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Kultur See Historie zwischen Fiktion und Wahrheit

14.11.2011


Bei der Historica, der Tagung der Autorenvereinigung Quo Vadis, wurden in Singen Preise fürKurzgeschichten vergeben

Die Stadt am Hohentwiel war am Wochenende Treffpunkt von 30 Autorinnen und Autoren historischer Romane. Der aktuelle Anlass: Die Autorenvereinigung Quo Vadis hatte ihr Jahrestreffen. In diesem Rahmen verlieh sie in der Stadthalle auch etliche Preise für die besten in der Anthologie „Drei Tagesritte vom Bodensee“ aufgenommenen Kurzgeschichten, die von ihren Mitgliedern sowie Teilnehmern eines Wettbewerbs stammen. Am folgenden Abend lasen die Autoren bis tief in die Nacht vor wechselndem Publikum aus ihren Büchern.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Singen immer wieder der Ort ist, wo sich Autoren und Leser gerne treffen. Die Leiterin der Städtischen Bibliotheken, Barbara Grieshaber, hat seit mehr als 20 Jahren durch Literaturreihen wie die „Erzählzeit“ großartige Vorarbeit geleistet. Bereits kurz nach der Criminale (2009) wurde die Idee geboren, die Historica nach Singen zu holen und das Festival mit einer Anthologie zu begleiten – die Grieshaber schließlich gemeinsam mit SÜDKURIER-Redakteur Siegmund Kopitzki im Meßkircher Gmeiner-Verlag herausgab. Der Kontakt zu Quo Vadis entstand durch Ruben Wickenhäuser, der schon mehrfach bei den Singener Kinder- und Jugendbuchtagen auftrat.

Die besten zehn Geschichten der Anthologie wurden von einer Jury, bestehend aus Angeline Bauer, Caren Benedikt und Guido Dieckmann ausgewählt. Am Anfang sei der Stapel an Beiträgen, die in die engere Wahl kommen sollten, recht groß gewesen, berichtete Caren Benedikt, die den Abend locker moderierte. Am Ende sei klar gewesen: „Die ersten drei liegen unheimlich dicht zusammen“. So konnte sie jetzt gemeinsam mit dem Konstanzer Kreisarchivar und Co-Moderator der Gala, Wolfgang Kramer, den ersten Preis an Claudia Schmid für ihre Geschichte „Susannes Unbill“ übergeben. Den zweiten Preis erhielt Hans van Ooyen aus Marl für „Der Dekadenring von Konstanz“, Juliane Stadler aus Speyer erhielt den dritten Preis für ihre Erzählung „Der Zwölfte oder Der Sängerkrieg von Trossingen“.

„Ich freue mich wahnsinnig und es ist eine Ehre für mich, bei dieser Anthologie dabei zu sein“, sagte die in Mannheim lebende Autorin. Die Jury hatte sich für Schmids Text ausgewählt, weil er so herzerfrischend geschrieben sei, sagte Caren Benedikt. Wolfgang Kramer machte sich aus Sicht des Historikers und Archivars Gedanken über die Geschichten und legte auf launige Art den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen dem wissenschaftlich arbeitenden Historiker und dem frei assoziierenden Autor frei. Dennoch zeigte er sich begeistert von der Fantasieleistung der Autorinnen und Autoren historischer Erzählungen und Romane: „Ich beneide Sie! Sie dürfen ungestraft Dinge erfinden, die uns verboten sind, wenn wir keine Quellen haben", meinte er augenzwinkernd an die schreibende Zunft gewandt. An der Erzählung von Claudia Schmid hatte er rein gar nichts zu kritteln: „Namen stimmen, Orte stimmen, Zahlen stimmen und den Dialekt im Baden-Württembergischen Allgäu hat sie gut getroffen“. Claudia Schmid las ihre Geschichte, die in Isny im Allgäu spielt, in dem dort typischen Dialekt mit viel Inbrunst und großer Überzeugungskraft. Schließlich sei sie seit 30 Jahren mit einem Isnyer verheiratet, erwähnte sie, da komme der Bezug zur Region nicht von ungefähr.

Auch der Gmeiner-Verlag hatte gemeinsam mit der Stadt Singen einen Publikumspreis ausgeschrieben, den Marc Buhl für seine Kurzgeschichte „Hirnstück“ gewann. René Stein, Lektor im Gmeiner-Verlag, das Herausgeber-Duo Kopitzki/Grieshaber übergaben die Urkunde und eine damit verbundene Donation in Höhe von 500 Euro an den Freiburger Autor. Weit über 250 Leser hatten sich an der Ausschreibung beteiligt.

Der (mehrfach vergebene) „vierte“ Preis von Quo Vadis ging an Anne Bentkamp, Susanne Krawinkel, Evelyn Leip, Philipp Unsinn, Marlene Geselle, Doris Rothweiler und Annette Amrhein.

Und ja: Für die Untermalung mit mittelalterlicher Musik hatten die Organisatoren die Sängerin Jule Sonnenklang eingeladen. Ein Glücksgriff. Sie hatte ihre Schlüsselfidel dabei, eine besondere Tastengeige, auch Nyckelharpa genannt.

Weitere Infos unter www.gmeiner-verlag.de und www.autorenkreis-quovadis.de

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