Sprachverwirrung.

Schwaben. Schwaben? Für Südbadener, die als Seebewohner mit alemannischer Sprachprägung weitab der württembergischen Herrschaftszone leben, ist das eine Volksgruppe, die sich getrost ignorieren lässt. Zumindest im Winter, denn dann sind keine Gäste, sondern nur die bereits erfolgreich assimilierten Schwaben am See – und alles, was weiter entfernt ist als die eigene Hand vor Augen, hüllt sich in sanften und gnädigen Nebel. Mitten in diese kühle Novemberidylle kommt nun dieser schwäbische Störenfried, Jörg Beirer, in die Bankholzener Torkel. Und will singen. „Schwobegsang“ soll es sein, so heißt sein kabarettistisches Programm. Aber sei's drum, das kann die Hörianer nicht aus der Ruhe bringen. Zumal sich dieser Schwabe durchaus Mühe gibt, sich beliebt zu machen. Zu Beginn versucht er's mit Bestechung: Für jede richtige Antwort gibt's ein Duplo (er war mal Lehrer, verrät er später). Später greift er dann auf seine musikalischen Fähigkeiten zurück, um die Alemannen zu überzeugen. Das erweist sich als gelungener Schachzug. Denn auch Alemannen können schwäbische Lieder singen, zumindest mitsingen, wenn auch nicht so schnell. Bei „Auf der schwäbschen Eisenbahne“ beteiligen sich alle – nur ein echter Schwob ist es, der aus dem Chor ausschert. Rainer Allgaier aus Horn (gebürtig aus Württemberg) weiß es besser und weist darauf hin, dass Durlesbach geographisch vor Meckenbeuren liegt. Somit vermittle das Lied dem Reim zuliebe Falschinformationen beispielsweise an den Alemannen, der sich im Schwabenland nicht auskennt.

Jörg Beirer trägt die Aufmüpfigkeit seines Stammesgenossen mit Fassung und unterhält die Anwesenden noch eine Weile mit schwäbischen Sprachbesonderheiten. Zum Beispiel dem „beschreibenden Gegensatzpaar“, das er an wenigen Aussprüchen schwäbischer Ehefrauen illustriert: „Kumm, mir ganget“ etwa oder die korrekte Übersetzung für „Nur net hudle“: „Ma ka it schnell gnueg langsam tue“.

Auf die Hintergründe der Sprache, der Kommunikation aufmerksam machen, das will Jörg Beirer und das gelingt ihm: Die Bankholzener Torkel lacht von Herzen und verlangt zwei Zugaben. Und die Mentalitätsunterschiede zwischen Schwaben und Alemannen erstaunen auch die assimilierten Seeschwaben immer wieder: „Als ich hergezogen bin, war ich baff erstaunt, dass ich mich als Schwäbin outen musste“, erzählt Birgit Allgaier. Aber vom See wegziehen will sie auf keinen Fall mehr. Versteht sich von selbst.

Claudia Wagner

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