Kaum ist die Festivalsaison vorbei, geht es in den Clubs weiter. Zum Beispiel im Konstanzer Kulturladen mit einem bemerkenswerten Herbstprogramm
Mit Veranstaltern ist das so eine Sache. Wann immer man mit ihnen spricht vor dem Beginn einer Spielzeit oder einer Saison, in der Regel bekommt man zunächst mal dieselbe Antwort: Jene, die besagt, dass das aktuelle Programm natürlich „das Beste ist, das wir je gemacht haben“. Ist ja klar. Was sollen sie auch sagen. Sie müssen auf sich aufmerksam machen und da trägt man erstmal gerne ein bisschen dicker auf. Das ist auch bei den Programmmachern des Konstanzer Kulturladen so. Seit rund zweieinhalb Jahren sind Alan Covic und Roman Kliche zuständig für das Programm des Liveclubs im Arbeiterviertel Fürstenberg. Doch anders als mancher Kollege, machen die beiden Herren nicht nur große Worte, sondern bringen in schöner Regelmäßigkeit bekannte Namen ebenso nach Konstanz wie hoffnungsvolle Nachwuchsmusiker.
Das ist seit Jahren das Erfolgsrezept des Konstanzer Clubs und das zeigt sich auch im diesjährigen Herbstprogramm des Kula, wie Freunde diesen Ort liebevoll nennen. Gäste sind dann unter anderem die amerikanisch-mexikanischen Rocker von Tito & Tarantula. Ihren Ruhm verdanken sie vor allem Quentin Tarantino. Der Filmregisseur ließ die Band in seinem Werk „From dusk till dawn“ mitspielen. Seither ist die vierköpfige Band untrennbar mit Tarantino verbunden. Wer den Film kennt, weiß aber auch, dass ein guter Teil des Erfolgs des Songs „After dark“ auch den verführerischen Tanzbewegungen der atemberaubenden Salma Hayek geschuldet ist. Hayek selbst wird nicht dabei sein, wenn die Band am 12. September (der ursprüngliche Termin am 7. September musste verschoben werden) die Bühne des Kula betritt. Wer auf klassischen Rock mit Blues-Anleihen steht, der sollte sich diesen Termin trotzdem im Kalender anstreichen.
Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres werden am 29. Oktober die britischen Folkrocker Young Rebel Set nach Konstanz kommen. Nach ihrem eher zurückhaltenden Auftritt beim diesjährigen „Rock am See“ darf man gespannt sein, wie sich die Musiker in einem kleinen Club schlagen, wenn sie die Hauptband sind. Die Combo aus dem englischen Stockton-on-Tees hat bereits großartige Songs geschrieben und gibt sich musikalisch vielseitig von Country, Folk bis Rock. In Deutschland veröffentlichen die Jungs um Sänger Matty Chipchase im Grand Hotel van Cleef-Label von Tomte-Sänger Thees Ullmann. Allein dies mag inzwischen durchaus als Qualitätssiegel dienen.
Auch die schwedischen Indierocker von Friska Viljor sind nicht zum ersten Mal zu Gast im Kulturladen. Am 16. September bringt die Band mit den melancholischen Texten ihr neues Album „The beginning of the beginning of the end“ mit an den Bodensee. In die Kategorie „Immer-wieder-gern-gesehene-Gäste“ gehören ebenfalls die Auftritte von Peter Licht, den 17 Hippies (2. November), Shantel (4. Dezember) und Russkaja (26. Oktober). Der öffentlichkeitsscheue Peter Licht präsentiert sein neues Album „Das Ende der Beschwerde“ und wird sicher auch seine Klassiker „Sonnendeck“ und „Das Ende vom Kapitalismus“ im Gepäck haben. Vor allem letzterer Song erfreut sich in diesen Tagen großer Aktualität. Denn, wie heißt es so schön in dem Song: „Der Kapitalismus, der alte Schlawiner/Is uns lang genug auf der Tasche gelegen/Vorbei vorhorbei vorbei vorbei/Jetzt isser endlich vorbei“. Mal sehen, wie viel Realität aus der Prognose bei Lichts Auftritt am 4. November geworden ist.
Zu den bewährten Kräften gesellen sich talentierte Nachwuchsmusiker. Zum Beispiel die spanische Singer/Songwriterin Annie B. Sweet (27. September), die kanadische Bluessängerin Layla Zoe (17. November), die in ihrer Heimat schon mit Janis Joplin verglichen wird, die Avantgarde-Rocker von De Staat aus den Niederlanden und Rap und Hip Hop mit Raf Camora (25. November), Silla (4. Oktober) und Kollegah (22. Oktober). Insgesamt ein rundes Programm, das ein breites Spektrum zeitgenössischer Pop- und Rockmusik abbildet. Bemerkenswert.