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Die Physikerin Felicitas Pauss im Cern.
Die Physikerin Felicitas Pauss im Cern. | Bild: Katalog

Bundesweit erwerben Schülerinnen mittlerweile häufiger die Hochschulreife als ihre Mitschüler, bei Studienabschlüssen liegen sie ebenfalls leicht vorne und bei Promotionen liegt ihr Anteil über 40 %. Vergleicht man hochdotierte Positionen, ergibt sich ein anderes Bild: Professorinnen erreichen lediglich eine Quote von 15 %. Schaut man in einzelne Fachbereiche beispielsweise den Naturwissenschaften, wird die Prozentzahl einstellig. Dabei sind Arbeitskräfte in den technischen Berufen gesucht. Anreize, sich stärker in männerdominierten Feldern auszubreiten bietet die Ausstellung „Frauen, die forschen“ von Bettina Flitner in der Universität Konstanz. Auf überlebensgroßen Leinwänden präsentiert die Fotografin 25 bedeutende und überzeugte Naturwissenschaftlerinnen und macht sie in Bildern und begleitenden Texten als Vorbilder „sichtbar“.

Zu sehen sind Frauen in Spitzenpositionen, die die Risiken komplizierter Geldanlagen, die Energie der Sonne, die menschliche Sprache oder einen Impfstoff gegen den Aids-Erreger HIV erforschen. Die Jüngste ist mit Anfang 30 die Mathematikerin Caroline Lasser, die emeritierte Astrobiologin Gerda Horneck mit 70 die Älteste. Die Bilder der attraktiven, interessanten Forscherinnen, mit offensichtlicher Freude an ihrem Beruf, stimmen nicht nur neugierig, sondern strafen auch die noch grassierenden Klischees von weltabgewandten Exotinnen, von hässlichen Entlein Lügen. „Wissen und Neugier macht schön“, weiß die Fotografin. Ihr Anliegen, außer dem Porträt auch die Arbeit nachfühlbar zu machen, war nicht immer einfach.

Sie beschäftigte sich bereits vor dem Fototermin mit den jeweiligen Arbeitsgebieten ihrer Protagonisten und inspizierte die einzelnen Institute. In Genf kam sie sich vor wie bei James Bond, als sie in 100 Metern Tiefe die Physikerin Felicitas Pauss im Cern vor einem riesigen Teilchenbeschleuniger porträtierte. Die deutsche Astronomin Eva Grebel fotografierte sie in der Heidelberger Sternwarte vor einem alten Teleskop. Nicht immer bot der Gegenstand der Arbeit geeignetes Bildmaterial, denn wie lassen sich Neutrinos visualisieren, nach denen Gisela Anton sucht oder Schwarze Löcher, mit denen sich die Physikerin Mathilde Marcolli auseinandersetzt.

Flitner hat bisher sehr unterschiedliche Menschen vor ihr Objektiv geholt, darunter Obdachlose, Manager, Rechtsextreme, Schriftstellerinnen, Politikerinnen. Den Anstoß, sich mit Forscherinnen zu beschäftigen, bekam sie, als die Biologin Christiane Nüsslein-Volhard den Medizin-Nobelpreis erhielt und es Flitner nicht gelang ein Bild der Direktorin des Tübinger Max-Planck-Instituts für die Zeitschrift EMMA zu bekommen. Sie entschloss sich darum, wichtige Persönlichkeiten zu fotografieren und deren Position mittels Bild zu stärken. Nach ihrer erfolgreichen Serie über wichtige Europäerinnen nahm sie die Naturwissenschaften in den Blick. Das Bundesforschungsministerium und der FrauenMediaTurm Köln unterstützten sie bei der Umsetzung dieses Projekts, nicht zuletzt, um das Potenzal kreativer Frauen in die Naturwissenschaften zu lenken.

Dorothea Cremer-Schacht

Bettina Flitner: Frauen, die forschen. 25 Porträts, Ausstellung Universität Konstanz, bis 29. November, anschließend ab 4. Dezember im Kulturzentrum am Münster. – Zur Ausstellung ist ein Katalog ist in der Collection Rolf Heyne, München erschienen.

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