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Kultur See Eine Mordslust am Schreiben

11.12.2010


Die Krimiautorin UlrikeBlatter aus Gottmadingen hat ihren zweiten Bodensee-Krimi veröffentlicht

Ein Weihnachtsgeschenk verbirgt sich nicht hinter dem gut verschnürten Bündel, das der Postbote gerade im Oderweg in Gottmadingen abgegeben hat. Es wiegt schwer, ist zum Schutz noch einmal in buntes Katalogpapier gewickelt. Als Ulrike Blatter zur Schere greift, ahnt sie schon, welcher Inhalt sich hinter der Pappe verbirgt: „Es ist die Anthologie aus Österreich, in der Gedichte von mir zu finden sind“, sagt die Autorin nicht ganz ohne Stolz. Druckfrisch. Stimmen Satz und Inhalt? Ein prüfender Blick und Ulrike Blatter legt das Bündel zufrieden beiseite.

Im Oktober ist nach ihrem ersten Krimi „Vogelfrau“ (2008) ihr jüngster Roman erschienen: „Der Mann, der niemals töten wollte“. Ein Krimi, der sich mit den Folgen des Balkankrieges beschäftigt, mit traumatischen Erinnerungen. Ein Krimi, in dem Ulrike Blatter ihre Leser gekonnt in die Irre führt, wohldosiert Spannung erzeugt und einen tiefen Blick in die menschliche Psyche gewährt. Ihr gelingt der Spagat zwischen einem spannenden Plot und der einfühlsamen Erzählung verschiedener menschlicher Schicksale, die das Erlebte psychisch nicht meistern können, daran zerbrechen oder aber neue Kraft schöpfen.

Ihre Sätze sind klar, deutlich und ausdrucksstark. Sie lebt mit den Figuren, die sie geschaffen hat. Was Ulrike Blatter erzählt, klingt glaubwürdig, an vielen Stellen erschreckend real. „Die Geschichten könnten in dieser Form jederzeit auch in der Realität geschehen“, sagt die Gottmadinger Autorin, die eigentlich im Rheinland geboren und der Liebe wegen in den Südwesten gezogen ist. Sie muss es wissen, denn sie ist gelernte Ärztin. Angefangen hat sie mit Gynäkologie, dann kam die Rechtsmedizin, wo sie viele Tote gesehen hat und die schlimmen Schicksale dahinter. Es folgte eine Fortbildung in Psychotherapie, Schwerpunkt Suchtberatung. Zuletzt hat sie im Reichenauer Zentrum für Psychiatrie als Ärztin gearbeitet, doch in diesem Frühjahr, da wollte sie nicht mehr: „Es hat doch irgendwann angefangen, mich zu sehr zu belasten“, sagt Ulrike Blatter.

Nun konzentriert sie sich voll auf das Schreiben und auf Lesungen: „Mittlerweile bezeichne ich mich als Schriftstellerin, nicht mehr als Ärztin“, sagt sie. So ist sie das, wonach sie ihr ganzes Leben lang gestrebt hat: Die Frau, die immer schreiben wollte. „Schon mit acht Jahren habe ich erste Gedichte und Geschichten geschrieben.“ In den Journalismus wollte sie nach dem Abitur, hat sich aber auch sehr für Naturwissenschaften interessiert. „Und damals habe ich vielleicht auch noch ein bisschen mehr auf meine Eltern gehört“, sagt sie schmunzelnd. „Ich war gerne Ärztin, habe aber trotzdem immer geschrieben. “ Besonders die Erfahrungen aus der Rechtsmedizin, die Zusammenarbeit mit der Polizei, ihre Arbeit als Psychotherapeutin und ihre Erlebnisse als ehrenamtliche Helferin in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens haben ihr bei ihren Krimis geholfen: „Es ist so, dass ich in meiner ganzen medizinischen Zeit Geschichten gesammelt habe“, sagt Ulrike Blatter. Ein Stück ihres Lebens, das sie aufgeschrieben hat.

Mit ihrem Mann, ihren beiden schulpflichtigen Kindern und Windhund Django lebt sie in Gottmadingen. Django gibt es seit ihrem Krimidebüt „Vogelfrau“, in dem auch der kauzige Konstanzer Kommissar Erich Bloch ermittelt. Er besitzt einen übergewichtigen Mops, der den Namen Churchill trägt. „Meinen Kindern habe ich aus dem Buch immer nur die Stellen mit dem Hund vorgelesen, die waren nicht so brutal“, erzählt Ulrike Blatter. Und so sei die Familie auch auf den Hund gekommen, allerdings auf das genaue Gegenteil eines übergewichtigen Mopses.

Mit Kindergeschichten und Gedichten „erholt“ sie sich von ihren Krimis: „Da kann ich einfach meine Seele baumeln lassen.“ Die Anthologie aus Österreich, die der Postbote gerade gebracht hat, ist ihr eine willkommene Abwechslung an diesem Morgen. Sie kocht sich einen Pott Kaffee, wie jeden Tag um zehn Uhr. Ihr zweites Frühstück. Und dann liest sie.

Ulrike Blatter im Internet:

www.ulrike-blatter-krimi.de

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