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Kultur See Gary Moore hat immer noch den Blues

01.04.2009
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Britische Gitarren-Legende spielte am Montagabend vor begeistertem Publikum in der Ravensburger Oberschwabenhalle.

Es gibt Künstler, die bei Konzerten mit unzähligen Kostümwechseln und bombastischer Bühnendekoration von ihren dünnen Stimmchen und mangelndem Talent ablenken wollen. Und es gibt Künstler, die diesen ganzen Schnickschnack nicht nötig haben. Zur letzten Kategorie zählt Gary Moore. Dem Rock- und Bluesmusiker aus dem nordirischen Belfast gelingt es, allein mit seiner rauchigen Stimme und seinem genialen Gitarrenspiel das Publikum in Bann zu ziehen. So auch am Montagabend in der Ravensburger Oberschwabenhalle. In Jeans und schwarzem Hemd betritt der kleine Mann mit der großen Stimme die Bühne. Bühnendekoration – Fehlanzeige. In der Hand hält er den zweiten Hauptdarsteller des Abends: seine Gitarre. Mehr braucht Gary Moore nicht.

Bereits beim ersten Stück „Bad for you Baby“, Titelsong seines aktuellen Albums und Titel der gleichnamigen Tournee, liefert der 56-Jährige den Beweis, dass er neben Carlos Santana und Eric Clapton zu den besten Gitarristen der Welt zählt. Mit flinken Fingern und ganz viel Gefühl entlockt der Altmeister seinem Instrument Klänge voller Leidenschaft. Mal schnell, dann wieder langsamer bearbeitet Gary Moore die Saiten. Für Laien mag das manchmal wie Schwerstarbeit aussehen – für den britischen Künstler, der seit seinem elften Lebensjahr Gitarre spielt, scheint es jedoch ein Kinderspiel zu sein. Bei dem Klassiker „Since I met you Baby“ lässt Moore seine Gitarre minutenlang kreischen. Während des Solos verschmelzen der Musiker und sein Instrument. Sie werden eins und die dreiköpfige Band, die überhaupt während des ganzen Abends neben Garry Moores One-Man-Show verblasst, tritt vollends in den Hintergrund.

Dennoch braucht das oberschwäbische Publikum eine Weile, bis es in die Gänge kommt. Vielleicht, weil viele vergeblich auf alte Hits warten. Songs wie „Separate Ways“, „Cold Day in Hell“ oder „Empty Rooms“ gibt Moore in der Oberschwabenhalle nicht zum Besten. Aber er ist ja auch nach Ravensburg gekommen, um sein neues Album vorzustellen. Ein Stück daraus ist zum Beispiel „Mojo Boogie“. Beim Refrain des temporeichen Songs singt und klatscht das Publikum, das sich an diesem Abend aus allen Generationen zusammensetzt, begeistert mit.

Bei der romantischen Ballade „I love you more than you'll ever know“ schmiegen sich die Pärchen in den ersten Reihen eng aneinander und wiegen sich im Takt. Selbst hartgesottene Kerle auf den hinteren Rängen legen bei dem neuen Schmusesong ihren Arm zärtlich um ihre Angetraute.

Laut und temporeich geht es hingegen wieder beim Stück „Too tired“ aus den frühen 90er Jahren zu. Ganz und gar nicht müde präsentiert sich Gary Moore bei seinem Gitarrensolo. Unermüdlich strapaziert er mit dem Plektrum die Saiten.

Nach einem guten Dutzend Songs ist Schluss. Gary Moore stellt seine Gitarre zurück in den Ständer, wirft einen kurzen Handkuss in die Menge und verlässt die Bühne. Ohne Gitarre wirkt er schmächtig. Fast schüchtern. Das Publikum ist noch nicht zufrieden. Zwei Zugaben erklatscht sich die Menge. Erst als sie „Still got the blues“ gehört hat, zieht es sie glücklich nach Hause. Auch wenn Moore seinen größten Hit nicht gespielt hätte, um den sich unlängst ein Urheberrechtsstreit entzündete: Er hat dennoch bewiesen, dass er immer noch den Blues hat.

Juliane Schlichter

Argl
Wie kann man nur den Gitarrenkopf abschneiden?
Das darf man niemals!
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