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Kultur See

Spreu vom Weizen

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Die Lyriktage in Frauenfeld, die in diesem Jahr heuer zum zehnten Mal durchgeführt werden (18. bis 19. September), sind kleiner und etwas weniger laut als andere etablierte Veranstaltungen der Schweizer Literaturszene. Das ist kein Nachteil und vor allem kein Qualitätskriterium. Der diesjährige Gastkurator Raoul Schrott hat als seine Gäste sechs Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen: Zsuzsanna Gahse (Schweiz), Ulrike Almut Sandig (Deutschland), Arno Camenisch (Schweiz), Michael Donhauser (Österreich), Iain Galbraith (Schottland/Deutschland) und Michael Krüger (Deutschland).

Der im weiten Wortsinn unorthodoxe Mensch, Autor und Denker Schrott hat das bewährte Konzept der Frauenfelder Lyriktage – Lesungen der Autorinnen und Autoren, Workshops und Werkstattgespräche in den Schulen und Podiumsdiskussion – übernommen, ihm aber auch etwas Neues hinzugefügt. Unter dem Titel „Spreu vom Weizen“ findet die Podiumsdiskussion mit allen Autoren statt: Welcher Weizen gedeiht wo? Mit welchem Flegel lässt sich die Spreu vom Weizen trennen? Ist die Spreu bloss wertlos? Später dann, wiederum unter der Moderation des Gastkurators, werden sich Arno Camenisch und Iain Galbraith darüber unterhalten, ob die schottische und die rätoromanische Lyrik als Lyrik einer Sprachminderheit von einem ähnlichen Fundus zehren, ob sie vom Rand her zur Mitte hin schreiben oder ob sie selbst die Mitte sind.

 

Als Geschenk zum 10-Jahr-Jubiläum der Lyriktage haben alle eingeladenen Lyrikerinnen und Lyriker eine ihnen entsprechende Neufassung des berühmt gewordenen Gedichtes von Peider Lansel „Tamangur“ geschrieben, das sie auch vortragen werden. Der höchstgelegene Arvenwald bei S-Charl im Engadin, der diesen Namen trägt, ist in Lansels Gedicht Sinnbild für Hartnäckigkeit, Stärke und Überlebenswille; „Tamangur“ ist nämlich die Metapher für die bedrängte romanische Sprache. Zum Abschluss der beiden Tage wird Linard Bardill, das von ihm vertonte Gedicht sowie weitere Lieder vortragen.

Die Lyriktage beginnen am Freitag, 18. September nachmittags mit Workshops an Schulen. Am Abend (20 Uhr) eröffnet Schrott im Eisenwerk die Veranstaltung, daran schließen sich die Lesungen der sechs Autorinnen und Autoren an. Am Samstag, 19. September, gibt es die erwähnte Podiumsdiskussion (16.00–17.30 Uhr), daran schließt sich das Gespräch mit Camenisch und Galbraith zur rätoromanischen und schottischen Lyrik an (19.30 Uhr), bevor der Sänger und Autor Bardill (20.30 Uhr) den Schlußpunkt setzt.

Wegbereiter des guten Rufes der Lyriktage waren in früheren Jahren die Kuratoren Beat Brechbühl und Jochen Kelter (1991–2003), Klaus Merz (2005) und Markus Bundi (2007). Sie alle haben wichtige Stimmen zeitgenössischer Lyrik nach Frauenfeld geladen und sie in spannenden Lesungen und Gesprächen vorgestellt. (sk)

10. Frauenfelder Lyriktage: Freitag/Samstag 18./19. September, Eisenwerk Frauenfeld. Informationen gibt die Kulturstiftung des Kantons Thurgau, Industriestrasse 23, 8500 Frauenfeld

Tel. 0041-52-728 8910 oder über E-Mail: info@kulturstiftung.ch.

Weitere Informationen:

www.kulturstiftung.ch

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